Angst vor dem Inkasso-Monster

Clubs rufen zur GEMA-Demo in Frankfurt

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Für den Clubbetreiber Sven Väth würde die GEMA-Tariferhöhung geradezu astronomische Gebühren bedeuten.

Frankfurt - Im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages gegen die GEMA-Tariferhöhung wird morgen Abend in Frankfurt demonstriert. Die geplante Tariferhöhung der GEMA lässt Clubs um ihre Existenz bangen. Von Christian Riethmüller

Der „Tigerpalast“ ist ein Varieté-Theater und kein Musikclub. Trotzdem wird der Frankfurter Institution angst und bange vor der GEMA-Tariferhöhung, die zum 1. April 2013 geplant ist. Im „Tigerpalast“ wird nämlich öffentlich Musik aufgeführt, etwa wenn das Orchester in den Umbaupausen aufspielt oder aber die Auftritte der Artisten begleitet. „Deshalb zahlen wir einen monatlichen Beitrag von 3300 Euro an die GEMA“, berichtete „Tigerpalast“-Geschäftsführer Robert Mangold am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Frankfurter Club „Zoom“. „Nach der Tariferhöhung werden wir monatlich 21.684 Euro bezahlen müssen. Das ist wie wenn das Auto für 30.000 Euro von einem Tag auf den anderen plötzlich 210.000 Euro kosten würde.“

Gewaltige Preiserhöhungen

Mit solch gewaltigen Preiserhöhungen, wie Mangold sie beschreibt, werden sich nächstes Jahr zahlreiche Veranstalter auseinandersetzen müssen. Besonders die Betreiber von Clubs, Musiklokalen und Diskotheken werden möglicherweise vor existenziellen Fragen stehen, wie es etwa Klaus Unkelbach, Betreiber der bekannten Clubs „Robert-Johnson“ und „MTW“ (beide in Offenbach) sowie „Monza“ (Frankfurt) befürchtet. 14.500 Euro zahlt der Betriebswirt derzeit pro Jahr an die GEMA, nach der Tariferhöhung wären Zahlungen von 145.000 Euro pro Jahr an die Verwertungsgesellschaft fällig, die ihr neues Tarifmodell an Raumgröße, Höhe des Eintrittspreises und die Veranstaltungsdauer koppelt.

„Solche Steigerungen kann man nicht mehr bezahlen, weil wir ja nicht die Eintrittspreise derart erhöhen können. In der Konsequenz müssten wir das Robert Johnson und das Monza schließen, weil diese Clubs zu teuer wären“, sagt Unkelbach und beschreibt damit das Dilemma gerade der auf elektronische Musik spezialisierten CLubszene. In international bekannten Clubs wie dem „Robert-Johnson“ oder auch dem „Cocoon Club“ von Star-DJ Sven Väth sind die Nächte auch mal über acht Stunden lang und wird die Musik mitunter auch vom Laptop wiedergegeben, was weitere GEMA-Zuschläge zur Folge hat.

Für einen mit 1800 Quadratmetern Fläche relativ großen Club wie das „Cocoon“ würden die neuen GEMA-Tarife den ersten Berechnungen zufolge geradezu astronomische Gebühren bedeuten. Statt wie derzeit noch 19.300 Euro pro Jahr müsste der Club dann 420.330 Euro jährlich berappen - eine Steigerung um 2078 Prozent.

Demo gegen die Pläne der GEMA

Irrsinn, meinen Club- und Diskothekenbetreiber, Musiklokal- und Festveranstalter in ganz Deutschland und laufen Sturm gegen die Pläne der GEMA. Morgen soll der Protest in etlichen deutschen Großstädten auf die Straße gebracht werden - auch in Frankfurt. Dort soll um 18 Uhr an der Hauptwache ein Demonstrationszug mit Wagen, DJs und Bands durch die Innenstadt starten. Organisator dieser Protestaktion ist der neugegründete Verein „Clubs am Main“, zu dem sich zahlreiche Clubs und Musiklokale aus der Rhein-Main-Region, darunter etwa „Batschkapp“, „Das Bett“, „Club Travolta“, „Cocoon Club“ „King Kamehameha Club“, „Robert-Johnson“ „Tanzhaus West“ und „Zoom“.

Wie Klaus Bossert vom „Clubs am Main“-Vorstand sagte, hat die Vereinsgründung (am 13. Juni 2012) zwar vorrangig mit der Tariferhöhung zu tun, doch verstehe man sich nicht „monothematisch“. Zuvörderst soll der Verein nun aber der Kommunikation dienen, um Branche und Öffentlichkeit zu den Auswirkungen der GEMA-Pläne zu informieren, die bereits im Bundesanzeiger veröffentlicht worden sind und damit am 1. April 2013 wirksam werden können.

Sofortige Aussetzung der Pläne gefordert 

Die sofortige Aussetzung dieser Pläne ist das Ziel, an deren Stelle „ein maßvoller und zeitgemäßer, an Realitäten und Anforderungen der Musiknutzer orientierter Tarifvorschlag als Basis für Verhandlungen“ treten soll, wie die Initiatoren schreiben. Gleichzeitig fordern sie die „Sicherstellung von Transparenz und Verteilungsgerechtigkeit für die Urheber“. Wie Frank Lorber, DJ im „Cocoon“, Musikproduzent und GEMA-Mitglied, am Donnerstag berichtete, sieht er als Urheber nämlich kaum etwas von den Einnahmen der GEMA, weil von deren Verteilungssumme in Höhe von 702,3 Millionen Euro (im Jahr 2011) große Teile an die großen Plattenindustrien sowie einige Stars ausgeschüttet werden.

Produzenten von Clubmusik, die nur auf wenige Platten (Stückzahlen von 150 bis 300) gepresst wird, bleiben da nur Krümel vom Kuchen. Und ist jemand kein GEMA-Mitglied, wie es wohl für viele Produzenten und Musiker im Underground-Bereich zutrifft, erhalten sie gar nichts - selbst wenn das „Tigerpalast“-Orchester ihre Melodie spielen sollte.

Quelle: op-online.de

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