Dürre in Deutschland und Eurokurs

Verbraucher müssen beim Heizöl draufzahlen

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Die Verbraucher in Hessen achten bei der Bestellung von Heizöl sehr auf die Preise.

Frankfurt - Wegen der Dürre in Deutschland, dem gesunkenen Eurokurs und weltpolitischen Entwicklungen müssen die Bürger im nächsten Winter wohl mehr als in den Jahren zuvor fürs Heizen zahlen. Von Marc Kuhn

„Die Preisschwankungen bei Heizöl folgen den Mineralölnotierungen an der Börse“, erklärte Hans-Jürgen Funke, Geschäftsführer des Verbands für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH), gestern in Frankfurt. Er vertritt die Interessen von mittelständischen Firmen in Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Thüringen. Der Ölpreis liege etwa bei 70 Dollar pro Barrel (159 Liter), berichtete Funke weiter. Für Heizöl müssten die Verbraucher etwa 77 Cent pro Liter bei der Abnahme von 3 000 Litern bezahlen, erläuterte Bernd Schilly, Heizölhändler aus Wiesbaden. Im vergangenen Jahr seien es zu diesem Zeitpunkt noch 57 Cent gewesen.

Da die Trockenheit zu sinkende Pegelständen auf dem Rhein geführt hat, steigen die Frachtkosten. Die Schiffe könnten nur zu etwa 40 Prozent beladen werden, erklärte Schilly. Sie müssten aber die Kosten voll tragen. „Das kostet Geld.“ Pro Liter würde die Fracht zwei bis drei Cent teurer. Zudem ist der Eurokurs gefallen. Weil Rohöl in Dollar abgerechnet wird, steigen deshalb die Kosten für Importe. Zudem wirkt sich nach den Worten von Funke die Iran-Politik von US-Präsident Donald Trump negativ auf die Rohölpreise aus, auch wenn sich Russland und Saudi Arabien mittlerweile bereit erklärt haben, die Lücke im Ölangebot zu schließen. Der Verband rechnet allerdings nicht damit, dass die Preise beim Öl weiter nach oben gehen. Schilly erklärte zwar: „Der Heizölpreis ist immer für Überraschungen gut.“ Deshalb seien Vorhersagen schwierig, ergänzte Funke. Dennoch erwartet der Verband in diesem Jahr keine größeren Preissenkungen beim Heizöl mehr.

„Den günstigen Sommerpreis gibt es beim Heizöl nicht mehr“, berichtete Schilly. „Wir empfehlen unseren Kunden, den Preis regelmäßig zu beobachten. Bei Bedarf oder günstigen Preisen kaufen sie dann häufiger in kleineren Mengen.“ Zu einer ähnlichen Strategie rät Funke. Verbraucher sollten einen Teil der Tanks befüllen, um über den Winter zu kommen. Später könne nachgetankt werden. Nach den Beobachtungen von Funke reagieren die Bürger ohnehin sensibel auf Schwankungen bei den Preisen. Sie würden sich auch gut informieren. Bei den günstigeren Preisen 2017 hätten die Verbraucher getankt. In diesem Jahr hätten sie bisher 15 bis 20 Prozent weniger Heizöl bestellt. Der Wert gelte bundesweit, in Hessen und im Rhein-Main-Gebiet. Wenn die Kunden erst im Winter Heizöl bestellen würden, könne es zu Lieferzeiten von bis zu vier Wochen kommen, erläuterte Schilly.

Rund 30 Prozent der Hessen heizen mit Öl. Das sind insgesamt 1.8 Millionen Bürger. In Deutschland stehen 5,6 Millionen Ölheizungen in den Immobilien, 513.000 davon in Hessen, wie der Verband berichtete. Die meisten befinden sich in Ein- und Zweifamilienhäusern im ländlichen Raum.

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Derweil macht sich der VEH für Modernisierungen der Heizungen stark. Jede zweite in Hessen sei älter als 20 Jahre und damit nicht mehr auf dem Stand der Technik, sagte der VEH-Geschäftsführer. „Um den Sanierungsstau zu lösen, fordern wir eine Vereinfachung des Fördersystems und dabei vor allem, dass Heizungssanierungen steuerlich absetzbar sind.“ Eine sogenannte Hybridheizung, bei der eine Brennwertanlage mit Solarthermie oder einem Kaminofen kombiniert werde, verringere den Energiebedarf um 28 bis 50 Prozent, erklärte Jörg Lenk vom Verband. Mit der Dämmung von Kellerdecken in der Immobilie lasse sich lediglich acht Prozent der Energie einsparen, mit der Dämmung des Dachs 14 Prozent.

Quelle: op-online.de

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