Bei Ärzten, Apothekern und Sanitätshäusern

Detektive der AOK decken Millionen-Betrug auf

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Offenbach - Ob einzelne Ärzte, Apotheker, Sanitätshäuser oder Versicherte: Sechs bis 24 Milliarden Euro gehen den gesetzlichen Krankenkassen Jahr für Jahr durch Betrug, Urkundenfälschungen, Untreue, fehlerhafte Abrechnungen und Korruption verloren. Von Peter Schulte-Holtey 

Das hat Transparency International ermittelt. Auch bei der AOK Hessen geht der Schaden regelmäßig in die Millionen. Zuletzt deckten die Kassenexperten in Hessen vor allem Betrügereien in der Pflege auf. Die Absprache mit den Ermittlern bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ist eng. Von den insgesamt 504 Tipps, die die Ermittler 2012 und 2013 erreichten, stammten über 200 aus den Fachabteilungen der AOK Hessen. 36 kamen von Versicherten und rund 40 Hinweise gingen anonym ein.

„Die Beispiele reichen von der Rezeptfälschung bis zu Abrechnungen nicht erbrachter Leistungen. Teilweise arbeiten zwei Leistungserbringer sogar Hand in Hand, bis wir ihnen auf die Schliche kommen“, erklärt Heike Degenhardt-Reinmold. Die schärfste Waffe gegen Betrüger sind elektronische Programme. Bei Auffälligkeiten schlägt das System Alarm. Stichwort: Plausibilität.

Fast zwei Millionen Euro „zurückholen“

Die Arbeit der AOK-Detektive war auch 2012/2013 wieder erfolgreich: Sie konnten der Kasse fast zwei Millionen Euro „zurückholen“ - mittels Urteil, Vergleich oder außergerichtlicher Einigung. Seit Beginn der Betrugsbekämpfung sind es sogar rund 13 Millionen Euro. Nach gut dreizehn Jahren intensiver Ermittlungsarbeit weiß das siebenköpfige Team aus Eschborn oft ganz genau, mit welchen Mitteln sich Kriminelle bereichern.

Schwerpunkt der aktuellen Prüfung war überwiegend der Bereich der sozialen Pflegeversicherung. Konkret: die sogenannte „Verhinderungspflege“. Sie greift, wenn Pflegepersonen aus dem privaten Umfeld über einen bestimmten Zeitraum zum Beispiel wegen Krankheit oder Urlaub ausfallen. Für diese Fälle sollen Ersatzpflegepersonen, wie Bekannte oder Nachbarn auf Kosten der Pflegkasse aushelfen. „Hier haben wir zahlreiche Fälle auf den Tisch bekommen, bei denen die Pflegeperson überhaupt nicht verhindert war. Obwohl sie einfach weitergepflegt hat, wurden durch fingierte Anträge Verhinderungspflegeleistungen bezogen“, so Degenhardt-Reinmold. Selbst fiktive Pflegekräfte wurden erfunden und entsprechende Bestätigungsunterschriften gefälscht. Mitunter haben sich sogar „Vermittler“ eingeschaltet und mehrere Fälle parallel „betreut“ – immer mit dem Ziel, unberechtigt Geld von der Pflegeversicherung zu erhalten und sich ggfs. eine „Provision“ auszahlen zu lassen.

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Quelle: op-online.de

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