Nur ein Drittel befriedigend

Wiesbaden - (dpa) Mängel mancher Schulen bei der individuellen Förderung der Schüler hat die erste flächendeckende Schulinspektion in Hessen aufgezeigt. Nur etwa ein Drittel der untersuchten Schulen biete diese Förderung im angestrebten Maß an, sagte Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) gestern in Wiesbaden.

Defizite zeigten sich auch bei der systematischen Qualitätsentwickung, und manche Schulleiter hätten noch nicht vollständig in ihre Führungs- und Managementrolle gefunden. Henzler zitierte Ergebnisse des „Instituts für Qualitätsentwicklung“, das 2005 für regelmäßige Qualitätsüberprüfungen der Schulen gegründet worden war. Die Ministerin betonte, die individuelle Förderung müsse gestärkt und auch fester in der Lehreraus- und Fortbildung verankert werden. Sie versprach, den Schulen den dafür nötigen Freiraum zu schaffen. Die Inspektoren fanden auch große qualitative Unterschiede beim Unterricht zwischen Schulen einer Schulart, das heißt zwischen beispielsweise verschiedenen Gymnasien oder Realschulen. Weniger auffallend aber seien die Qualitätsunterschiede zwischen den grundlegenden Schultypen an sich. Hauptschulen seien somit nicht grundlegend schlecht und Gymnasien nicht stets gut. Henzler sah sich in ihrer Ansicht bestätigt, dass es nicht auf die Schulform ankommt, sondern auf die Lehrer und ihren Unterricht. Die Ministerin erklärte, dass die Schulen mit den wachsenden Freiräumen mehr Kontrollen akzeptieren müssten. Außerdem sei mehr interne Qualitätskontrolle (Evaluation) nötig.

Die Inspektoren stellten zudem keinen bedeutsamen Zusammenhang zwischen der Größe von Lerngruppen und der Qualität des Unterrichts fest. Außerdem vermerkten sie ein insgesamt gutes Schulklima. Von einer allgemeinen Schulunzufriedenheit kann laut Henzler nicht gesprochen werden. Die Ergebnisse lagen bereits im November 2008 vor, der damalige Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) hatte sie nicht veröffentlicht.

Der Bericht ist laut Henzler eine „Momentaufnahme“. Er dient zudem als Maßstab für die künftigen Inspektionen. Die nächste Runde soll 2010 beginnen. Die Ergebnisse werden jeder Schule zur Verfügung gestellt, deren Veröffentlichung ist den Schulleitungen vorerst freigestellt.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer nannte die Arbeit der Schulinspektoren eine großartige Chance für die Schulen, auf Schwächen und Stärken hingewiesen zu werden und so das Profil stärken zu können. Die Grünen forderten, umfassende Korrekturen einzuleiten.

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Quelle: op-online.de

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