Drei Buchstaben - viel Tradition

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Jörgen Rasmussen, der Enkel des DKW-Gründers, hat in Maintal eine stattliche Anzahl von Oldtimern der längst verblichenen Auto- und Motorradmarke zusammengetragen und in unzähligen Stunden liebevoll restauriert.

Frankfurt/Rhein-Main - Weit über 70 000 Euro Abwrackprämie könnte Jörgen Rasmussen kassieren, würde er die 30 Autos seiner Sammlung verschrotten. Denn keines der Modelle ist jünger als 33 Jahre oder gar auf dem Stand der aktuellen Umwelttechnik. Von Wilfried Willutzki (dpa)

Doch Rasmussen verschwendet keinen Gedanken an staatliches Geld: „Hier wird nichts verkauft.“ Seine in Maintal gehorteten Schätze der längst verblichenen Marke DKW haben schließlich einen viel höheren Sammler- und für Rasmussen selbst noch einen unschätzbaren ideellen Wert.

Trennen wird sich der Enkel des namensgleichen DKW-Gründers Jörgen Rasmussen aber trotzdem von seinen Lieblingsspielzeugen. Sie werden in das Ingolstädter Audi-Museum umziehen. Die Arbeit wird dem 70 Jahre alten Unternehmer einfach zu viel, und einen direkten Nachfolger für die Pflege gibt es nicht. Verloren geht die Sammlung aber nicht. In 20 Jahren, so steht es in der Überlassungsvereinbarung, wird der heute zwei Jahre alte Rasmussen-Enkel Vincent die Stücke wieder für die Familie in Besitz nehmen können.

Wenn Rasmussen Besucher durch seine Maintaler Sammlung führt, zu der auch noch etwa 25 DKW-Motorräder gehören, erzählt er mit Begeisterung von seiner Leidenschaft für die Oldtimer. In vielen Jahren hat er auf der Suche nach Fahrzeugen und Ersatzteilen auf Schrottplätzen vor allem in Thüringen und Tschechien herumgestöbert. Mit dem, was er dort fand, wurden Dutzende von Karosserien auf Hochglanz gebracht. „Jede freie Minute“, so sagt seine Frau, „schraubt er mit seinen Helfern an den Teilen herum.“

Von seinem dänischen Großvater und dessen technischen Pionierleistungen spricht der Enkel mit Hochachtung. Jörgen Skafte Rasmussen hatte sich noch im Ersten Weltkrieg in Zschopau mit der Entwicklung von DampfkraftWagen beschäftigt. Die dazu passenden Buchstaben DKW ließ er sich als Markenzeichen schützen.

Ein DKW-Oldtimer mit den vier Ringen der einstigen Auto Union. Heute tragen noch Audi-Fahrzeuge das Zeichen, das die vier Marken der Union symbolisierte: DKW, Audi, Horch und Wanderer.

Bei seiner Suche nach neuer Antriebstechnik entdeckte er einen kleinen Zweitakt-Motor, der wie die Dampfmaschinen Spielzeuge in Bewegung brachte. Aus diesem Motor mit dem Beinamen „Des Knaben Wunsch (DKW)“ entwickelte Rasmussen einen Zweitakt-Fahrrad-Hilfsmotor, für den wieder die alte Abkürzung herhalten musste, diesmal als „Das Kleine Wunder“ (läuft bergauf wie andere runter). „Der Motor wurde auf den Gepäckträger montiert, und weil er so nah am Sattel saß, wurde er schnell als Arschwärmer bekannt“, erzählt Rasmussen. Natürlich haben diese beiden ersten DKW-Motoren Ehrenplätze in seiner Sammlung.

Aus den Fahrrädern mit Hilfsmotor wurde in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts die weltgrößte Motorradfabrik. Parallel zu den Motorrädern fanden auch die Autos das Interesse von Rasmussen. Ein bestens renoviertes Exemplar seines ersten Automodells ­ der DKW P15 mit einem 0,6-Liter-Zweizylinder-Zweitakt-Motor ­ steht heute am Beginn der Ahnenreihe in der Maintaler Ausstellung. Auch bei der Entwicklung des Frontantriebs leistete das fast vergessene Unternehmen Pionierarbeit.

Nach Ingolstadt wird die Sammlung umziehen, weil Audi in der komplizierten Firmengeschichte als Nachfolger von DKW angesehen werden kann. Rasmussen hatte bereits 1928 die Oberklassenmarke Audi erworben. Beide Firmen wurden in der Weltwirtschaftskrise von 1932 mit den Herstellern Horch und Wanderer zur Auto Union zusammengeschlossen. Der Name Audi überlebte als einziger bis heute. Noch immer werden die Audi-Fahrzeuge von den vier ineinander verschlungenen Ringen gekennzeichnet, die damals die vier Marken der Auto Union symbolisierten.

Der DKW-Firmengründer selbst wurde zwei Jahre nach der Fusion und der Machtübernahme der Nazis im Streit um eine Reprivatisierung entlassen. „Er erhielt zwei Millionen Mark als Abfindung und einige Zulieferwerke“, berichtet sein Enkel, der von dem dänischen Großvater die Liebe zur Technik und den Geschäftssinn mitgeerbt hat. Sein eigenes erfolgreiches Industrieunternehmen ­ Weltmarktführer bei Befestigungsteilen für die Autoindustrie ­ musste er 2007 an einen Finanzinvestor verkaufen, weil es in der Familie keinen Nachfolger gab.

Quelle: op-online.de

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