Dom-Römer-Areal: Teures Altstadtprojekt

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Blick über den Historischen Hühnermarkt der Altstadt, wie er nach der Rekonstruktion aussehen soll.

Frankfurt - Rekonstruktionen ja oder nein? Die Stadt Frankfurt muss entscheiden, welche Bebauung sie auf dem Dom-Römer-Areal will. Bezahlen muss sie auf jeden Fall. Von Christian Riethmüller

Der Wiederaufbau der Altstadt kommt Frankfurt wesentlich teurer als geplant. Mindestens 100 Millionen Euro wird die Stadt für das ehrgeizige Projekt berappen müssen, das auf dem Areal zwischen Römerberg und Kaiserdom die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Altstadt zumindest in Teilen rekonstruieren soll. Wie Planungsdezernent und Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) sowie Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der DomRömer GmbH, gestern in Frankfurt sagten, wird das Vorhaben insgesamt wohl 169,4 Millionen Euro kosten. 69 Millionen Euro davon sollen über Verkäufe wieder erlöst werden.

Ob die Stadt diese Einnahmen beim Verkauf der Häuser tatsächlich erzielt, wird sich erst noch weisen müssen. Sicher ist derweil nur, dass Frankfurt 7,5 Millionen Euro zuschießen muss, wenn die Stadt jene sieben Rekonstruktionen am Markt errichtet sehen möchte, die eigentlich von Privatleuten bezahlt werden sollen. Diesen Investoren ist im Dezember vergangenen Jahres eröffnet worden, dass die Schätzpreise, die vor einigen Jahren als vorläufige Kaufpreise benannt wurden, nun für den Bau bei weitem nicht ausreichen. Einige Häuser würden nach neuen Berechnungen das Doppelte oder sogar noch mehr kosten, was die wirtschaftlichen Möglichkeiten mancher Investoren übersteigt.

„Wichtiger Teil der Erinnerungskultur“

Obwohl die Stadtverordnetenversammlung am 6. September 2007 beschlossen hatte, mehr als acht Rekonstruktionen auf dem Dom-Römer-Areal nur zuzulassen, wenn diese privat finanziert würden, ist die Stadt nun wohl doch gezwungen einzuspringen. Dass sie dies auch tun sollte, ist Planungsdezernent Cunitz mehr als überzeugt. Ein Umschwenken auf Neubauten brächte nämlich keinen Kostenvorteil, sondern käme wegen Planungsänderungen und Zeitverschiebungen sogar noch eine Million Euro teurer als jene 7,5 Millionen Euro, die nun zusätzlich aufgebracht werden müssen, rechnete Cunitz vor, der aber nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen das Festhalten an den Rekonstruktionen dem zuständigen Dom-Römer-Ausschuss vorschlagen wollte. Die Rekonstruktionen seien „ein wichtiger Teil der Frankfurter Erinnerungskultur“, sagte Cunitz, der glaubt, dass das insgesamt 35 Häuser umfassende Altstadt-Projekt in einigen Jahrzehnten als Kulturdenkmal von europäischem Rang gelten wird.

Die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung zu den Mehrkosten bei der Sitzung am 27. Februar vorausgesetzt, könnte im Sommer mit dem Bau der neuen Altstadt begonnen werden. Wie die Verantwortlichen gestern sagten, soll das Gesamtprojekt im Frühjahr 2017 fertiggestellt sein. Bereits in Betrieb ist wieder die für einen hohen Millionenbetrag sanierte Tiefgarage. Das 20 Millionen Euro teure Stadthaus neben der Schirn soll im Frühjahr 2015 bezugsfertig sein.

Quelle: op-online.de

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