Dudelsack-Spieler Thomas Zöller

Er wollte nie Schotte sein

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Thomas Zöller gründete die Dudelsack-Akademie und leitet das heute beginnende Folkfestival in Hofheim am Taunus.

Hofheim am Taunus - Fachwerkidylle und Natur hat das Städtchen Hofheim am Taunus reichlich zu bieten. Die Kleinstadt beherbergt aber auch eine Dudelsack-Akademie und das jährliche Interkeltische Folkfestival, das heute beginnt und bis zum Sonntag dauert. Von Detlef Kinsler

Beides hat Thomas Zöller Hofheim geschenkt. Durch eine Platte von Planxty kam Zöller früh auf den Geschmack. Der zarte Klang der irischen Uilleann Pipes begeisterte ihn. Bordun-Instrumente wurden seine große Leidenschaft. Der „Brummbass“ als Basis für eine melodische Begleitung. Dass sich Zöller schließlich die Great Highland Bagpipes aussuchte, lag an den größeren klanglichen Möglichkeiten des Instruments. Keine „geschönte“ temperierte Stimmung wie etwa beim Klavier, sondern der „pure Stoff“ alter Intonationsformen mit ganz besonderen Schwingungen und deutlich spürbaren Körperlichkeit. An der Royal Scottish Academy of Music and Drama in Glasgow machte der Anti-Highlander-Typ seinen Bachelor, lernte auch die Diversität der dortigen Kultur kennen. Die Nähe zu Irland, zu Norwegen, die gälische Sprache, das Bündnis mit Frankreich - all das hat Spuren hinterlassen. „Diese Einflüsse muss man sich bewusst machen, dann ist das Klischee bald dahin“, sagt Zöller. „Ich wollte auch nie ein Schotte sein“, lacht Zöller.

Sein erworbenes Wissen und Können „nur“ mit seinen Bandprojekten auf die Bühne zu bringen, genügte dem Multitalent nicht. So gründete er 2005 die Dudelsack-Akademie in Hofheim. Von Sackpfeife bis Bagpipe kann man dort im Einzelunterricht vieles lernen. Was wie ein Ort für für Mittelalterfans und Weltmusikfreaks klingt, zieht tatsächlich die unterschiedlichsten Schüler an. „Das ist von der Altersspanne und vom Gesellschaftsquerschnitt sehr breit gefächert, es kommen Profimusiker, Laien, Komplettanfänger“, freut sich der Dozent. Jeder Schüler sucht hier etwas anderes. „Kulturelle Identität“ ist ein großes Thema. Da haben die Deutschen aufgrund ihrer Geschichte noch immer Defizite, kann der Umweg übers Mittelalter helfen. Zöller formuliert seinen Leitgedanken dazu ganz poetisch: „Sich selbst im fernen Spiegeln sehen, dort ankern und sich verwurzeln, den Ansatzpunkt finden, sich kulturell zu definieren.“

Hör- und erlebbar

9. Interkeltisches Folkfestival bis 26. Juli in Hofheim am Taunus Infos unter www.interkeltisches-folkfestival.de

Beim Interkeltischen Folkfestival wird ein weiterer Antrieb Zöllers hör- und erlebbar. „Mich interessierte der Dudelsack immer auch als paneuropäisches Phänomen und weit darüber hinaus, weil es in vielen Kulturen vertreten ist“, erklärt der Weltmusiker. „Wir wollen Musik mit dem Publikum teilen, die man sonst nicht zu hören bekommt. Spezielles, Anspruchsvolles, das eine Bühne braucht.“ Eröffnet wird das Festival mit Ceòl na Gaoithe heute Abend in St. Peter & Paul: Gälische Musik im Dialog mit der Kirchenorgel. Beim North Atlantic Project trifft im Stadtmuseum Bluegrass auf traditionelle schottische Musik. Zwischen den Konzerten gibt es in der Fußgängerzone Nachwuchswettbewerbe, dazu Schnupperkurse für Dudelsack und Harfe oder Whiskytasting in der Akademie.

Das Finale am Samstag im Alten Wasserschloss bleibt dem Al Andaluz Project vorbehalten. Im Ensemble des Oud- und Saz-Virtuosen Michael Popp verkörpern die drei Sängerinnen Mara Aranda (Spanien), Sigi Hausen (Deutschland) und Iman Kandoussi (Marokko) die jüdisch, christlich wie muslimisch geprägte Kultur der Mauren im Mittelalter. Ein friedliches Miteinander, dass die Band so präsentiert. Keltisch ist das nicht, aber Zöller begeistert der mittelalterliche und kulturübergreifende Aspekt des Ensembles. Und mit der Drehleier gibt es da ja auch ein Instrument mit Brummton.

Quelle: op-online.de

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