Unterricht mit Humor gewürzt

„Die Feuerzangenbowle“ im Fritz Rémond Theater Frankfurt

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Wer ist denn nun der Richtige? Dr. Pfeiffer „mit drei f“ (Stefan Schneider, l.) hat sich als Professor Crey (Manfred Molitorisz) verkleidet. Im Hintergrund: Katarina Schmidt, René Toussaint, Steffen Wilhelm. 1. Bank: Justus Herrmann. 2. Bank: Sascha Jähnert, Tino Leo. 3. Bank: Florian Gierlichs (verdeckt), Marius Schneider.

Frankfurt - Mit einem Klassiker zu wetteifern, ist keine leichte Aufgabe. Schon gar nicht, wenn es sich dabei um eine cineastische Perle wie die 1944 mit Heinz Rühmann verfilmte „Feuerzangenbowle“ handelt. Von Maren Cornils

Das Rémond-Theater wagt den Vergleich – und braucht den Vergleich keinesfalls zu scheuen. Denn Frank-Lorenz Engel (Regie) haucht Heinrich Spoerls schon 1944 ein wenig angestaubt wirkender, aber äußerst charmanter Schülerposse gerade so viel neues Leben ein, wie es braucht, um nicht wie eine Kopie der Rühmann-Verfilmung zu wirken. Dass dies gelingt, ist der Spielfreude eines hervorragend arrangierten Ensembles zu verdanken, das aus alten Hasen und Rémond-Veteranen wie Stefan Schneider (Dr. Johannes Pfeiffer), René Toussaint, Steffen Wilhelm (früher Volkstheater Frankfurt) und Manfred Molitorisz besteht, sich aber auch gekonnt jungen Blutes in Form talentierter Nachwuchsschauspieler bedient.

Dr. Johannes Pfeiffer (Stefan Schneider), ein angesehener Schriftsteller, hat, glaubt man seinen Freunden aus der traditionellen Feuerzangen-Runde, ein großes Manko: Er war als Privatschüler nie auf der „Penne“, kann also, wenn die ergraute Herrenrunde von längst vergangenen Schülerstreichen schwärmt, nicht mithalten. Zeit, das zu ändern, beschließen Pfeiffers Freunde – und melden den Unerfahrenen an der Schule zu Babenberg als Oberprimaner an. Dort angekommen, erlebt Pfeiffer „mit drei f“ nicht nur eine unbeschwerte Zeit mit jeder Menge erfindungsreichen Pennälerstreichen. Er erfährt dank seiner Schulkollegen Luck, Knebel, Husemann, Melworm und Ackermann auch, was Kameradschaft bedeutet und verliebt sich, obwohl bereits verlobt, Hals über Kopf in die bezaubernde Referendarin Frau Knauer (Katarina Schmidt). Das alles übrigens in einer liebevoll gestalteten Wechsel-Kulisse, die - zumindest in den Schulszenen - mit den Originalmöbeln aus dem Film bestückt ist.

Bevor es so weit ist und Pfeiffer sein Herz für die Tochter des Rektors entdeckt, amüsieren sich die Zuschauer jedoch erst einmal wahrhaft königlich, denn Spoerl hat für seine liebevolle Verbeugung vor der Schulzeit echte Typen erfunden: Professor Crey, genannt „der Schnauzer“ etwa, oder auch den stets etwas weltfremd wirkenden Bömmel, dessen „Dampfmaschin“-Nummer so unsterblich wie ein Loriot-Sketch ist. An die Filmdarsteller heranzukommen – keine leichte Aufgabe! Doch Molitorisz und Touissant meistern sie mit Bravour und stehlen damit unfreiwillig dem vom Mann zum Schüler mutierten Schneider, immer wieder die Schau. Sabine Roller als trinkfreudiger Pensionsmutter Frau Windscheid indes gelingt es, selbst in einer Nebenrolle zu glänzen und bei den Szenenwechseln zu flotter Swing-Musik eine gute Figur zu machen.

Lichterspektakel im weihnachtlichen Washington

Wenn ein mit Spitzbärtchen versehener Molitorisz bei dem Versuch, die alkoholische Gärung am praktischen Beispiel vorzuführen, von seinen Schülern („Se sönd albern, dös mös ich Ihnen jetzt einmal sogen“) veräppelt wird, Touissant als rheinische Frohnatur auf zwei verschiedenfarbigen Socken über die Bühne tapert und Direktor Knauer zu Leibesertüchtigung à la Turnvater Jahn einlädt, dann sorgt das beim Publikum für wahre Lachstürme. Der schauspielerische Nachwuchs indes braucht sein Licht ebenfalls nicht in den Schatten zu stellen: Justus Hermann (Kleiner Luck), Sascha Jähnert (Rudi Knebel), Tino Leo (Husemann), Florian Gierlichs (Melworm) und Marius Schneider (Ackermann) verkörpern die rebellischen Heranwachsenden, die mit viel Spaß die Autorität des Lehrkörpers in Frage stellen, das Herz dabei aber stets auf dem rechten Fleck haben, mehr als glaubwürdig. Melancholischer Blick zurück auf eine Zeit, in der Schule noch richtig Spaß machen konnte.

„Die Feuerzangenbowle“ ist noch bis zum 17. Januar im Fritz Rémond Theater Frankfurt zu sehen. Weitere Infos: www.fritzremond.de.

Quelle: op-online.de

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