Down-Sportlerfestival

Olympische Spiele der Menschlichkeit

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20 Jugendliche übten eine Musical-Choreografie ein. Die Musical-Darstellerinnen Merle Bobke und Theresia Vogel waren hierfür eigens aus Hamburg angereist.

Frankfurt - Es war ein beeindruckendes Bild, das sich in der großen Leichtathletikhalle des Sport- und Freizeitzentrums Kalbach abzeichnete: 600 Sportler strahlten bei ihrem Einzug, Luftballons in allen Farben begleiteten die blau gekleideten Teilnehmer.  Von Khang Nguyen

Weltmeister Andreas Möller zeigt, wo’s beim Fußball langgeht.

Sie lachten, genossen den tosenden Applaus der vielen Zuschauer und Helfer. Bereits zu diesem Zeitpunkt, als noch kein einziger Wettkampf begonnen hatte, waren sie die Sieger der Veranstaltung und der alleinige Mittelpunkt des Tages: Die 600 Menschen mit Down-Syndrom, die aus ganz Deutschland angereist waren und zeigten: Sie gehören dazu.

„Wir gehören dazu“ war nämlich das Motto des 13. Deutschen Down-Sportlerfestivals. Seit 2003 findet das beliebte Fest in Kalbach statt, anfangs mit knapp 70 Athleten. Diesmal traten 329 männliche und 271 weibliche Sportler in verschiedenen Disziplinen wie Lauf, Weitsprung oder Weitwurf an. Darüber hinaus wurden diverse Workshops angeboten, etwa ein Fahrrad-Parcours, eine Modenschau oder Fußball mit prominenter Unterstützung in Person von Weltmeister Andreas Möller. Erstmals gab es zudem einen Talentwettbewerb, bei dem der siebenjährige Paul-Lukas mit 508 von 2 500 Stimmen für seinen Beitrag zu Ju Jutsu in der Kategorie Sport zum Sieger ernannt wurde.

Anmeldelisten schon nach zehn Tagen voll

Auch das Interesse in der Bevölkerung ist gewachsen: Mit knapp 2 700 Gästen stoße man langsam an die Kapazitätsgrenzen, die bereits bei den Teilnehmern erreicht sei. Das ist in beiden Fällen ein neuer Rekord. „Wir mussten die Anmeldelisten bereits vor zehn Tagen schließen“, bedauert Gerd Thomas von der betreuenden Agentur. Man rede schon mit der Stadt Frankfurt und dem Hauptsponsor über Alternativen.

Freilich wäre das Sportfest ohne die vielen freiwilligen Helfer nicht zu stemmen und das Angebot nicht so vielseitig. Der Budo Club Mühlheim bietet beispielsweise Judo als Mitmachkurs an. „Das Interesse ist gewachsen, viele wollen nach einer Schnupperstunde weiter Judo machen“, erzählt Abteilungsleiter Thomas Hofmann.

Aber auch von weit her reisen Helfer an, so wie Merle Bobke und Theresia Vogel aus Hamburg. Die beiden ausgebildeten Musicaldarstellerinnen übten mit 20 Jugendlichen eine Choreografie zu „Heißgeliebt“ aus dem Musical „Wicked - die Hexen von Oz“ ein. „Beim Sportlerfest können die Teilnehmer zeigen, dass sie viel mehr drauf haben als nur ein Chromosom zu viel“, bringt es Bobke auf den Punkt. Seit 2010 bietet sie ihren Kurs an, ihre Partnerin Vogel ist 2011 dazugekommen. Diese Entscheidung bereut sie bis heute nicht: „Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, unsere Teilnehmer nicht zu verhätscheln.“ Das erfordere Feingefühl, Geduld und Liebe.

Deutsches Down-Sportlerfestival in Frankfurt

Deutsches Down-Sportlerfestival in Frankfurt 

Seither möchte Vogel die Olympiade der Menschlichkeit nicht mehr missen. Bobke, die einen älteren Bruder (Jan, 35 Jahre) mit Down-Syndrom hat, und Vogel leisten mit ihrem Beitrag Aufklärungsarbeit, ganz im Sinne der Veranstaltung - damit auch die Öffentlichkeit Personen mit Trisomie 21 besser versteht und akzeptiert.

Für die siebenjährige Alina Boldt ist das Deutsche Down-Sportlerfestival jedes Mal aufs Neue ein einzigartiges Erlebnis. Die kleine Mühlheimerin trat gleich in den beiden Disziplinen „Weitsprung“ und „25 Meter Lauf“ an. „Das hat mir Spaß gemacht“, kommuniziert sie auf ihre ganz eigene, liebevolle Art. Unterstützt wird sie durch ihre stolzen Eltern Annette und Sven Boldt, die bei Gesprächen mit Alina auf die Gebärden-unterstützte Kommunikation, kurz „GuK“, bauen: Mit den Händen wird das Gesagte dabei visuell bekräftigt. Alina und ihre Familie haben in all den Jahren gute Freunde kennengelernt. Jedes Mal erhalten sie über das Wochenende Besuch von einer Familie aus Grefrath, ebenfalls mit einem Trisomie-21-Kind. „Man kann sich hier austauschen und lernt viele neue Leute kennen“, erklärt Anette Boldt. Und das ist ja mindestens genauso wichtig wie der Spaß. Alina will jedenfalls - genauso wie Silas aus Froschhausen (5) und Anthea aus Obertshausen - (9) in den nächsten Jahren wieder in Kalbach mit dabei sein.

Quelle: op-online.de

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