Der lange Weg zur offiziellen Eröffnung der Europäischen Zentralbank

Dreidimensionale Ikone für die EU

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Mit NATO-Draht hat die Polizei gestern eine Zufahrtsstraße zur Europäischen Zentralbank gesperrt. Während am Mittwoch drin im kleinen Kreis die offizielle Eröffnung gefeiert wird, wollen davor Tausende gegen die EZB demonstrieren. 

Frankfurt - Die Idee von einem eigenen Gebäude für die Europäische Zentralbank kam bereits bei der Gründung auf. Das ist 17 Jahre her. In dem neu . gebauten, spektakulären Ensemble am Main wird schon seit Monaten gearbeitet. Jetzt steht die offizielle Eröffnung an. Von Ira Schaible

Der Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) wird am Mittwoch, 18. März, offiziell eröffnet - vier Jahre später als ursprünglich gedacht. Auch die Kosten sind deutlich in die Höhe geschnellt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem spektakulären EZB-Hauptsitz:

Warum hat die EZB ihren Sitz im Frankfurter Osten?

Bei der Unterzeichnung des Vertrags von Maastricht 1992 wurde Frankfurt als Standort für die EZB festgelegt. Die Suche nach einem geeigneten Grundstück begann bereits im Sommer 1998, als die neu gegründete EZB als Mieter in den 150 Meter hohen Eurotower im Frankfurter Bankenviertel einzog. 35 potenzielle Standorte in der Finanzstadt wurden geprüft. Am geeignetsten erschien das Gelände der denkmalgeschützten Großmarkthalle im Ostend. Das von Martin Elsaesser in den späten 20er Jahren errichtete Gebäude sollte in das EZB-Gebäude eingebunden werden.

Welches waren die wichtigsten Eckpunkte auf dem Weg zum Neubau?

Die EZB kaufte im März 2002 das zwölf Hektar große Grundstück am Main von der Stadt für 61 Millionen Euro. Den Architekturwettbewerb gewann 2004 das österreichische Team Coop Himmelb(l)au aus Wien. Die endgültigen Pläne stellte die EZB drei Jahre später vor. Die Erben des Großmarkthallen-Architekten Martin Elsaesser wollten den Umbau zunächst gerichtlich verhindern und erhoben Klage. Die Baugenehmigung wurde 2008 erteilt, der Streit mit den Elsaesser-Erben außergerichtlich beigelegt. Der Grundstein wurde 2010 gelegt. Die Beschäftigten zogen im vergangenen November in den Neubau ein.

Was kennzeichnet den EZB-Neubau?

Das Gebäudeensemble am Mainufer besteht aus drei Elementen: der restaurierten 250 Meter langen ehemaligen Großmarkthalle, dem bis 185 Meter hohen, gläsernen Doppel-Büroturm und einem stählernen Querriegel. Er durchbohrt die Großmarkthalle wie ein Pfeil und dient als Eingangsbau. Der Zwillingsturm und das gesamte Ensemble sehen aus jeder Richtung anders aus. Die beiden Hochhäuser - 165 und 185 Meter hoch - sind in einem Atrium mit Stahlstreben und Plattformen miteinander verbunden. Ein geschwungener Glasgang („Loop“) verbindet das gläserne Konferenz-Zentrum in der Großmarkthalle mit den Türmen. „Eine dreidimensionale Ikone für die EU“, nennt Wolf Prix vom Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au sein Gebäude. Eine Gedenkstätte soll darin erinnern, dass die Nazis mehr als 10 000 Frankfurter Juden aus der Großmarkthalle mit Zügen in die Vernichtungslager abtransportierten - während im Stockwerk darüber der Marktbetrieb ganz normal weiterlief.

Wie viele Menschen arbeiten in dem EZB-Neubau?

Bis zu 2900 Arbeitsplätze gibt es in dem Neubau. Als dieser geplant wurde, war noch nicht absehbar, dass die EZB die Verantwortung für die Bankenaufsicht im Euroraum übernehmen würde. Deshalb beschloss die EZB im November 2013, dafür den Eurotower im Bankenviertel weiterhin zu mieten.

Was hat der Bau gekostet?

Der Start verzögerte sich anfangs um fast zwei Jahre, da die EZB keinen Generalunternehmer fand, der das Projekt für 500 Millionen Euro (zu Preisen von 2005) bauen wollte. Beim Richtfest im September 2012 war klar: Die dann auf 850 Millionen Euro (zu Preisen von 2005) festgelegten gesamten Investitionskosten steigen auf rund 1,2 Milliarden Euro. Allein der Preisanstieg von Baumaterialien und -leistungen schlug mit rund 220 Millionen Euro zu Buche. Zudem war die Integration der denkmalgeschützten Großmarkthalle schwieriger und teurer als veranschlagt. Im November 2014 wurde der Kostenrahmen wegen 600 zusätzlich notwendiger Arbeitsplätze noch einmal erhöht - auf 1,3 Milliarden Euro.

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Quelle: op-online.de

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