Zwei Altvordere aus der Organisation des  zurück

Deutsches Jazzfestival: Abschied von prägenden Figuren

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hr-Bigband-Manager Olaf Stötzler sieht den personellen Umbruch an der Spitze des Deutschen Jazzfestivals gelassen.(c)

Frankfurt - Alles neu beim Deutschen Jazzfestival: Die bisherigen Programmverantwortlichen Guenter Hottmann und Peter Kemper scheiden aus. Festivalleiter Olaf Stötzler über das künftige Profil der Veranstaltung. Von Detlef Kinsler 

Das 46.Deutsche Jazzfestival Frankfurt war noch in vollem Gange, da wurde beim Pausensnack schon das nächste Festival Ende Oktober 2016 diskutiert. Dass Peter Kemper, einer der drei Programmverantwortlichen, am dritten Abend seinen letzten Arbeitstag haben und dann in Rente gehen würde, war bekannt. Dass auch hr-Jazzredakteur Guenter Hottmann aus dem Team ausscheiden würde, um sich zukünftig seinen anderen Aufgaben im Haus voll zu widmen, wurde an den Abenden kolportiert.

Schnell wurden neue Namen gehandelt: Claus Gnichwitz, die Stimme aus dem Off als Moderator der begleitenden Sendungen zum Festival auf hr2 Kultur, und Jürgen Schwab, Autor des viel beachteten Buches „Der Frankfurt Sound. Eine Stadt und ihre Jazzgeschichten“. Prompt war von einer möglichen Zäsur die Rede, einer Kommerzialisierung des Klassikers. Fehlte nur, dass die Jazzgemeinde gleich einen Abgesang angestimmt hätte.

„Peter Kemper hat das Festival tatsächlich 33 Jahre lang entscheidend mitgestaltet. Dem kann man nur großen Respekt zollen, wir haben ihm viel zu verdanken“, verabschiedete hr-Bigband-Manager Olaf Stötzler, bei dem nach wie vor die Festivalleitung liegt, den langjährigen Weggefährten. „Dass er es geschafft hat, 1982 mit Cassiber und jetzt mit dem gelungenen Auftritt von Hope – zur Hälfte die Besetzung von Cassiber, die das selbe Konzept mit heutigen Mitteln verfolgt – einen Bogen über diese gesamte Zeit zu spannen, sagt schon einiges aus über seine Verdienste und den Einfluss, den er auf das Programm hatte.“ Gerade die Auftritte der musikalischen Unruhestifter von Hope oder das freie Spiel der „Klassiker“ Roscoe Mitchell (Saxophon) und Jack DeJohnette (Schlagzeug) dokumentierten innovative Ideen von gestern und heute.

Avantgarde, radikale Erneuerung und ästhetischer Umsturz wurden im Vorfeld als begleitendes Vokabular benutzt. Mainstream jedenfalls klingt anders. Genau den befürchten Insider nun, auch weil wegen der vielen Eingriffe ins Sendeschema bei den Öffentlich-Rechtlichen die Skepsis gegenüber den Anstalten über die Jahre gewachsen ist. „Ich werte eventuelle Sorgenfalten aber ebenso als positive Zeichen, eben die einer starken Verbundenheit des Publikums mit ,seinem’ Jazzfestival. Es zeigt außerdem, welch wichtige Rolle das Jazzfestival für unsere Stadt spielt“, reagiert Stötzler auf die Unkenrufe. „Letztendlich werden sich Sorgen und Ängste hoffentlich spätestens dann auflösen, wenn wir das Programm des Jazzfestivals 2016 präsentieren.“

Der Horrorvision von kommerziellem Smooth-Jazz im Sendesaal jedenfalls erteilt Stötzler eine klare Absage. „Das ist sicher nicht das, was wir jetzt vorhaben. Das können andere Festivals machen“, betont Stötzler. „Ich wehre mich aber gegen Dogmen jeglicher Art, gerade gegen die der sogenannten ,Jazz-Polizei’. Die Welt und die Musik entwickeln sich weiter, und wir werden mit offenen Augen und Ohren das programmieren, was wir für gut und interessant halten. Die Musik an sich und deren Qualität wird bei unseren programmlichen Entscheidungen zentral stehen. Das Jazzfestival ist und bleibt für uns eine Herzenssache.“

Was prädestiniert Jürgen Schwab und Claus Gnichwitz für den Job bei einem Festival von Weltgeltung? „Beide sind schon seit vielen Jahren im Team von Guenter Hottmann. Die beiden haben durch ihre Arbeit in der Jazzredaktion auch einen guten Überblick über die Musikszene“, weiß Stötzler. „Sie sind seither beim Festival involviert, wenn auch mehr hinter den Kulissen bei der Produktion der Radiosendungen.“ Das Triumvirat ist sich bewusst, welchen Ruf es zu verteidigen hat. „Letztendlich halte ich ein profiliertes Programm für eine Selbstverständlichkeit.“

Quelle: op-online.de

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