Deichkind in der Jahrhunderthalle

Sie sind nicht von dieser Welt

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Party und Politik? Deichkind schaffen das.

Frankfurt - Für die einen sind sie biersaufende Techno-Rabauken, für die anderen die vielleicht sozialkritischste Band des Landes. An Deichkind aus Hamburg scheiden sich seit jeher die Geister. Von Ronny Paul

Zumindest die Zuschauer in der Frankfurter Jahrhunderthalle dürften sich darüber wenig Gedanken gemacht haben – schließlich sind sie gekommen, um mit Kryptik Joe, Ferris Hilton und Porky eine dicke Party und jede Menge Hits zu feiern.

Mit einem Film-Intro geht es los: Fanfarenartige Synthesizer-Klänge begleiten einen Flug aus dem Weltraum auf die Erde, so als ob die Band sagen wolle: „Wir sind nicht von dieser Welt.“ Zur ersten Single des neuen Albums „Niveau, weshalb, warum?“ kracht es aus den Lautsprechern: „Wer macht denn heute noch so ‘ne Musik?“ Deichkind! Wer sonst kommt auf die Idee, sich „Papierflieger aus den Noten von Bach“ zu bauen? Die Menge in der Jahrhunderthalle ist bereits zum ersten Song auf Betriebstemperatur. Das hält sie eindrucksvoll für weitere 26 Lieder durch. Und nach dem ersten Refrain weichen die Statisten mit ihren pyramidenförmigen Leuchthelmen den drei Hamburger Stimmungskanonen, die wenig später mit „Denken Sie groß“ ein Lied präsentieren, das die Verschwendungs- und Wegwerfgesellschaft karikiert. So wechseln sich sozialkritische Titel wie „Bück Dich Hoch“, „Arbeit nervt“ oder „Illegale Fans“ mit Partyknallern wie „Komm schon“, „Bon Voyage“ oder „Limit“. Die Bühnenelemente sind ständig in Bewegung, unterstützen die Choreografie oder dienen als Plattform zum Bungee-Springen.

Deichkind in der Jahrhunderthalle

Deichkind in der Jahrhunderthalle

Fast jeder Song bietet eine Überraschung: Bei „Naschfuchs“ werden Bonbons in die Menge geschmissen, bei „Roll das Fass rein“ bewegt sich die Band auf einem Riesen--Fass durch die Menge, die bei „Hört ihr die Signale?“ aus Schläuchen abgefüllt wird. Eine Polonaise durchs Publikum und die Schlauchbootfahrt über die Köpfe der Meute gehören längst dazu. Mitsingen hieß es dann auch noch bei „Remmidemmi“, dem fulminanten Schlusspunkt.

Quelle: op-online.de

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