Andreas Friedrich über den Sommer 2015 und seine Rekorde

Interview: „Gewitter bringen Böden nichts“

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Andreas Friedrich

Offenbach - Der Sommer sorgt seit Wochen für extreme Temperaturen. Schon mehrfach haben die Meteorologen neue Rekordwerte vermeldet. Was die Ursache für die außergewöhnliche Hitze und Trockenheit ist, darüber sprach unser Redaktionsmitglied Sebastian Schwarz mit Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach.

Herr Friedrich, die Deutschen ächzen seit Wochen unter einer extremen Hitzewelle. Was ist die Ursache für die außergewöhnlich hohen Temperaturen in diesem Sommer?

Entscheidend dafür ist die Großwetterlage, das heißt die Luftdruckverteilung über Europa. Diese führt dazu, dass immer wieder heiße Luft aus dem Mittelmeerraum, die ursprünglich aus Afrika kommt, zu uns strömt und so für die hohen Temperaturen sorgt. Das führt zu den Hitzerekorden. In Offenbach haben wir am 7. August 39,5 Grad gemessen.

Wann gab es denn in Deutschland zuletzt eine so lang anhaltende Hitzeperiode?

Das gab es schon einmal im Jahr 2003. Damals waren die Temperaturen sogar noch deutlich höher.

Wird das Thermometer auch in den nächsten Tagen deutlich über die 30 Grad steigen oder können wir mit einer Abkühlung rechnen?

Zunächst bleibt es heiß. Wir rechnen noch bis Freitag mit Temperaturen von deutlich über 30 Grad. Am Freitag ist zudem mit Hitzegewittern zu rechnen. Ab Samstag erwarten wir dann eine deutliche und länger anhaltende Abkühlung bis Mittwoch nächster Woche. Die Temperaturen werden bis dahin spürbar unter 30 Grad liegen.

Ist dann auch ein Ende der Trockenheit zu erwarten?

Diese wird bestehen bleiben. Punktuell werden Gewitter zwar Regen bringen, aber nur räumlich begrenzt. Es kann dort zwar stark regnen, den Böden bringt das aber nichts. Das meiste Wasser versickert nämlich in der Kanalisation.

Müssen wir uns auf solche Hitzewellen einstellen oder ist der diesjährige Sommer eine Ausnahmeerscheinung?

Aufgrund von Simulationen wissen wir, dass das Klima wärmer wird. Das bedeutet aber nicht, dass wir jedes Jahr so einen Sommer wie in diesem Jahr haben werden. Langfristig gesehen wird die Häufigkeit solcher Hitzephasen aber sicher zunehmen.

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Sind denn auch abgesehen vom Sommer in den nächsten Jahren häufiger extreme Wetterlagen und -phänomene zu erwarten?

Man kann nicht davon ausgehen dass etwa Phänomene wie Gewitter häufiger werden. Es ist aber damit zu rechnen, dass die Unwetter an Heftigkeit zunehmen.

Und wie sieht es mit dem Winter aus?

Die Wahrscheinlichkeit für Winter mit Kälterekorden und viel Schnee nimmt ab. Es wird eher häufig zu warme Winter geben.

Quelle: op-online.de

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