Leitung soll Südhessen durchqueren

Debatten um Stromtrassen

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Der in Norddeutschland mit Windrädern erzeugte Strom soll auf einer auch durch Hessen verlaufenden Trasse nach Süddeutschland transportiert werden.

Wiesbaden - Die Energiewende erfordert neue Stromtrassen von Nord nach Süd: Zwei sollen durch Hessen gehen. Sie sorgen im Landtag schon für Debatten und Ärger in den Gemeinden, die davon betroffen sind. Von Thomas Maier

Der genaue Verlauf ist zwar noch unklar: Doch durch Hessen sollen zwei großen Stromtrassen gehen, um bundesweit die Energiewende voranzubringen. Energie-Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) hält die Leitungen für notwendig, auch wenn Hessen selbst davon nicht direkt profitiert. Der Landtag in Wiesbaden hat jetzt eine Anhörung beschlossen.

Auf lokaler Ebene wie im nordhessischen Wolfhagen, das der Stromtrasse Suedlink kritisch gegenübersteht, ist an diesem Donnerstag (27. März.) eine Veranstaltung mit den Betreibern geplant. Suedlink soll ab 2022 über 800 Kilometer - und durch ganz Hessen - den Windstrom von Schleswig-Holstein ins fränkische Grafenrheinfeld bringen. Dort wird das Atomkraftwerk im Jahr 2019 stillgelegt.Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hat angesichts von Bürgerprotesten in seinem Land schon ein Ende der Planungen gefordert - dem sich gerne volksnah gebenden CSU-Chef ist vor allem die dritte geplante Trasse des Netzbetreibers Amprion ein Dorn im Auge. Diese soll von Sachsen-Anhalt nach Augsburg führen.

Kaum gesprochen wird derzeit von der Amprion-Leitung, die ab 2019 aus den Steinkohlerevieren in Nordrhein-Westfalen ins nordbadische Philippsburg gehen soll. Dort wird zu diesem Zeitpunkt ebenfalls das AKW vom Netz genommen. Diese 340 Kilometer lange Trasse (Ultranet) wird Südhessen durchqueren.

Seit Januar Infoveranstaltungen in Südhessen

In diesem Sommer - ursprünglich war März geplant - will Amprion nun den Antrag auf die Bundesplanung für den Bau des Teilstücks von Pfungstadt nach Mannheim stellen. Deutschland größter Stromnetzbetreiber will zuerst in Südhessen loslegen, weil dort auf einigen Kilometern eine neue Trasse errichtet werden soll. Generell soll aber Ultranet von NRW bis Philippsburg entlang eines bestehenden Korridors gebaut werden, wie Projektmanagerin Joëlle Bouillon sagt.

In Südhessen laufen seit Januar die ersten Info-Veranstaltungen wie etwa in Bürstadt - mit begrenztem Interesse der Bevölkerung. „Bisher gibt es wenig Rückmeldung“, berichtet Bouillon.

Anders sieht das in Nordhessen bei Suedlink aus - vor allem in Wolfhagen. Dort ist man stolz, dass man als erste Kommune in Hessen seinen gesamten Strombedarf aus Biogas, Windkraft und Solarenergie decken will - und dennoch Deutschlands längste Stromtrasse auf der eigenen Gemarkung zulassen soll. Geplant wird Suedlink von den Netzbetreibern Tennet und TransnetBW. „Wir sind für die Energiewende. Aber wir wollen doch eine dezentrale Lösung und zeigen auch, dass es geht“, sagt der parteilose Bürgermeister Reinhard Schaake.

Hessen will von Trassen profitieren

Für diese Haltung findet er im Landtag in Wiesbaden durchaus Verständnis. An der Energiewende will zwar niemand rütteln. Doch die Opposition - von der Linken bis zur FDP - findet es durchaus problematisch, wenn Hessen von Suedlink gar nicht profitieren sollte. Tarek Al-Wazir hält dies für Kirchturmsdenken, da Hessen nach dem Aus für die Atommeiler in Biblis „Stromimportland Nummer eins“ sei. „Wir sollten die Allerletzten sein, die die Notwendigkeit der Vernetzung infrage stellen“, sagte er vor wenigen Tagen im Landtag.

Den Bedarf will aber die Opposition jetzt doch in einer Anhörung von Experten im Landtag überprüfen lassen - auch die schwarz-grüne Regierung ist dafür. Einig sind sich alle Parteien, dass die Bevölkerung an der Planung der Trassen möglichst umfassend beteiligt werden muss. Diskutiert wird dabei auch über eine Erdverkabelung. Allerdings dürfte das angesichts der achtmal so hohen Kosten wenig realistisch sein. Verbuddelte Kabel sind zwar weniger anfällig, aber wenn was passiert, dann ist eine richtig große Reparatur nötig.

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dpa

Quelle: op-online.de

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