„Druck an Kliniken ist unerträglich“

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Verdi-Sprecher Georg Schulze-Ziehaus zur Situation an den Krankenhäusern in Hessen.

Offenbach - Auch an Hessens Krankenhäuser werden Warnstreiks erwartet. Georg Schulze-Ziehaus, Fachbereichsleiter Gesundheit der Gewerkschaft Verdi, im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey.

Sie fordern auch für Mitarbeiter in der Krankenpflege höhere Tarife, zugleich wissen Sie, dass den meisten Kliniken finanziell das Wasser bis zum Hals steht. Wie passt das zusammen?

Auch für Beschäftigte in Kliniken steigen die Lebenshaltungskosten. Dass viele Kliniken in extrem schwierigen wirtschaftlichen Problemen stecken, hat zum großen Teil auch die schwarz-gelbe Bundesregierung zu verantworten, die in diesem und im letzten Jahr die Klinikbudgets - angeblich zur Finanzierung des Gesundheitsfonds - um insgesamt eine Milliarde gekürzt hat. Solche politischen Fehlentscheidungen können doch ernsthaft kein Argument gegen die notwendige Tariferhöhung für Krankenschwestern oder Beschäftigte in den Klinikservicebereichen sein: Im Gesundheitsfonds wären genug Überschüsse vorhanden, um den Kliniken die ungerechtfertigten Kürzungen zurückzuzahlen.

Warum kommt man bei den Gehältern fürs Krankenpflegepersonal kaum entscheidend weiter? Immer noch heißt es ja: Für einen Schichtdienst-Beruf sind die unterbezahlt ...

Am 1. März haben wir die Tarifrunde für alle Beschäftigten bei Bund und Kommunen eröffnet, hier geht es zuerst einmal nicht um die Lohnhöhe einzelner Berufsgruppen, sondern um die Kaufkraft von allen Beschäftigten im öffentlichen Dienst insgesamt. Das schließt nicht aus, dass Verdi und Klinikarbeitgeber sich nach Abschluss der Lohnrunde im öffentlichen Dienst noch einmal intensiv mit den Arbeitsbedingungen in einzelnen Bereichen, etwa mit der Situation von Beschäftigten in Kliniken und Pflegeberufen auseinandersetzen.

Sie nehmen Kliniken besonders ins Visier?

Wir stellen dort zwei Entwicklungen fest, die dringend gestoppt werden müssen: Auf der einen Seite behandeln Kliniken immer mehr und immer schwerer kranke Patienten, auf der anderen Seite werden aber auch ständig mehr Stellen - vornehmlich beim Pflegepersonal - abgebaut, weil die Klinikbudgets nicht ausreichen, zum Beispiel um notwendige Bauinvestitionen zu stemmen. Deshalb brauchen wir dringend eine Umkehr der Entwicklung; der Druck für alle Klinikbeschäftigten ist inzwischen unerträglich geworden. Wir müssen die Belastung von Klinikbeschäftigten senken, schon allein, um in Zukunft noch ausreichend Nachwuchs für Pflegeberufe zu finden. Auch in der Vergütung muss mehr für die Attraktivität des Berufes getan werden. Aber im ersten Schritt geht es jetzt erst einmal um Einkommensverbesserungen für alle Sparten des öffentlichen Dienstes – da können wir nicht die Entgelte des Krankenpflegepersonals auf Kosten der Müllwerker oder der Kita-Erzieherinnen anheben.

Quelle: op-online.de

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