Ausstellung „Tolkiens Welt"

Dioramen von Mittelerde

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Dieser Uruk-Hai schmückte früher ein Kino-Foyer.

Otzberg - Bedrohlich „grüßt“ er den Besucher schon an der Treppe und überragt ihn mit seinen 2,52 Metern deutlich: ein Uruk-Hai, Kreuzung aus Ork und Mensch, in J. R. R. Tolkiens Roman „Der Herr der Ringe“ Vollstrecker dunkler Mächte. Von Jens Dörr

Die Figur stand einst in einem Kino-Foyer, seit einigen Wochen ist die Veste Otzberg ihre Heimat: Im dortigen Museum hat der Tolkien-Stammtisch Rhein-Main „Die Grauen Frankfurten“ in Zusammenarbeit mit Museumsunternehmer und Hausherr Rolf Tilly eine Ausstellung mit dem Titel „Tolkiens Welt“ gestaltet. Auf 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche sind rund 300 Exponate zu sehen.

Das Jahr 2012 hat die Deutsche Tolkien Gesellschaft, die sich ausschließlich mit Leben und Literatur des britischen Schriftstellers John Ronald Reuel Tolkien (1892-1973) beschäftigt, nicht zufällig zum „Jahr des Hobbits“ erklärt: In Anlehnung an die Helden aus „Der Herr der Ringe“ und weitere Tolkien-Werke feiert die Gesellschaft nicht nur den 120. Geburtstags „ihres“ Autors, sondern auch den 75. Geburtstag von Tolkiens Erstausgabe von „Der Hobbit“.

Zu den bundesweit rund 500 Mitgliedern der Gesellschaft zählen auch jene zehn des Rhein-Main-Stammtischs. Einer von ihnen ist Jens Götz, 45, Darmstädter und im Alltag Justizvollzugs-Beamter. Mit 18 Jahren sei er zu Tolkien gekommen: „Er hat eben die Fantasy-Welt geprägt, sie sehr intensiv betrieben, auch eine eigene Sprache dafür entwickelt.“ Das Werk „Die Kinder Hurins“ gefalle ihm besonders gut, es ist erst vor zwei Jahren erschienen, wurde 37 Jahre nach Tolkiens Ableben aus dessen Gesamtwerk ausgegliedert.

Herzblut und Geld

Am Grab des Briten in Oxford war Götz auch schon - doch für Sentimentalität blieb ihm im vergangenen halben Jahr kaum Zeit: Seit der Entwicklung seiner Idee im Dezember 2011 hat der Darmstädter hunderte Stunden ehrenamtlich daran gearbeitet, eine Übersicht über die Welt seines Lieblingsautoren zu schaffen. Die Bekanntschaft zu Museums-Chef Rolf Tilly, dessen Frau Silvia riesiger Tolkien-Fan ist, führte die Schau auf die hoch gelegene Burg im Otzberger Ortsteil Hering.

In Schaukästen ist allerlei Sammelswertes zu sehen.

Mehrere Monate lang arrangierte Götz einerseits die Exponate, packte andererseits auch handwerklich zusammen mit Tilly an: Besonders der Bau der Dioramen - verglaste Durchschaubilder, in „Tolkiens Welt“ in lebensechter Größe - verschlang viel Zeit und auch Material. Über den Gesamtwert der Ausstellung hüllt sich Götz in Schweigen, wohl auch um Langfinger nicht allzu gierig werden zu lassen. Ein Replikat des Helms von Bösewicht Sauron, der bei „Der Herr der Ringe“ das Reich Mittelerde beherrschen will, wurde beispielsweise für einen Preis von 450 Euro aus einer limitierten Auflage herausgekauft. In erster Linie steckt aber Herzblut, in zweiter Linie Geld in der Ausstellung.

Verkleidete Besucher

Die zeigt auf der einen Seite die Dioramen: Der Besucher entdeckt zum Beispiel den Nachbau von Hobbit Bilbo Beutlins Zuhause und sieht die Szene, wie Zauberer Gandalf ihm den „Brief der Zwerge“ übergibt. Zudem konzentriert sich die Ausstellung auf Bücher und Schmuck rund um Tolkien und seine Welt. Die Figuren, die der Stammtisch „Die Grauen Frankfurten“ präsentiert, reichen von der Ü-Ei-Sammlung bis hin zum riesigen Uruk-Hai. Die Belagerung von Minas Tirith wurde - in kleinem Maßstab - ebenso für die Schau gewonnen wie nicht nur Saurons Helm, sondern auch ein Replikat seiner Hand mit Ring.

Die Ausstellung „Tolkiens Welt“ ist samstags bis montags jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet. (Gruppen ab 10 Personen nach Vereinbarung). Der Eintritt beträgt 2,50 Euro, Kinder bis 12 Jahre haben freien Eintritt, Infos auch im Internet.

So nimmt das geschlossene Weltsystem J. R. R. Tolkiens auf der Veste Otzberg Gestalt an - in historischem Ambiente. Eine Übersicht kann man sich etwa an einer großen Karte von Mittelerde verschaffen. Kreativität mit Augenzwinkern rundet die Ausstellung ab: Als mögliche Erweiterung Mittelerdes gibt es Entwürfe für ein Liniennetz einer „Eisenbahn des Auenlandes“ inklusive Fahrplan zu bestaunen. „Und es kann einem hier schon mal jemand mit spitzen Ohren begegnen“, lacht Götz - mancher Besucher kam bereits als Elbe verkleidet vorbei.

Quelle: op-online.de

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