Den Fuß in die Tür bekommen

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Reinhard Dienes-Diaz mit dem Vorläufermodell seines Lampenentwurfs „Friday“ und einer Wanduhr.

Frankfurt - 18 Tonnen Schutt haben sie im vergangenen Oktober von hier weggeschafft. Reinhard Dienes-Diaz steht in seinem Atelier, das sich der Produktgestalter und Dozent an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) mit einem Internetexperten und zwei seiner Studenten teilt. Von Sonja Thelen

Das Studio – unweit des Frankfurter Hauptbahnhofs in einem Hinterhaus gelegen - ist ein großer, heller Raum. Die Wände sind zum Teil verputzt, zum Teil ist das Mauerwerk aus Backstein zu erkennen. Auf den großen Schreibtischen, die Tapeziertischen ähneln, stehen diverse Monitore. An der Rückwand erhebt sich bis zur Decke ein Metallregal, voll gepackt mit Lampenschirmen, Holzmustern, Büchern, einer Musikanlage und Rechnern. Der 29-Jährige zeigt auf den Boden. „Hier waren mal fünf Räume. Man sieht noch die Spuren von den Mauern, die wir eingeschlagen haben“, erzählt er: „Aber irgendwann konnten wir nicht mehr. Daher ist noch nicht alles fertig.“

Einer von 35 internationalen Newcomern

Reinhard Dienes-Diaz braucht seine Kraft im Moment für andere Projekte. Aktuell nimmt die morgen startende Konsumgütermesse „Ambiente“ den Deutsch-Kolumbianer in Anspruch. Dort darf er seine Arbeit im „Talents“-Bereich präsentieren. Darum hatte er sich bei der Messe Frankfurt im vergangenen Jahr beworben und den Zuschlag erhalten. 35 internationale Newcomer können nun auf der weltgrößten Konsumgütermesse mit ihren Entwürfen überzeugen und vor allem bei Kunden einen Fuß in die Tür bekommen. „Für mich ist das eine schöne Plattform, wo ich in Kontakt mit Medien, Herstellern und Käufern komme und ein unmittelbares Feedback erfahre“, freut sich Dienes.

Enthusiastischer Lehrbeauftragter in Offenbach

Überhaupt hat der 29-Jährige derzeit einen guten Lauf. Diverse Preise hat er in jüngster Zeit eingeheimst, ist für den Designpreis Deutschland 2011 nominiert, ergattert lukrative Aufträge wie etwa für die Lampe „Friday“, die Anthologie Quartett künftig in ihrem Sortiment hat und die sie gemeinsam auf der „Maison & Objets“ im Januar in Paris vorstellten. Er war international auf Schauen vertreten, etwa auf der Weltausstellung 2010 in Shanghai und ist – ganz nebenbei - ein enthusiastischer Lehrbeauftragter in Offenbach. Dort hat er selbst erst vor knapp drei Jahren sein Diplom gemacht. Zwei verschiedene Projekte betreut er an der Hochschule. An der Arbeit mit den Studenten schätzt er, „dass sie sehr viel von mir lernen, aber ich durch die Reflexion sehr viel von ihnen“. Er selbst will sie für ihren künftigen Beruf begeistern, aber ihnen auch klar machen, wie „wichtig es ist, herstellbare Produkte zu gestalten“.

Kreative Ader bei Designkurs entdeckt

Sein eigener rasanter Aufstieg lässt ihn immer noch staunen. Er selbst sieht sich nicht als Designer. „Ich bin ein Produktgestalter“, sagt Dienes-Diaz. Während ein Designer ein Produkt entwirft, muss bei ihm das von ihm geschaffene Objekt eine Funktion erfüllen. Er arbeitet viel mit seinen Händen. Im Erdgeschoss hat er seine Werkstatt. An der Sägemaschine schneidet er für seine Entwürfe das Holz zu. Im Atelier stehen diverse Prototypen, an denen er noch tüftelt, bis er mit der Stabilität und Funktionalität zufrieden ist. An dieser präzisen Herangehensweise ist zu erkennen, dass der Sohn einer Kolumbianerin und eines deutschen Architekten aus der Pfalz, zunächst Mathematik und Physik in Bogotá studierte. Bei einem Designkurs entdeckte er seine kreative Ader, ging nach Deutschland und begann sein Studium in Offenbach.

In einer Ecke des Studios steht ein simples Vorläufermodell seiner Lampenkreation „Friday“. Aus einfachem Kiefernholz hat er den Ständer gesägt, gefeilt, geschliffen, bis er die richtige Form und Haltbarkeit für die Stehlampe fand. Den Lampenschirm hat ein tschechischer Glasbläser für Dienes angefertigt. Für eine andere Lampe – „La Grande“ – hat er einen Lampenhersteller in der Wetterau aufgetrieben. Dienes-Diaz liebt es, bei seinen Arbeiten alte Handwerkstechniken einzusetzen und Holz mit Metall zu verbinden. Wichtig ist ihm, dass Design, Funktion und Material in einem stimmigen Einklang zueinander stehen und dass der Nutzer Regal, Lampe oder Tisch seinen Bedürfnissen anpassen kann, indem er die Regalhöhe individuell einstellt, die Lampe als Schreibtischlicht oder als Deckenfluter nutzen kann oder den Tisch entweder als Ess- oder Couchtisch verwendet.

Quelle: op-online.de

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