Was durch die Tür passt, wird versendet

Frankfurt - Ob Apfelsinen, millionenschwere Kunstwerke oder Zootiere: Dass die Arbeit in einem Logistikzentrum alles andere als langweilig ist, bewies Michael Nordsiek den Lesern unserer Zeitung am Tag der Logistik. Von Bettina Link

Ob eine 50 Tonnen schwere Turbine, deren Verladung ins Flugzeug mehrere Stunden dauerte, oder eine Horde ausgebüchster Papageien, die in der Halle von Lufthansa Cargo die Freiheit suchte: er hat schon alles am Frankfurter Flughafen verladen. „Alles, was durch die Tür des Flugzeugs passt, versenden wir“, sagt er. Durch diese Tür geht alles durch, was bis zu 2,56 Meter hoch und bis zu 3,70 Meter breit ist. Aber auch blinde Passagiere finden ab und an ihren Weg durch diese Tür, wie etwa die nicht willkommene Bananenspinne.

Damit aber kein Gefahrgut oder Schmuggelware das Cargo Center verlässt, hat die Lufthansa eine Art „Röntgengerät“, in dem die Fracht gescannt wird. „Was für die Koffer gilt, gilt auch für die Fracht“, sagt Nordsiek. Er kennt das Logistikzentrum und die Abläufe wie seine Westentasche. Keine Frage, die er unbeantwortet lässt - und davon haben die Teilnehmer viele. „Wie viele Pakete werden hier gelagert?“, lautet etwa eine Frage, die Antwort kommt prompt und ganz genau: „2443 Pakete.“

Eine Fläche von etwa drei Fußballfeldern

Platz hat die Fracht, die im Lufthansa Cargo Center ankommt, auf insgesamt 30.000 Quadratmetern - einer Fläche von etwa drei Fußballfeldern. „Das Lager ist zehn Stockwerke hoch“, erzählt Nordsiek den staunenden Teilnehmern, deren Blicke sich nicht mehr von den fahrenden Paletten auf dem Hochregallager lösen wollen. „Ich bin total begeistert davon, wie das hier alles funktioniert“, sagt Gisela Schwarting, die sich vorher nicht vorstellen konnte, was sie erwartet. „Wir haben erst letztlich ein Paket an unsere Tochter nach Kalifornien geschickt, jetzt wissen wir auch, welchen Weg es genommen hat“, sagt Monika Ulrich, die mit ihrem Mann Egon an der Führung teilnimmt.

Doch nicht nur die Abläufe in der Logistikhalle lernen die Leser kennen. Auf dem Rollfeld verfolgen sie die Beladung einer der 18 MD 11-Flieger, die tagtäglich die Fracht um die Welt fliegen. Mit gebotener Eile geht es da zu, denn „alles muss nach einem genauen Zeitplan laufen“, erläutert Nordsiek. Das Nachtflugverbot kennt kein Pardon. „Wenn der Flieger nicht um 22.58 Uhr an der Startbahn steht, verlässt die Fracht den Frankfurter Boden nicht mehr“, so Nordsiek. Maximal zweieinhalb Stunden darf das Beladen dauern, dann muss ein Flugzeug startklar sein.

Für die Besucher, die an diesem Abend den Flugzeuginnenraum einer Maschine mit Ziel Japan unter die Lupe nehmen dürfen, ist dennoch Zeit. Dort, wo sich normalerweise die Passagiersitze befinden, verlaufen Eisenstreben, auf denen die schweren Paletten gesichert werden. Bis zu 90 Tonnen Fracht kann eine MD 11 transportieren.

400 Piloten fliegen für die Lufthansa Cargo

Pilot und Flottenchef Fokko Doyen war mit der Maschine schon in fast allen Teilen der Welt. Er ist einer von 400 Piloten, die für die Lufthansa Cargo fliegen. Von Medikamenten und Pampers bis zu einem Nashorn, das in Afrika wieder ausgewildert werden sollte, hat Doyen schon alles um die Welt geflogen. „Fracht fliegen ist nicht nur entspannter, man fliegt auch andere Ziele an“, so Doyen, der den Besuchern sämtliche der 300 Knöpfe im Cockpit der Maschine geduldig erklärt.

Nach dem Rundgang durch die Logistikhallen über den Frachtraum bis in das Cockpit der MD 11 Maschine sind die Teilnehmer der Tour durchweg begeistert. „Das, was wir heute mitgenommen haben, übertrifft unsere Erwartungen“, lautet etwa das Fazit von Monika und Egon Ulrich.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Linl/op-online.de

Kommentare