1000 Menschen kontrolliert

Diskussion über Sinn der Razzien im Bahnhofsviertel

+
Bei zwei Razzien im Bahnhofsviertel hat die Polizei über 1000 Menschen kontrolliert.

Frankfurt Die Polizei hat das Frankfurter Bahnhofsviertel gleich an zwei Abenden hintereinander durchsucht. Das Ergebnis erscheint mager und hat eine Diskussion über den Sinn der Razzien entfacht. Von Ira Schaible

Die Polizei kam zweimal mit Einbruch der Dunkelheit: Bei den Razzien im Frankfurter Bahnhofsviertel sind insgesamt mehr als 1000 Menschen kontrolliert und 444 von ihnen durchsucht worden. Rund 100 Beamte von Stadt, Land und Bund durchkämmten das Quartier am Mittwochabend etwa sechs Stunden lang. Am Abend zuvor waren doppelt so viele Polizisten vier Stunden lang im Einsatz gewesen. Das von einigen in der Stadt als mager kritisierte Ergebnis der Razzien löste eine Diskussion über deren Sinn aus. Zwölf Beschuldigte wurden bei beiden Razzien insgesamt vorübergehend in Gewahrsam genommen, Festnahmen gab es nicht. 35 Verstöße gegen das Ausländerrecht und mehrere Drogendelikte stellten die Beamten fest. Zwei von drei kontrollierten Lebensmittelläden und fünf von acht überprüften Gaststätten wurden wegen Hygienemängeln vorübergehend geschlossen.

Lesen Sie dazu auch:

Polizei schlägt erneut am Abend im Bahnhofsviertel zu

Festnahmen, Waffenfunde, Gaststättenschließungen

Und was stellten die Beamten sicher? Eine Softairwaffe, zwei Baseballschläger, ein Messer, 50 Gramm Cannabis und neun Kilogramm rauschgiftverdächtige Substanzen wurden am Mittwoch entdeckt. Ein als Taschenlampe getarnter Elektroschocker, 7000 Euro, Scheckkarten, zwei Bolzenschneider, 160 unversteuerte Flaschen Wodka sowie kleinere Mengen Haschisch und Marihuana wurden am Dienstag sichergestellt. Die Polizisten nahmen auch sechs Fahrräder und ein Handy mit, die vermutlich gestohlen worden sind. Die Gewerbetreibenden in dem kleinen Stadtteil und der Bund der Kriminalbeamten (BdK) Hessen lobten die Aktion, auch weil sie zwischen Stadt, Polizei, Bundespolizei und Staatsanwaltschaft abgesprochen gewesen sei. Der Kriminologe Thomas Feltes von der Ruhr-Universität Bochum hält die Wirkung von bloßen Polizei-Razzien für gering. „Razzien haben nur einen kurzfristigen präventiven Effekt.“ Veränderungen der Strukturen in Rotlichtvierteln seien eher mit ordnungsbehördlichen und stadtplanerischen Maßnahmen zu erreichen. Der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill kündigte weitere Polizeimaßnahmen an.

Sinn der zwei aufeinanderfolgenden Razzien sei es gewesen, die Szene zu verunsichern und Präsenz zu zeigen, sagte Polizeisprecher Alexander Kießling. „Es tut den Kunden und den Gewerbetreibenden gut, wenn die Polizei massiv unterwegs ist.“ Es gehe um Abschreckung und Prävention. Die Polizei wolle sich ein Bild verschaffen von Gruppen, die sich an verschiedenen Orten des Viertels versammeln. Die Bereitschaft zu Gewalt und Widerstandshandlungen gegen die Polizei sei in den vergangenen Monaten gestiegen. Drogendelikte, Trickdiebstähle und Straßenprostitution hatten nach Darstellung der Ermittler ebenfalls zugenommen. Viele Händler im Viertel klagen über Dealer vor ihren Läden. Diese verhielten sich oft sehr aggressiv.

Bilder: Großrazzia im Bahnhofsviertel

Die Polizeikontrollen gehören zu einem Konzept, das Polizei, Stadt, Gewerbetreibende und Staatsanwaltschaft bereits im vergangenen August ausgearbeitet haben. Wenn sich Ordnungsamt, Stadtplanungsamt und Gewerbetreibende zusammensetzen, könne dies an der Struktur des Viertels mehr verändern als bloße Polizeikontrollen, sagt Wissenschaftler Feltes. Der BdK-Landesvorsitzende Günter Brandt hält Razzien wie die in Frankfurt, bei denen es um kleinere Straftaten geht, für „sehr, sehr gut“. „Man darf den Schlendrian erst gar nicht einreißen lassen“, sagte er. Auch Kleindealern müsse klar gemacht werden, dass das Recht durchgesetzt werde. (dpa) 

Quelle: op-online.de

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion