Siebeneinhalb Jahre Haft für Lehrerin?

Die dramatischen Geschichten der Heidi K.

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Die Angeklagte am 25. April 2013 im Gerichtssaal.

Darmstadt - „Sie ist eine hervorragende Schauspielerin, sie hat nicht nur Shakespeare inszeniert, sondern auch sich selbst mit ‘viel Lärm um nichts’!“ - Oberstaatsanwalt Andreas Kondziela bringt in seinem Plädoyer auf den Punkt, was wohl viele im alten Schwurgerichtssaal des Darmstädter Landgerichts denken. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Heidi K. , die 2001 ihren Lehrerkollegen Horst Arnold wegen angeblicher Vergewaltigung für fünf Jahre hinter Gitter brachte, sei eine notorische Lügnerin - das habe die Beweisführung mit über 60 Zeugen in den vergangenen 17 Prozesstagen eindeutig ergeben: „Ihre Glaubwürdigkeit strebt gegen Null. “. .

Gleichzeitig ging Kondziela mit seiner eigenen Behörde hart ins Gericht: „Wir bedauern sehr, was Horst Arnold alles im Namen des Volkes angetan wurde.“ Der zu dem Zeitpunkt 52-jährige wurde 2011 in einem Wiederaufnahmeverfahren frei gesprochen und starb ein Jahr später. Wegen schwerer Freiheitsberaubung fordert die Staatsanwaltschaft nun siebeneinhalb Jahre Haft für K..

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Zur besseren Übersicht haben Kondziela und seine Kollegin Susanne Deltau die dramatischen Geschichten der K. in verschiedene Themenbereiche aufgeteilt. Da gibt es Lügen bei Bewerbungen und Versetzungen, Lügen vor Schulleiter und Kollegen, Lügen vor Gericht, erfundene Krankheiten, erfundene Heldentaten. Eine besonders ergreifende Geschichte war beispielsweise die ihres Verlobten in Marburg, des bei einem Terroreinsatz durch einen Kopfschuss verletzten Polizisten, dem sie nach überstandenem Koma mit logopädischen Kenntnissen das Sprechen wieder beigebracht haben soll und seinetwegen sie eine Versetzung nach Oberhessen beantragte. Nachweislich gab es aber weder ein Wohnhaus in Marburg noch den bedauernswerten Verlobten. Sie hatte wohl zu dieser Zeit eine Zeitungsmeldung gelesen und diese für ihre Versetzungswünsche umgemünzt. K. dazu bei ihrer Vernehmung: „Das ist alles ein Missverständnis meiner Gesprächspartner gewesen.“

Gewinnstreben und Karrieregier

Des weiteren will sie einen Kinderpornoring aufgedeckt, einen geplanten Schüleramoklauf verhindert und einen Streit vor einer Disco geschlichtet haben. Deltau: „Sie hat sogar ihre Eltern zu einer Falschaussage getrieben. Mit hoher krimineller Energie befriedigt sie mit dem dramatischen Geschichten ihr unverantwortliches Gewinnstreben und ihre Karrieregier.“

Torsten Rock, einer der drei Verteidiger K.s, klagt indes eine Medienhetze gegen seine Mandantin an. Er hat Zweifel, ob es dem Gericht unter diesen Umständen möglich ist, ein unvoreingenommenes Urteil zu fällen. Rock: „Sie haben den Ruf der objektivsten Behörde zu verlieren!“ Damals wie heute gebe es kein stichhaltiges Motiv dafür, warum K. den Kollegen zu Unrecht hätte beschuldigen sollte, sie habe bereits vor der Tat den Fachvorsitz Biologie inne gehabt und mit seiner Inhaftierung keinen Karrieresprung erwirken können. Auch habe K. seit 2001 konstant an ihren Behauptungen festgehalten. Er plädiert auf Freispruch. Das Urteil soll an diesem Freitag (13. September) verkündet werden.

Quelle: op-online.de

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