Neue Vorwürfe gegen Ex-Direktor der Odenwaldschule / Heroin geduldet?

„Der Mann hat vor nichts zurückgeschreckt“

+
Das „Goethe-Haus“ der Odenwaldschule in Heppenheim, Ortsteil Ober-Hambach. Zu den Beschuldigungen wegen sexuelle Missbrauchs kommen immer neue Hinweise auf weitere Skandale.

Heppenheim (dpa) ‐ Der frühere Direktor der Odenwaldschule, Gerold Becker, soll auch einen Minderjährigen sexuell misshandelt haben, der unter seiner Vormundschaft stand. Dies sagte der Opfer-Anwalt Thorsten Kahl gestern der Deutschen Presse-Agentur. Das Opfer wolle, dass die Vorgänge aus den 70er und 80er Jahren aufgearbeitet würden. Becker, der von 1969 bis 1985 an der Privatschule arbeitete, hatte in einem Brief sexuelle Verfehlungen gegenüber Schülern zugegeben.

Kahl zeigte sich darüber empört, dass Becker seine Vertrauensposition sowohl als Lehrer als auch als Vormund ausgenutzt habe. „Der Mann hat vor nichts zurückgeschreckt“, sagte Kahl.

Seit Anfang März waren zahlreiche Fälle von sexuellem Missbrauch durch verschiedene Lehrer an der Schule bekanntgeworden. Mittlerweile soll es sich um rund 40 Missbrauchsopfer aus der Reformschule in Heppenheim handeln. Die Darmstädter Staatsanwaltschaft ermittelt in neun Fällen wegen sexuellen Missbrauchs von Lehrern an Schülern. Voraussichtlich sind diese Taten aber verjährt.

Nach Angaben von Anwalt Kahl hat es noch Mitte dieses Jahrzehnts einen Fall von Erniedrigung gegeben. Das Opfer habe auf Druck früherer Mitschüler aber auf eine Anzeige verzichtet, sagte Kahl bestätigte damit Berichte des „Darmstädter Echos“ und des „Spiegels“. Der „Spiegel“ berichtete zudem von einem Lehrer, der den Konsum von Heroin geduldet habe. Eine Sprecherin der Schule sagte, für diese neuen Vorwürfe gebe es keine Belege.

Kahl berichtete am Wochenende erstmals von einem Opfer, das noch bis Mitte dieses Jahrzehnts von einem Lehrer erniedrigt worden sein soll. Frühere Mitschüler hätten den Betroffenen aber eingeschüchtert und von einer Anzeige abgebracht. Sie hätten den Mann in einer SMS gewarnt, er solle nicht die Schule ruinieren, sagte der Frankfurter Rechtsanwalt.

Die Sprecherin der Schule sagte zu den Berichten Kahls über Fälle in jüngerer Zeit: „Davon wissen wir nichts, das ist durch nichts belegt.“ Erst in den vergangenen Tagen waren Misshandlungen von Schülern untereinander bekanntgeworden. Die heutige Rektorin der Schule, Margarita Kaufmann, bestätigte im Rundfunksender hr3, dass ehemalige Schüler Vorwürfe wegen Quälereien gegen ihre Mitschüler erhoben hätten. In zwei Fällen seien die Täter selbst zuvor missbraucht worden.

Einem weiteren Ex-Lehrer wird dem „Spiegel“ zufolge vorgeworfen, er habe harte Drogen in dem Internat geduldet. Ein Schüler aus seiner Wohngruppe sei zwei Jahre nach seinem Fach abitur 1996 an einer Überdosis gestorben. Der Lehrer leitet heute eine Internatsschule in Bayern. Er bestreitet, den Heroin-Konsum selbst bemerkt zu haben. Er hätte aber „früher auf Warnungen und Hinweise reagieren müssen“, zitierte der „Spiegel“ den Mann.

Quelle: op-online.de

Kommentare