Körpersprache von Bouffier und Schäfer-Gümbel

Dominanz und Klugheit

Augsburg/Wiesbaden - Volker Bouffier will in Hessen Ministerpräsident bleiben, Thorsten Schäfer-Gümbel will es werden. Zum Führungsanspruch gehört überzeugendes Auftreten. Ein Experte für Körpersprache sagt: Beide könnten noch zulegen.

Für den Wahlerfolg ist nicht nur wichtig, was ein Politiker sagt, sondern wie er es sagt. Das erläutert Michael Moesslang (51), Augsburger Experte für Präsentation und Körpersprache, im Interview. In langen Videositzungen hat er Auftritte der hessischen Spitzenkandidaten Volker Bouffier (CDU) und Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) analysiert.

Herr Moesslang, muss ein Politiker ein guter Schauspieler sein?

Niemand soll schauspielern. Man verwendet natürlich seine eigene Körpersprache. Aber es gibt Dinge, die nicht positiv ankommen und die man sich abtrainieren sollte. Man sollte seine Körpersprache so optimieren, dass sie authentisch wirkt. Bei den Zuschauern weckt eine authentische Körpersprache im Unterbewusstsein Sympathie.

Was sagt Ihnen denn die Körpersprache Bouffiers?

Er ist einerseits recht souverän. Er ist ja schon eine Weile im Amt, hat Erfahrung mit Auftritten. Schön ist, dass er große Gesten macht. Das ist wichtig, weil es das Gesagte und die Souveränität, die Glaubwürdigkeit unterstreicht. Das macht er aber nicht immer. Manchmal hält er sich am Rednerpult fest, stützt sich mit dem Unterarm auf, das wirkt dann belehrend. Manchmal steckt er die Hand in die Hosentasche, das wirkt etwas überheblich. Er ist keine Schönheit, hat eher einen Charakterkopf. Aber wenn man ihn in Aktion erlebt, wenn man die Stimme hört, dann gewinnt er schnell.

Wie ist Bouffiers Stimme?

Sie ist sehr rauchig, sie klingt tief und dunkel. Je dunkler die Stimme, desto glaubwürdiger. Er verwendet sehr einfache Sprache. Das erzeugt Bilder, geht ins Unterbewusstsein und erzeugt Sympathie. Manchmal sind seine Sätze zu lang, er fügt zu viele Gedanken ein.

Der Ministerpräsident fasst andere Menschen gern an, gibt ihnen die Hand, berührt ihren Arm, ihre Schulter?

So wie ich Bouffier einschätze, ist das bei ihm eine Mischung aus Dominanzgesten und herzlichen Berührungen. Ich weiß nicht, ob er das Gespür dafür hat, dass er die richtigen Leute anlangt. Bei manchen ist es okay, andere können es nicht vertragen.

Und die Körpersprache von Schäfer-Gümbel?

Man merkt, dass er von vielem Ahnung hat, aber er hat weniger Ausstrahlung. Er zeigt wenig Mimik, Gestik ist teilweise gar nicht vorhanden. Seine Haltung ist gut, aber es liegt keine Dynamik darin. Er könnte auch mehr lächeln. Es entspricht zwar durchaus seinem Typ, wenig über Körpersprache zu machen. Aber Körpersprache ist so relevant, weil sie beim Zuschauer stark auf der unbewussten Ebene wirkt und die Glaubwürdigkeit unterstützt.

Wie spricht Schäfer-Gümbel?

Er macht sehr lange, sehr komplexe Sätze. Das erzeugt wenig Bilder und Emotionen. Dabei hat er eine tiefe Stimme, ein schönes rollendes „R“. Es ist eine sympathische Stimme, die er aber sehr monoton einsetzt. Es kommt nur dann mehr Emotion, wenn er auf Bouffier und die CDU allgemein schimpft.

Muss ein Herausforderer nicht auch aggressiv sein?

Ein Politiker soll heute nicht mehr zu kämpferisch ein. Man will vielmehr das Vertrauen haben, dass jemand in einer Krise die Ruhe bewahrt. Man braucht nicht Aggression. Im Übrigen wirken beide nicht aggressiv.

Trauen Sie sich tatsächlich zu, aus dem Auftreten auf Wahlchancen zu schließen?

Das hängt noch von anderen Dingen ab, von Parteivorlieben, von Vorwissen. In Hessen gibt es ein enges Rennen. Aber meine Einschätzung: Schäfer-Gümbel glaubt, die Sache sei das wichtigste, und nicht, wie er als Mensch rüberkommt. Bouffier tritt souverän auf, als könne ihm keiner etwas, als könne er die Wahl nicht verlieren. dpa

Quelle: op-online.de

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