Doppelmord auf Frankfurter Justizgelände

Tödliche Schüsse am Gericht: Angeklagter erhält lebenslänglich

Frankfurt/Limburg - Beim zweiten Prozess wegen eines Doppelmordes auf dem Frankfurter Justizgelände ist der Täter am Montag erneut zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Zudem stellte auch das Limburger Landgericht eine besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine Haftentlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen. "Die Tat hatte den Charakter einer öffentlichen Hinrichtung", sagte der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer.

Zu der gleichen Strafe war der aus Afghanistan stammende Angeklagte bereits im Jahr 2015 vom Frankfurter Landgericht verurteilt worden, der Bundesgerichtshof hob die Entscheidung jedoch wegen einer möglichen Befangenheit des Vorsitzenden Richters auf. Daher musste der Prozess neu aufgerollt werden. Mit seinem Urteil folgte das Limburger Gericht dem Antrag des Staatsanwalts, der Rechtsanwalt hatte auf Totschlag plädiert. 

Der mehrfach vorbestrafte Täter hatte im Januar 2014 zwei 45 und 50 Jahre alte Landsleute vor und im Frankfurter Gerichtsgebäude ermordet. Sie hatten sich dort wegen der mutmaßlichen Tötung seines Bruders verantworten sollen. Das Limburger Gericht sah die beiden Mordmerkmale Heimtücke und niedere Beweggründe als gegeben an. "Beide Opfer rechneten in dieser Situation nicht mit einem Angriff auf ihr Leben", sagte der Richter.

Die Hintergründe der Taten liegen bereits über zehn Jahre zurück. Die Männer handelten in Steinbach mit Autos, es kam zu einem Streit um einen Stellplatz. Dieser eskalierte zu einer Messerstecherei, dabei wurde der Bruder des Angeklagten tödlich getroffen. In einem ersten Prozess wurden die später getöteten Männer im Jahr 2008 freigesprochen. "Das war ein Schock für ihn", sagte der Richter über den Angeklagten. Das Urteil ging in die Revision und wurde aufgehoben. Die nun zuständige Strafkammer des Frankfurter Landgerichts benötigte jedoch vier Jahre, um die Sache neu zu terminieren. 

Im Januar 2014 standen endlich die ersten Termine an. "Er erwartete von dem Gerichtsverfahren jedoch keine gerechte Strafe", sagte der Richter. Seine Gedanken seien immer wieder um die Tötung der Männer gekreist. Er kaufte sich im Frankfurter Bahnhofsviertel eine Schusswaffe, Patronen und ein scharfes Messer. Vor Beginn des zweiten Verhandlungstages positionierte er sich so vor dem Gerichtseingang, dass die beiden Männer dicht an ihm vorbeilaufen mussten. Als diese in Begleitung ihres Anwalts kamen, schoss er sechs Mal auf einen von ihnen. Der Mann sackte schwer verletzt zu Boden.

In Gewaltkonflikten richtig verhalten

Der andere flüchtete in das Gericht, wurde jedoch von dem Täter verfolgt. Dieser schoss auf ihn, holte ihn ein und stach ihn nieder. Dann rannte er nach draußen und hackte mit seinem Messer laut Urteil "erbarmungslos" vor allem auf den Kopf und den Oberkörper des Schwerverletzten ein, um den sich gerade dessen Anwalt kümmerte. Schließlich flüchtete er. Er wurde kurz darauf festgenommen und machte laut Richter bei der Festnahme "einen ruhigen und zufriedenen Eindruck." (dpa)

Quelle: op-online.de

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