„Die ganze Sache ist ein Skandal“

Erzieherin klagt erfolgreich gegen Kündigung durch Mainzer Bistum

Mainz - Der Vorwurf heißt massive Gewalt unter Kindern – doch was geschah wirklich in dem Mainzer Kindergarten „Maria Königin“? Eine gekündigte Pädagogin hat jetzt einen Erfolg vor Gericht errungen.

In der Auseinandersetzung um die Vorgänge in dem Mainzer Kindergarten „Maria Königin“ hat das katholische Bistum gestern eine weitere juristische Niederlage einstecken müssen. Das Arbeitsgericht Mainz erklärte die Kündigung einer Erzieherin wegen nicht ausreichender Beteiligung der Mitarbeitervertretung für unwirksam. Das Arbeitsverhältnis bestehe somit weiter fort. Trotz jüngster, entlastender Verlautbarungen der Staatsanwaltschaft hält das Bistum seine Vorwürfe gegen die gekündigten Mitarbeiter aufrecht. Kerstin Klein, die Rechtsanwältin der Erzieherin, erklärte nach der Verhandlung, ihrer Mandantin gehe es um eine Rehabilitierung. Nach Einsicht in die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft stehe für sie fest, dass es keine Verletzung von Aufsichtspflichten in der Kindertagesstätte gegeben habe. Es habe auch die in der Presse verbreiteten Vorfälle von massiver, teils sexueller Gewalt nicht gegeben. Ihre Mandantin sei fassungslos gewesen, als sie, ohne angehört zu werden, entlassen wurde: „Die ganze Sache ist ein Skandal.“

Allerdings habe es sehr wohl Probleme in der Einrichtung gegeben, für die die Anwältin mangelhafte pädagogische Konzepte verantwortlich machte. Die Erzieherinnen hätten sich mit ihren Bedenken Wochen vor der Schließung des Kindergartens hilfesuchend an die Kirchengemeinde gewandt, seien dort jedoch ignoriert worden. Der Vorwurf, die Mitarbeiter hätten jegliche Mithilfe bei der Aufklärung der im Raum stehenden Anschuldigungen verweigert, sei falsch. Der Anwalt des Bistums, Klaus Rudolf, erklärte, eine Weiterbeschäftigung der pädagogischen Kräfte aus dem noch immer geschlossenen Kindergarten komme für die Kirche nach wie vor nicht infrage. Das Vertrauensverhältnis des Personals zu den Eltern sei zerstört, sehr wohl habe es ernste Vorkommnisse gegeben. „Nach meiner Kenntnis gibt es Kinder, die traumatisiert sind.“

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Was genau in dem Kindergarten im Mainzer Vorort Weisenau geschah, ist bislang weiter unklar. Nach Bekanntwerden angeblicher Fälle massiver Gewalt unter Kindern hatte das Bistum die Einrichtung im Juni komplett geschlossen und allen sieben Mitarbeitern fristlos gekündigt. Sechs Erzieherinnen wehrten sich in der Folge vor dem Arbeitsgericht dagegen. Eine Kündigung wurde bereits im Oktober vom Arbeitsgericht Mainz für unwirksam erklärt, eine Klage endete mit einem Vergleich.

Am Dienstag hatte die Mainzer Staatsanwaltschaft nach monatelangen Ermittlungen bestätigt, dass sie keine Hinweise auf schwere Fälle von Gewalt und Missbrauch in der Einrichtung gefunden habe. Es seien im Gegenteil „überwiegend entlastende Erkenntnisse“ zutage getreten. Zugleich teilte sie mit, dass wegen angeblichen sexuellen Missbrauchs auch eine Strafanzeige gegen den Pfarrer erstattet worden sei, diese Vorwürfe hätten sich ebenfalls nicht bestätigt. Im Zuge der Ermittlungsarbeit war auch geprüft worden, ob die Mitarbeiter sich wegen verletzter Aufsichtspflichten strafbar gemacht hatten. Offiziell eingestellt wurden die Verfahren aber noch nicht.

epd

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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