DeinBus-Gründer Christian Janisch im Interview

„Die Preise werden nicht auf diesem Niveau bleiben“

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Die DeinBus.de-Gründer Christian Janisch (links) und Alexander Kuhr.

Offenbach - In der dritten Etage der Heyne-Fabrik herrscht reger Verkehr. Hinter den Backsteinwänden liegt das Büro von DeinBus, dem Offenbacher Fernbusunternehmen, das als eines der ersten auf den Markt drängte.

Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Khang Nguyen spricht Gründer Christian Janisch über Dumpingpreise, Bahnhöfe und Zukunftsperspektiven.

Wann sind Sie das letzte Mal mit dem Fernbus gefahren?

Janisch: Vor zwei Wochen, da ging es nach Stuttgart auf einen Termin. Ich versuche immer, möglichst viel Strecke mit dem eigenen Bus zurückzulegen. Uns ist es wichtig, nah am Fahrgast zu sein.

Und wann waren Sie das letzte Mal mit der Bahn unterwegs?

(lacht) Das war in der Tat derselbe Termin vor zwei Wochen. Da bin ich mit der Bahn hin- und mit dem Bus zurückgefahren.

Die Bahn hat in den vergangenen Monaten massiv umgerüstet: Bahn-Cards zu reduzierten Preisen, extrem günstige Tickets über Drittanbieter und Sparpreise bis einen Tag vor der Fahrt. Fühlen Sie sich bedroht?

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Nein. Entscheidender für uns ist der Preiskampf auf dem Fernbusmarkt. Aber dass die Bahn reagiert und ihre Preise auf ein faires Niveau anpasst, ist zunächst einmal eine gute Sache. Eines unserer Ziele, weshalb DeinBus.de entstanden ist, haben wir damit erreicht: der Bahn ihr Preismonopol zu nehmen.

Es gibt mittlerweile viele Busanbieter. Wie gehen Sie mit diesem Druck um?

Gelassen. Wir versuchen, das, was uns schon immer ausgezeichnet hat, beizubehalten: Wir verstehen, was Fahrgäste wollen. Wir haben DeinBus.de gegründet, weil wir die Alternative zur Bahn vermisst haben. Uns immer wieder in die Fahrgäste hineinzuversetzen, hilft, ihre Bedürfnisse erfüllen zu können.

Wie gehen Sie mit Ein-Euro-Angeboten von Wettbewerbern um?

Wir haben oft diskutiert, ob wir da mit einem Dumpingpreis wie 50 Cent mitgehen, haben uns aber bisher dagegen entschieden, da wir noch eine gewisse Wertigkeit des Produktes wahren wollen. Wir wollen unsere Fahrer fair bezahlen, wir wollen sichere Busse – das sollte Fahrgästen etwas wert sein. Mit Preisen ab neun Euro sind unsere Tickets schon günstig, da muss man nicht mit marktschreierischen Preisen werben.

Finden Sie diese Preisentwicklung bedenklich?

Wenn man sich die Preissetzung mancher Wettbewerber ansieht, kann man schon denken, dass rationales Denken teilweise zu fehlen scheint. Die Preise sind so günstig, dass viele Busse sicher nicht kostendeckend fahren. Doch im Moment geht es vor allem darum, Marktanteile zu gewinnen. In einem gesättigten Markt würde das Kartellamt wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken einschreiten. Doch dafür ist der Markt noch zu jung. Auf Dauer werden die Preise allerdings nicht auf diesem niedrigen Niveau bleiben.

Bisher hat man es als Busreisender teilweise schwer, den richtigen Bus auf dem engen, lieblos hergerichteten Abstellplatz südlich des Frankfurter Hauptbahnhofes zu finden. Wie sieht die Vision von DeinBus.de aus?

Andere Anbieter leiden sicher unter der Situation auf der Südseite. Wir haben das Glück, einen Haltepunkt vor dem Haupteingang zu haben. Die Platzprobleme sind aber Ideengeber für eine Vision für Offenbach: Wir hatten vor ein paar Wochen ein Gespräch mit der Wirtschaftsförderung und haben vorgeschlagen, dass man auch in Offenbach einen Busbahnhof planen könnte. Vor allem beim Kaiserlei gibt es potenzielle Flächen. Insofern könnte sich die Stadt auch mal positionieren. In Deutschland gibt es nur noch sieben Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern, die nicht von Fernbussen angefahren werden. Offenbach gehört dazu.

Es gibt auch die Überlegung, dass Fernbusunternehmen Busbahnhöfe mitfinanzieren. Was halten Sie davon?

Leider denken viele Kommunen und Städte zuerst an die Kosten, nicht an den Nutzen, wenn sie sich neuen Themen nähern. Ich finde die Diskussion legitim, dass Fernbusse eventuell Kosten tragen sollen. Aber erst einmal wäre es besser, wenn Städte begreifen würden, wie sehr der Fernverkehrsmarkt derzeit im Umbruch ist. Man investiert so viel in Standortpolitik. Aber bei einem Fernbusbahnhof kann es dann an ein paar tausend Euro für Haltestellenhäuschen und Beleuchtung scheitern.

Wo sehen Sie den Fernbusmarkt in anderthalb Jahren?

Vor uns liegt ein Markt mit viel Potenzial. Viele Leute wissen zwar von den Angeboten, haben sie aber noch nicht genutzt. In fünf Jahren wird es ganz normal sein, Fernbus zu fahren. Für uns sind das die besten Voraussetzungen für weiteres Wachstum.

Quelle: op-online.de

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