Auf die Schliche gekommen

Abfallberg im Wald bei Offenthal: Kripo ermittelt Beschuldigte

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Mit schwerem Gerät musste der Bauschutt beseitigt werden. Fachbereichsleiter Andreas Feldmann (Bild) ist zuversichtlich, dass die Verantwortlichen für die Umweltsauerei belangt werden.

Der riesige Schutthaufen, der Anfang April im Wald bei Offenthal abgeladen worden war, sorgte für geballte Entrüstung. Nicht selten verlaufen polizeiliche Ermittlungen in solchen Fällen im Sand. Hier sieht es hingegen so aus, als würden die Verantwortlichen für die Umweltsauerei zur Rechenschaft gezogen.

Dreieich – Die Dimension des Müllbergs machte den Einsatz von schwerem Gerät notwendig. Rund 30 Kubikmeter Beton, Stahlreste und anderer Baustellenabfall, der von einem Hausabriss in Langen stammte, hatten ein oder mehrere Umweltsünder auf einen Waldweg an der Landesstraße 3317 zwischen Offenthal und Messel gekippt. Dank des findigen Försters Manfred Schröpfers, der schon beim Fund wichtige Dokumente sicherte, den Mitarbeitern des Dienstleistungsbetriebs für Dreieich und Neu-Isenburg, die beim Entsorgen des Schutts alles genau unter die Lupe nahmen, und den Ermittlungen der Polizei, setzt die Akte keinen Staub in irgendeinem Behördenregal an. „Es wurden zwei Beschuldigte ermittelt und wir haben den Vorgang jetzt an die Staatsanwaltschaft Darmstadt übergeben“, sagt Andrea Ackermann, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Südosthessen in Offenbach, auf Anfrage unserer Zeitung.

Gefährlicher Abfall: Umweltstraftat in Dreieich

Lange Zeit war unklar, ob es sich um eine Straftat oder „nur“ um eine Ordnungswidrigkeit handelt. „Für unsere ermittelnden Beamten erfüllt die Tat den Straftatbestand, weil Reste eines Hydrauliköls am Fundort lagen. Das zählt als gefährlicher Abfall und ab diesem Moment geht es um eine Umweltstraftat“, erläutert Ackermann. Der Paragraf 326 des Strafgesetzbuchs, der sich mit unerlaubtem Umgang mit Abfällen beschäftigt, sieht bei Fahrlässigkeit eine Geldstrafe oder gar eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren vor. Die Tat ist dann nicht strafbar, wenn schädliche Einwirkungen auf die Umwelt – insbesondere auf Menschen, Gewässer, die Luft, den Boden, Nutztiere oder Nutzpflanzen – wegen der geringen Menge der Abfälle offensichtlich ausgeschlossen sind.

Staatsanwaltschaft in Darmstadt ermittelt

Über den weiteren Fortgang des Verfahrens entscheidet jetzt erst einmal die Staatsanwaltschaft in Darmstadt. Aber selbst wenn sie zu der Auffassung gelangen sollte, den Müllberg im Wald nur als Ordnungswidrigkeit einzustufen, kommen der oder die Täter nicht ungeschoren davon. Der Fall würde an die Stadt zurückgegeben – und dort können die Täter nicht mit Milde rechnen, wie Andreas Feldmann, Leiter des Fachbereichs Steuerungsunterstützung und Service im Dreieicher Rathaus, betont: „In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Täter belangt wird. Wir werden den Sachstand weiter im Auge haben, wir stehen in Kontakt mit der Kriminalpolizei. Und wenn es offiziell keine Straftat ist, werden wir die Ordnungswidrigkeit mit all unseren Möglichkeiten verfolgen“, kündigt Feldmann an.

Auch Petra Klink, Leiterin des Dienstleistungsbetriebs, hofft, dass die Müll-Verursacher für ihre Tat gerade stehen müssen. „Wir haben den im Wald sichergestellten Abfall auch immer noch zur Beweissicherung eingelagert“, verrät sie.

VON NICOLE JOST UND FRANK MAHN

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Der Müllberg, den Umweltsünder in der vergangenen Woche auf dem Waldweg zwischen Offenthal und Messel an der L3317 abkippten, wurde Mittwoch Vormittag in einer mehrstündigen Aktion weggeräumt.

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