Diebe haben billige Fahrräder im Visier

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Weg ist es: Fast 350 000 Fahrräder wurden 2009 in Deutschland gestohlen. In den meisten Fällen sind es nicht die teuren Modelle, sondern günstige, die die Diebe für den Eigenbedarf im Visier haben.

Offenbach ‐ Die Hochsaison für Fahrradfahrer ist vorbei - und damit auch die für Fahrraddiebe. Wie in jedem Jahr wurden auch in diesem wieder hunderttausende Räder gestohlen. Von Ralf Enders

Dass Fahraddiebstahl ein Massendelikt ist, beweist der Blick in die Polizeiliche Kriminalstatistik. Demnach handelt es sich alljährlich bei etwa fünf Prozent aller erfassten Delikte um Fahrraddiebstähle, bei etwa jedem siebten Diebstahl ist das Diebesgut ein Fahrrad. Die Polizei ruft mittlerweile gebetsmühlenartig zum Registrieren der Räder auf.

Die Statistik für 2009 führt deutschlandweit 345 346 Fahrraddiebstähle auf, immerhin 3,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Erschreckend ist nach wie vor die geringe Aufklärungsquote: Gerade einmal 10,3 Prozent der Fälle konnten geklärt werden. Zum Vergleich: Autodiebstähle werden zu knapp 30 Prozent geklärt. Allerdings sind die regionalen Unterschiede groß. Das Verbraucherportal geld.de hat unter anderem dies untersucht und festgestellt: Die Aufklärungsquote schwankt bundesweit zwischen 36 Prozent in Magdeburg und gerade einmal 2,5 Prozent in Heidelberg.

Deutsche „Klau-Hochburg“ ist Münster

Als Grund sehen die Autoren des Internetportals, die 60 Städte unter die Lupe genommen haben, „einerseits zu schlampige Ermittlungsarbeit vieler Polizeibehörden, denen die Suche nach gestohlenen Fahrrädern zu aufwendig ist“. Andererseits seien viele Fahrräder unzureichend gesichert; die Schlösser könnten innerhalb von Sekunden geknackt werden.

Bei den aufgeklärten Fällen wurde bundesweit festgestellt: Etwa jedes dritte Rad (31,4 Prozent) wurde von einem Jugendlichen gestohlen, in jedem zehnten Fall war der Täter sogar jünger als 14 Jahre. In Hessen waren die Diebe sogar zu 45 Prozent im Kindes- oder Jugendlichenalter. Generell sind Fahrraddiebe fast ausschließlich Männer, stellen Polizisten bundesweit fest.

Deutsche „Klau-Hochburg“ ist - wenig überraschend - die Fahrradstadt schlechthin, nämlich Münster in Westfalen. Auf 100  000 Einwohner entfielen vergangenes Jahr geld.de zufolge 1 971 gestohlene Fahrräder - an jedem Tag des Jahres treffe es absolut betrachtet 15 Besitzer. Dagegen gehe es in Berlin - zumindest in dieser Hinsicht - wesentlich gesitteter zu: In der Hauptstadt würden dreimal weniger Fahrräder je 100 000 Einwohner gestohlen. Die „Fahrrad-sicherste“ Stadt Deutschlands sei Stuttgart. Dort würden nur 145 Diebstähle pro 100  000 Einwohner verbucht.

Dunkelziffer bei Fahrraddiebstählen hoch

In Hessen wurden im vergangenen Jahr etwa 15 000 Fahrräder geklaut, die Aufklärungsquote lag bei 9,7 Prozent. Etwas darunter liegt beispielsweise die Stadt Offenbach mit 8,3 Prozent geklärten Fällen. 575 Fahrräder wurden hier 2009 gestohlen.

Die Dunkelziffer bei Fahrraddiebstählen gilt als enorm hoch. Vielen Opfern ist offenbar der Aufwand zu hoch, zur Polizei zu gehen. Die „Fahrradstudie 2010“ der Versicherung Deutscher Ring hat ergeben, dass billige Fahrräder am häufigsten geklaut werden. Der Durchschnittswert eines gestohlenen Rades liege bei 360 Euro, die meisten kosteten zwischen 100 und 300 Euro. „Der niedrige Kaufpreis verleitet aber viele Besitzer dazu, ihr Rad nur dürftig zu sichern - mit Folgen“, wie der Deutsche Ring meint. Denn ins Visier der Diebe gerieten meist nicht die teuren Premium-Modelle, sondern in der Regel die älteren, günstigen Räder. Fahrräder werden von den Dieben meistens nämlich nur für den Eigengebrauch gestohlen.

Quelle: op-online.de

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