Ausnahmezustand in Frankfurt

Verletzte auf allen Seiten und neun Festnahmen

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Ein Bild aus Frankfurt.

Frankfurt - Ausnahmezustand in Frankfurt: Das rechte Bündnis „Widerstands Ost/West“ am Roßmarkt - immer in der Nähe begleitet von linken Gegendemonstranten. Ein Polizist wurde schwer am Kopf verletzt.

Rund 2000 Menschen protestierten heute in Frankfurt gegen eine Versammlung von Islamgegnern und Nationalisten. Demonstranten blockierten an mehreren Stellen den Versammlungsplatz und die geplante Marschroute der Initiative "Widerstand Ost/West", die sich von der Pegida-Bewegung in Dresden abgespalten hat. Mehr als 1000 Polizisten aus mehreren Bundesländern waren im Einsatz, um rechtsgerichtete Versammlungsteilnehmer und Gegendemonstranten voneinander zu trennen.

An den Polizeisperren rund um den zentralen Roßmarkt kam es schon am Vormittag wiederholt zu Zusammenstößen zwischen teilweise vermummten Mitgliedern von Antifa-Gruppen und den Einsatzkräften. Eier und Tomaten wurden geworfen, auch Böller und Rauchkerzen gezündet. Die Polizei verstärkte ihre Absperrungen mit Wasserwerfern und Hunden. Etwa 100 Anhänger des "Widerstands Ost/West" befanden sich nach Polizeiangaben zu der für die Kundgebung angesetzten Zeit auf dem Roßmarkt. Wie die Polizei via Twitter bekannt gab, wurde einer ihrer Beamten durch einen Flaschenwurf schwer am Kopf verletzt. Der Tatverdächtige konnte aber sofort festgenommen werden.

Beim Betreten des Platzes am Roßmarkt wurden die "Widerstand Ost/West"-Anhänger auf Waffen kontrolliert. Ihre Kundgebung verzögerte sich, weil ihre Redner wie der Münchener Islamgegner Michael Stürzenberger nicht rechtzeitig eintrafen. Des Weiteren wurde auf dem Rathenauplatz von der Bühne verkündet, was vorher nur als Gerücht umherwaberte: Kleine Gruppen von Hooligans sollen sich in Frankfurt befinden und durch die Stadt ziehen. In der Stadt kam es an verschiedenen Orten immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Beamten setzten mehrfach Pfefferspray ein. Insgesamt seien neun Personen festgenommen worden, zwei aus dem Umfeld von "Widerstand Ost/West" und sieben aufseiten der Gegendemonstranten. In den meisten Fällen sei es um Körperverletzungsdelikte gegangen, so die Auskunft der Polizei. Gegen 15 Uhr setzte sich der Marsch der Rechten in Richtung Roßmarkt in Gang, um 17.30 Uhr beendeten die Rechten ihre Demo am Roßmarkt mit dem letztmaligen Abspielen der Nationalhymne. Nach Angaben eines Polizeisprechers gab es Verletzte auf beiden Seiten, einige Demonstranten wurden festgenommen.

Nach der Versammlung ist es zudem noch zu weiteren Auseinandersetzungen gekommen. Rund 150 Gegendemonstranten wurden von der Polizei eingekesselt. Es flogen Rauchbomben.In der Goethestraße soll zudem eine Gegenkandidatin schwer verletzt worden sein. Umliegende Personen warfen der Polizei später vor, den Rettungsdienst nicht zur Frau durchgelassen zu haben. Die Polizei bestritt diese Vorwürfe und twitterte: "Die Demoteilnehmerin wollte keine ärztl./mediz.Behandlung. Erst jetzt stimmte sie zu. Lag nicht an uns."

An einer Protestkundgebung des Frankfurter Römerbergbündnisses, dem unter anderem Gewerkschaften und die beiden großen christlichen Kirchen angehören, nahmen mehrere hundert Menschen teil. Der Geschäftsführer von Pro Asyl, Günter Burkhardt, sagte, seit dem Aufkommen der Pegida-Bewegung im Herbst vergangenen Jahres versuchten Rechtsextremisten, sich einen Platz in der Mitte der Gesellschaft zu verschaffen. "Das ist die schleichende Gefahr."

Bilder: Ausnahmezustand bei Anti-Islam-Demo

dpa

Quelle: op-online.de

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