Jugendhaus in Frankfurt wiedereröffnet

Drohungen und Druck widerstehen

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Esra (l) und Celil (r) spielten gestern kurz vor der offiziellen Wiedereröffnung im Jugendhaus Gallus Tischfußball. Die Schließung der Einrichtung nach Drohungen von Salafisten hatte über Hessen hinaus Aufmerksamkeit erregt. Nach sechs Wochen öffnete das Haus der AWO jetzt wieder.

Frankfurt - Die Schließung eines Frankfurter Jugendhauses nach Drohungen von Salafisten hat über Hessen hinaus Aufmerksamkeit erregt. Nach sechs Wochen hat die Einrichtung der AWO am Freitag Wiedereröffnung gefeiert. Höchste Zeit, meinen viele. Von Ira Schaible 

Eine noch nicht installierte Schließanlage mit Kamera soll verhindern, dass die jungen Männer aus dem Stadtteil - die mit 25 bis 30 Jahren zu alt für das Jugendhaus sind - noch einmal Mitarbeiter bedrohen. Außerdem wird das Konzept umgestellt und etwa samstags in Zusammenarbeit mit Moscheevereinen über religiöse und kulturelle Themen gesprochen. Um die Radikalisierung junger Menschen zu verhindern, wollen aber auch Stadt und Landesregierung mehr tun.

Gestern wurde das vor einigen Wochen eilig geschlossene Jugendzentrum medienwirksam wiedereröffnet.

Die Wiedereröffnung des Jugendhauses - mit vielfältiger Beteiligung von Akteuren aus der Stadt und dem Stadtteil - war nach Einschätzung des Islamwissenschaftlers Jochen Müller vom Berliner Verein ufug.de dringend geboten, „auch um klar zu machen, dass mit Druck und Drohungen nichts zu erreichen ist“. Müller befasst sich mit Jugendkultur, Medien und politischer Bildung, ein Schwerpunkt ist die pädagogische Arbeit rund um das Thema Islam. Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne), eine Kritikerin der Schließung, formuliert es beim Eröffnungsfest so: „Wenn sich die Stadtgesellschaft mobilisiert und ein klares Zeichen setzt, ist das unsere stärkste Waffe.“

Müller fordert auch, das Gespräch mit den jungen Leuten zu suchen, „um ihre Motive, Interessen und Wünsche kennenzulernen“. So lasse sich zudem herausfinden, „ob, in welcher Form und in welchen Grenzen Kommunikation, Dialog und Auseinandersetzung möglich sind“. Die Männer haben nach den Worten des Frankfurter AWO-Chefs Jürgen Richter zunächst auch das vertrauliche Gespräch mit den Mitarbeitern des geschlossenen Jugendhauses gesucht, die sie schon lange kennen. Zu einem vereinbarten Termin seien sie dann aber nicht erschienen.

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Die Ortsvorsteherin Evanthia Triantafillidou (Grüne) hält den Dialog mit den im Gallus aufgewachsenen jungen Männern auch für wichtig. Es müsse sehr differenziert und sorgfältig geschaut werden, wie der konkrete Konflikt eskaliert sei. Die AWO habe bestehende Netzwerke nicht genutzt und den Stadtteil völlig zuunrecht in ein schlechtes Licht gerückt, kritisiert ein Vertreter des Präventionsrats. „Wir dürfen diesen jungen Leuten nicht das Gefühl geben, dass sie das Jugendhaus schließen können.“ Stattdessen müssten „Problem-Kids“ gegen radikale Ideologien immun gemacht werden.

Die erfahrenen Mitarbeiter hätten sich und ihre Besucher - im Schnitt 40 bis 50 pro Tag - schützen wollen und deshalb das Haus vorübergehend geschlossen, begründet Richter den umstrittenen Schritt. Ein runder Tisch unter Leitung des Sozialdezernats solle jetzt rote Linien für Bedrohungsfälle definieren. Daran sollten die 10 der 144 Jugendeinrichtungen in Frankfurt teilnehmen, die laut einer Umfrage bei ihren Besuchern salafistische oder andere radikale Tendenzen wahrgenommen haben. Diese reichten von extremen Positionen in Diskussionen über Missionierungsversuche bis zu verbalen und körperlichen Drohungen. Um die Mitarbeiter solcher Einrichtungen aber auch Schulen im Umgang mit radikalisierten Jugendlichen zu schulen, organisiert die Stadt in den nächsten Wochen Fortbildungen und Fachtagungen.

dpa

Quelle: op-online.de

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