Dickes Ende kommt

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Übergewicht wird ein immer größeres und auch immer kostspieligeres Problem.

Offenbach (ad.) - Die Fastenzeit ist gerade vorbei, aber ginge es nach vielen Verantwortlichen im Gesundheitswesen, dann würde diese für Millionen Deutsche weit über den Ostersonntag hinaus ausgedehnt: Denn Übergewicht wird ein immer größeres und auch immer kostspieligeres Problem.

Experten sprechen im Zusammenhang mit Fettleibigkeit bereits von einer Pandemie, die ihren Ausgang in den USA nahm. Die Kosten für ernährungsbedingte Krankheiten ruinieren demnach nicht nur die Gesundheitssysteme - mit ihren Folgekrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck etc. werden sie zu einem Problem für ganze Volkswirtschaften. In Medienberichten war jüngst davon die Rede, dass in zehn Jahren ein Fünftel aller Gesundheitskosten weltweit auf Fettleibigkeit zurückgehen könnten. Zum Vergleich: Derzeit werden knapp fünf Prozent aller Gesundheitsausgaben in den Industrieländern für die Behandlung der Adipositas und ihrer Folgen aufgewendet.

Neuere Studien zeigen, dass jeder zweite Erwachsene in Deutschland zu dick ist und jeder fünfte bis sechste hat schon krankhaftes Übergewicht (Adipositas). Gemessen wird dies nach dem nicht ganz unumstrittenen sogenannten Body Mass Index (BMI): Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern zum Quadrat. Bei einem BMI über 25 spricht man von Übergewicht, bei über 30 von Adipositas.

Zahl der Behandlungsfälle um elf Prozent gestiegen

Schon 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind der KiGGS-Studie - dabei handelt es sich um eine große Untersuchung des Robert Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen - zufolge übergewichtig. Und das nicht ohne Folgen: Dicke Kinder sind in der Schule häufig Hänseleien ausgesetzt, werden ausgegrenzt und futtern aus lauter Kummer oft immer weiter. Doch nicht nur das: Auch Krankheiten, die in der Regel erst im Alter auftreten, wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Zuckerkrankheit oder Gelenkschäden, machen sich breit.

Und: 85 Prozent der dicken Kinder haben auch als Erwachsene mit Übergewicht zu kämpfen. Dazu passt, dass sich immer mehr Menschen in Deutschland wegen Fettsucht behandeln lassen. In den Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen mit mehr als 100 Betten wurden im Jahr 2008 etwa 20.900 Fälle mit Adipositas vollstationär behandelt, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden jüngst mitteilte. Im Vergleich zum Jahr 2004 stieg die Zahl der Behandlungsfälle um elf Prozent. Der Anteil weiblicher Fettsucht-Patienten lag dabei mit etwa 54 Prozent höher als bei den männlichen Patienten (46 Prozent). Am stärksten betroffen war die Altersgruppe der unter 20-Jährigen mit einem Anteil von 44 Prozent (9.300 Fälle).

Beispiel USA: Immer mehr amerikanische Kinder sind sehr, sehr dick. 7,3 Prozent der Jungen und 5,5 Prozent der Mädchen im Alter von zwei bis 19 Jahren sind sogar extrem fettleibig, haben einen BMI über 35. Das berichtete ein Team um Corinna Koebnick vom Kaiser Permanente Southern California's Department of Research and Evaluation im „Journal of Pediatrics“. Die Wissenschaftler analysierten die Daten von 710 949 Kindern und Teenagern verschiedener ethnischer Herkunft. Extrem dicke Menschen seien anfälliger für Herzkrankheiten, Diabetes und eine Fettleber. „Wenn diese Kinder ihre Lebensgewohnheiten nicht ändern, verringert sich ihre Lebenserwartung um 10 bis 20 Jahre“, so Koebnick. „In ihren zwanziger Jahren werden sie gesundheitliche Probleme haben, die Normalgewichtige typischerweise zwischen 40 und 60 Jahren bekommen“, warnte die Expertin.

Lebenserwartung sinkt um zehn bis 20 Jahre

Beispiel Norwegen: Auch bei der Seefahrer-Nation im hohen Norden gibt es Gewichtsprobleme. Osloer Zeitungen berichteten im Febraur, dass immer mehr Norweger als Seeleute aufgeben müssen, weil sie zu dick für die Schifffahrt sind.

Beispiel Südafrika: Für den Kampf gegen Verbrecher müssen die Polizisten am Kap abspecken. In drei Wochen startete das Programm „Viva Fitness!“, mit dem Kondition und Gewicht der Uniformträger verbessert werden sollen.

Aber nicht nur der BMI ist entscheidend. Experten der Münchner Universität haben nun herausgefunden, für die Gesundheit spielt der Taillenumfang eine wesentlich größere Rolle. Demnach ist nicht die Menge, sondern die Verteilung des Körperfetts für Herzkrankheiten und andere Leiden entscheidend. Es gebe „gutes Fett“ an Hüften, Oberschenkeln und Gesäß, das nicht das Risiko für Herz- Kreislauferkrankungen erhöhe. Es könne sogar schützen. Das „böse Fett“ um den Bauch könne dagegen schädliche Fettsäuren und andere Stoffe in den Körper abgeben, die unter Umständen Entzündungen hervorriefen.

Quelle: op-online.de

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