Hessische Oktoberfest-Kopien

Dirndl und Lederhosen im Trend

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Schräges Outfit: Designerin Ayfer Arslan (Dritte von links) präsentiert mit Kolleginnen und Freundinnen beim Frankfurter Oktoberfest selbst gestalteten Dirndln. Immer mehr Städte feiern ihre eigene „Wiesn“.

Frankfurt - Blau-weiß karierte Girlanden baumeln von der Decke. Oktoberfest-Schlagerhits dröhnen aus den Lautsprechern und bringen die Gamsbärte auf den Hüten zum Zittern. Im ausverkauften Zelt auf dem Gelände der Commerzbank-Arena drängen sich die Gäste auf den Tischen. Von Laura Lewandowski 

Kai Mann veranstaltet die „Wiesn“ in Frankfurt. Dass das Fest längst über die bayerische Grenze hinaus gefeiert wird, ist für ihn nichts Neues. Bereits zum sechsten Mal strömen die Hessen auf das Frankfurter Event, auch in anderen hessischen Städten, etwa in Bad Homburg und Wiesbaden, werden „Wiesn“-Kopien gefeiert.

„Die Zahl der Besucher ist seit dem ersten Fest stark angestiegen“, sagt Mann, zünftig gekleidet in Lederhose. Im Jahr 2009 kamen rund 12 000 Gäste, diesmal habe er fast 60 000 Tickets verkauft. Manns Erfolgsrezept? „Die Atmosphäre ist einmalig, aber vor allem die Tracht begeistert die Menschen“, sagt er. „Vor einigen Jahren wurde man noch schief angeschaut auf der Straße, heute ist es ein völlig normales Bild.“ Dirndl und Lederhosen seien „in“.

Bei der Kleiderwahl sind die Besucher experimentierfreudig. Nadja Kasadaei hat sich für Leoparden-Print auf ihrer Bluse entschieden: „Mit Glitzer, Gold und Strass“ will die gebürtige Frankfurterin auffallen. „Wenn ich eine Tracht trage, schlüpfe ich in eine Rolle und übernehme die Mentalität der Bayern.“

Bilder vom Rodgauer Oktoberfest

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In ein bayerisches Kostüm zu schlüpfen, kommt für Jürgen Schreiter hingegen nicht infrage. Er bezeichnet sich selbst als „Lokalpatriot“ und will sich lieber etwas abgrenzen vom Bayerntrend, sagt er. Als Designer entwarf der waschechte Hesse das „Bembel-Dirndl“: „Edelweiß gehört in die Alpenregion und nicht nach Frankfurt.“. Deshalb zieren Struwwelpeter, Römer und Goethe die Lederhosen und Schürzen seiner „Hessentracht“.

Ob Leo-Print auf der Bluse oder Bembel am Rocksaum: Für Günter Putz von der hessischen Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege hat das alles nichts mit der klassischen Tracht zu tun. „Jeder springt in Dirndl und Lederhosen herum, dem echten Trachtler schaudert es dabei.“ Die traditionelle Kleidung gibt nach Angaben des stellvertretenden Landesvorsitzenden Auskunft darüber, woher der Träger kommt und welchem Glauben er angehört. Außerdem verrät die Tracht seinen Familienstand.

„Oktoberfest-Trachtenmode hat weniger mit Tradition und Brauchtum zu tun“, sagt Anja Kirig vom Zukunftsinstitut Frankfurt. „Man muss nicht aus einer bestimmten Gegend kommen, um die dortigen Brauchtümer zu adaptieren.“ Durch die Weiterentwicklung könne aus einer oberflächlichen Mode sogar ein gesellschaftlicher Trend werden.

dpa

Quelle: op-online.de

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