„Die Schwarzstörche erwarten wir stündlich“

Diese Gruppe von Kranichen ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Zugvögel allmählich zurückkehren. Trotz des nasskalten Schmuddelwetters: Der Frühling naht.Foto: dpa

Frankfurt - Sabine Ränsch (dpa) Allmählich kehren die Zugvögel zurück - ein untrügliches Zeichen für den Frühling. Rund 100 000 Kraniche haben Hessen bereits in Richtung Nordeuropa überflogen. Feldlerchen, Bachstelzen und Rotmilane sind aus ihren Winterquartieren in Südeuropa eingetroffen und bereiten die Brut vor.

Fast alle Weißstörche - landesweit rund 100 Brutpaare - wurden auf ihren Horsten aus dem vergangenen Jahr gesichtet. „Schwarzstörche erwarten wir stündlich“, sagt Klaus Richarz, der Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte in Frankfurt. Rund 80 Brutpaare der äußerst scheuen Waldvögel leben in hessischen Wäldern.

Vom strengen Winter haben sie nichts mitbekommen. Zugefrorene Bachläufe, eisbedeckte Wasserstellen - der Winter hat vor allem dem Vogel des Jahres 2009 arg zugesetzt. Eis verträgt der farbenprächtige Eisvogel nämlich gar nicht, denn es schneidet ihn von seiner Nahrungsquelle ab. Eisvögel leben von kleinen Fischen, die sie im offenen Gewässer jagen. In diesem Winter, dem kältesten seit mehr als zehn Jahren in Hessen, sind nach Beobachtungen von Vogelexperten viele der türkis-orangefarbenen Vögel verhungert. Im Januar hatten sich viele an den wenigen noch offenen Wasserflächen konzentriert.

In den vergangenen Jahren hatte sich der Eisvogel-Bestand in Hessen auch aufgrund der Bemühungen von Naturschützern auf bis zu 600 Brutpaare erholt. „Diesmal hat es viele erwischt“, sagt Biologe Richarz. Auch andere Vögel hatten es bei Schnee und Eis schwer - nicht so sehr wegen der Kälte. Aber wie das Eis den Wasservögeln nimmt eine geschlossene Schneedecke anderen Arten den Zugang zu Beutetieren. Mäusejäger wie Eulen oder Bussarde fanden wochenlang nur wenig Nahrung. Große Verluste befürchten die Experten der Vogelschutzwarte vor allem bei den Schleiereulen. „Sie sind reine Mäusespezialisten“, sagt Richarz. Die Mäuse waren in diesem Winter lange unter dem Schnee vor den Jägern geschützt.

Wie viele von den 600 bis 800 Schleiereulen-Brutpaaren überlebt haben, ist unklar. Andere Eulen und manche Greifvögel weichen in schneereichen Zeiten auf andere Beute aus - auch auf Artgenossen. „Sie werden im Winter zu Vogeljägern“, sagt Richarz. Uhus, die größten heimischen Eulen, fressen selbst Kormorane oder junge Reiher. Sie kennen die Schlafplatze anderer Vögel genau und schlagen dann dort zu. 120 bis 130 Uhu-Brutpaare leben in Hessen. Waldohreulen oder auch Sperber holen sich kleinere Vögel oft an Winterfütterungen in Hausgärten.

Wenn Frühjahr und Sommer günstig verlaufen, können Vögel die Winterverluste ausgleichen. Bei üppigem Nahrungsangebot und gutem Wetter brüten sie in einem Sommer mehrere Male hintereinander.

Gefahr droht den Vögeln aber auch von anderer Seite. Nach Befürchtungen von Naturschützern könnte das Konjunkturprogramm gegen die Wirtschaftskrise den Beständen schaden. „Es sollen Milliarden in den Ausbau von Infrastruktur fließen, vor allem in den Bau neuer Straßen. Das kann vielen Vögeln die Heimat und so die Existenz kosten“, sagte NABU-Landesgeschäftsführer Hartmut Mai in Wetzlar. „Mit dem Totschlagsargument, Arbeitsplätze zu schaffen, versucht die Landesregierung, mit beschleunigten Verfahren den Bau neuer Straßen durchzupowern. Der Vogelschutz gerät dabei ins Hintertreffen.“

Mai forderte, das Geld überlegt und nicht übereilt einzusetzen. „Durch blinden Aktionismus fallen wir hinter unsere etablierten Standards zurück.“ Für gefährdete Vögel wie den Baumpieper oder die Feldlerche, deren Bestand sich in den vergangenen 20 Jahren halbiert habe, könne der Bau neuer Straßen das Aus bedeuten, sagte Mai.

Die Wirtschaftskrise habe aber auch positive Effekte für den Naturschutz, sagte Mai. Da die Nachfrage nach Holz zurückgegangen sei, blieben Bäume länger stehen. „Für den Grau- und Schwarzspecht, die alte Bäume brauchen, um ihre Höhlen hineinzubauen, bringt das eine Entlastung, da sich mehr Bäume finden, in denen sie nisten können.“

Quelle: op-online.de

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