Dem Geheimnis der Tornados auf der Spur

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Ein typischer Tornado mit einer annähernd senkrechten Drehachse.

August 2010: Ein Tornado fegt durch die hessische Kleinstadt Grünberg bei Gießen. Zahlreiche Hausdächer deckt der Wirbelsturm ab und zerbricht Bäume wie Grashalme. Von Julian Fath

Das Phänomen der Tornados, das vor allem aus den Vereinigten Staaten bekannt ist, richtet auch in hiesigen Gemeinden schwere Schäden an: „Tornados erreichen in Deutschland die gleichen Intensitäten wie in den USA“, sagt Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach. Immerhin 20 bis 60 dieser Stürme würden in Deutschland jedes Jahr beobachtet - manchmal gebe es auch Tote.

Die Vorhersage gestalte sich aber schwierig, weil sich die gefürchteten Wirbelstürme innerhalb kürzester Zeit verdichteten, vorher aber mit den üblichen technischen Mitteln nur schwer zu erkennen seien.

DWD der einzige Wetterdienst in Europa, der sich so intensiv mit Tornados auseinandersetzt

Auch deshalb baut der DWD sein Wetter-Radarsystem aus, mit dem Tornados künftig besser erforscht werden sollen. Bis 2013 solle an insgesamt 17 Standorten in ganz Deutschland eine neue Technik zum Einsatz kommen, die häufigere und genauere Unwetter-Daten liefert. Damit lasse sich die Entstehung von Wirbelstürmen schneller und zuverlässiger vorhersagen. Bereits heute sei der DWD „der einzige Wetterdienst in Europa, der sich so intensiv und mit einem verantwortlichen Mitarbeiter mit dem Thema Tornados beschäftigt“, so Friedrich.

Doch damit nicht genug - um auf dem neuesten Forschungsstand zu bleiben, richtet der DWD zurzeit ein internationales Symposium in Offenbach aus. Unter den rund 70 Teilnehmern sind neben eigenen Mitarbeitern auch renommierte Fachkollegen aus dem Ausland.

Von der Tornado-Beobachtung in den Vereinigten Staaten berichtet etwa Dr. Charles A. Doswell, wissenschaftlicher Berater aus Oklahoma. Das Problem sei nicht nur, dass das Land jedes Jahr von besonders vielen Stürmen heimgesucht werde. „Die Häuser in den USA sind weniger robust gebaut als in Europa“, erklärt Doswell.

Gerade in den ländlichen Regionen lebten viele Menschen in sturmanfälligen Holzhäusern oder Wohnwagen. Bei vielen Anwohnern fehle es außerdem am Bewusstsein, so Doswell: „Es ist schwierig, Leute auf ein Ereignis vorzubereiten, was nur ganz selten vorkommt.“ Um so wichtiger, dass sich in den USA eine aktive Szene von Sturmbeobachtern gebildet habe, die gefährliche Unwetter sofort an die Behörden melde.

Ein mehr oder weniger durchgeknallter Verein

Auch in Deutschland ist dieser Trend inzwischen angekommen: Sven Lüke ist einer von denen, die den Wirbelstürmen freiwillig hinterher jagen. Er gehört zu den rund 300 Freiwilligen des Vereins „SKYWARN e.V.“. Er und die anderen Mitglieder seien mehr oder weniger „durchgeknallt“, sagt Lüke augenzwinkernd: Denn sie würden teils bis zu 200 Kilometer weit fahren, um sich ein verdächtiges Unwetter aus der Nähe anzuschauen.

Einen Sturm könne er innerhalb weniger Minuten melden - im Ernstfall liefere das einen wichtigen Zeitvorsprung. Auch der DWD sei trotz des neuen Radar-Systems auf die Beobachtungen der Ehrenamtlichen angewiesen: „Wir brauchen einen Menschen, der den Tornado sieht“, sagt der Offenbacher Experte Friedrich.

Die Wahrscheinlichkeit, jemals Zeuge eines solchen Naturereignisses zu werden, sei für den Einzelnen zwar minimal. Das das aufwändige Warnsystem trotzdem sinnvoll sei, davon ist Friedrich überzeugt: „Wenn wir wieder mal Pech haben, und es würde ein besonders starker Tornado durch Berlin oder das Rhein-Main-Gebiet ziehen, dann können Sie damit rechnen, dass das dutzende oder hunderte Todesopfer geben kann.“

Quelle: op-online.de

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