„Den müssen wir töten“

Darmstadt - Robert B. ist ein kleiner Mann mit ausladendem Bierbauch. Rundes Gesicht, Brille, Schnauzbart. Gemütlich wirkt er, vielleicht ein bisschen griesgrämig, aber nicht besonders Furcht einflößend. Und doch soll der 48-jährige Taxifahrer den Mord an einem ehemaligen Kollegen geplant und in Auftrag gegeben haben. Seit gestern muss sich Robert B. vor dem Landgericht Darmstadt verantworten.

Mit angeklagt sind Pietro L. und Giovanni P., die laut Anklage das Verbrechen ausgeführt haben.

Weil das Opfer Claus H. sich rufschädigend über seinen früheren Arbeitgeber, bei dem Robert B. weiterhin tätig war, geäußert habe, soll B. sich entschlossen haben, H. töten zu lassen. Pietro L. habe sich zur Tat bereit erklärt und diese mit seinem Komplizen Giovanni P. ausgeführt – gegen eine Zahlung von 4 000 Euro. Das Opfer wurde am Morgen des 1. Juni 2008 in der Aussinger Straße in Hainstadt blutüberströmt in seinem Taxi gefunden. H. war den Ermittlungsergebnissen zufolge mit einem langen Messer erstochen und mit einem Schal erdrosselt worden.

Der „Taximord“ im Hainburger Stadtteil Hainstadt ist vielfach durch die Medien gegangen, das Interesse der Öffentlichkeit groß. Zum Prozessbeginn sind alle Plätze im Saal besetzt. „Wegen Überfüllung kein Einlass mehr“, steht auf einem Zettel an der Tür. Erst nach der Mittagspause ist ein größerer Raum verfügbar. Auf den Tischen von Richtern, Staatsanwälten und Verteidigern stapeln sich dicke Aktenordner. In den Unterlagen ist zum Beispiel festgehalten, dass der Angeklagte Robert B. bei der polizeilichen Vernehmung zunächst jegliche Verbindung zu dem Mord als „schwachsinnig“ abgetan hat. Vor Gericht gibt er zwar zu, einen Auftrag erteilt zu haben. Aber nur für eine „Abreibung des Claus H. in Form des Vermöbelns.“ Dieser habe nach seinem Wechsel zu einem anderen Unternehmen gegen seinen früheren Arbeitgeber gearbeitet, „schlecht geredet und Kunden weggenommen“, ließ B. durch seinen Anwalt eine Aussage verlesen.

Er habe seinem Bekannten Pietro L. von diesen Problemen erzählt und den Wunsch geäußert, dass der Konkurrent „auf die Fresse kriegt“. Pietro habe gesagt, er kenne jemanden, der das erledigt. Niemals habe er einen Auftrag zum Mord erteilt, beteuert B. Er berichtet, wie er die Täter in der fraglichen Nacht abgeholt und erst im Nachhinein vom Ausmaß der Tat erfahren habe. Dem psychiatrischen Gutachter hat B. laut Protokoll gesagt, er fühle sich sehr schlecht und es tue ihm Leid, dass er den Stein ins Rollen brachte, der zum Tod des 47-Jährigen führte.

Zum ersten Mal belastet B. vor Gericht auch seinen derzeitigen Arbeitgeber. Dieser sei eingeweiht gewesen und habe die Hälfte der verlangten Summe gezahlt. Er habe den Chef raushalten wollen, sagt B., weil er ihn bei dessen Pensionierung als Nachfolger beerben dürfe. Der Vorgesetzte bestreitet im Zeugenstand eine Mitwisserschaft.

Der 56-jährige Giovanni P. schildert die Ereignisse der Mordnacht ausführlich, stellt sich aber als unwissendes Opfer der Umstände dar. Er habe sich mit L. in dessen Wohnung in Offenbach zum Drogenkonsum getroffen. P. spritzt sich Heroin, L. snieft. Auch Alkohol und Rohibnol sind im Spiel. Dann will L. noch auf ein Fest, ruft ein Taxi, sie fahren durch die Gegend, irgendwann sagt L.: „Den müssen wir töten.“

Die beiden Männer sind klein, zumindest im Vergleich mit dem Taxifahrer Claus H., der 1,90 Meter misst. Im Sitzen aber ist er seinen Angreifern ausgeliefert. Die Ermittlungsbeamten können ihn später nur schwer aus seinem Wagen bergen, weil er zwischen den Vordersitzen eingeklemmt ist.

Es sei der 39-jährige Pietro gewesen, der das Opfer mit einem Schal gewürgt und auf ihn eingestochen habe, sagt Giovanni P. Er selbst habe auch zugestochen – als der Taxifahrer schon tot war. „Pietro sagte, gib ihm auch zwei Stöße mit dem Messer. Immer wieder. Dann hab ich das getan... Ich weiß nicht, warum.“

Pietro L. will sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern. Seine Einlassung wird für heute erwartet, wenn der Prozess fortgesetzt wird. Weitere Termine: 16., 17. und 18. März.

Quelle: op-online.de

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