Altrocker bitten zur Klassiker-Pracht

Deep Purple in der Festhalle: Wie einst in Japan

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Rock-Veteranen in Aktion: Deep-Purple-Bassist Roger Glover (links) und Leadsänger Ian Gillan.

Frankfurt - Mit einem Programm voller Klassiker zeigt das legendäre Quintett Deep Purple in der Frankfurter Festhalle, dass es auch nach fast 50 Jahren Bandgeschichte noch längst keine Rentnerband ist. Von Christian Riethmüller

Dies ist kein Tanztee, auch wenn das Quintett auf der Bühne der Festhalle schon etwas betagt wirken mag. Doch kaum ist die martialische Einzugshymne „Mars, the bringer of war“ verklungen und das vertraute Bravado von „Highway Star” hebt an, ist jedem im gut gefüllten, allerdings nicht ausverkauften Saal klar, dass Deep Purple noch lange nicht mit dem Elektromobil unterwegs sein werden. Zum Gepolter, das Ian Paice am Schlagzeug, Roger Glover am Bass, Steve Morse an der Gitarre und Don Airey an der Orgel veranstalten, quiekt und kreischt Ian Gillan nicht nur, als spränge ihm jemand auf den maladen Fuß. Der mittlerweile 70-Jährige singt noch immer, als hätten mittlerweile 50 Jahre Rockstar-Dasein seinen Stimmbändern nichts anhaben können. Gut, „Child in time” lässt er nun aus, doch ansonsten klingt Gillan wie einst in Japan, nur etwas subtiler und geerdeter vielleicht.

In irrlichternde Höhen schrauben sich dagegen seine schrulligen Ansagen, mit denen er etwa blutrünstig den neuen Song „Vincent Price” (vom letzten Studioalbum „Now what?!”) ankündigt oder auch Steve Morses Soloexkursion „The Aviator” einleitet. Morse nimmt’s mit breitem Grinsen, wie der blonde Meistergitarrist sich auch sonst bereitwillig auf den Zirkus einlässt, in dem er ja auch nach fast zwei Jahrzehnten Bandzugehörigkeit noch immer ein kleines Kuriosum ist. Ein Virtuose wie nur wenige andere Rockgitarristen neben ihm, ist er in seinem Job bei Deep Purple immer noch Ideen verpflichtet, die einst sein Vorgänger Ritchie Blackmore entwickelt hat. Und obwohl Morse einen anderen Sound hat, filigraner und reduzierter spielt, ist während des zweistündigen Programms Blackmores Schatten immer mal wieder da, sind es doch seine Riffs, die Rockgeschichte geschrieben haben, was ganz besonders für die weltumspannende Luftgitarristen-Hymne „Smoke on the water” gilt, mit der Deep Purple ihr Konzert beenden. Zuvor gibt es neben wenigen neuen Songs das vermutlich Beste aus der sogenannten Mk.-II-Phase zu hören, darunter Klassiker wie „Strange Kind of Woman” oder eine fulminante Version des Boogies „Lazy”. Auch die instrumentalen Exkursionen der Musiker dürfen nicht fehlen, wenngleich sich Morse, Paice, Airey und Glover bei ihren Soli Grenzen auferlegt haben. Es gilt keine Zeit zu verlieren, denn der Klassikerkatalog ist lang und soll in aller Pracht präsentiert werden. Statt eines zwanzigminütigen Schlagzeugsolos also lieber Kracher wie „Hush“ und „Black Night“ als Zugabe. Dazu lässt sich sogar tanzen, selbst wenn ein Deep Purple-Konzert gewiss kein Tanztee ist.

„Rock Meets Classic“ in der Jahrhunderthalle

Quelle: op-online.de

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