In Schwarz und uninspiriert

Bob Dylan in Mainz: Kein Wort an all die Tapferen

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Mainz - Es ist schon etwas nach 21. 30 Uhr, als Bob Dylan mit seinen fünf Musikern die Bühne betritt und sich die Scheinwerfer auf sie richten. Von Thomas Ungeheuer 

Dunkel genug wäre es inzwischen, damit man den 1941 als Robert Allen Zimmermann in Minnesota geborenen Musiker in vielfarbigem Licht sehen könnte. Aber so etwas gibt es nicht. Das Publikum muss sich mit einem guten Dutzend Strahlern zufrieden geben, die wie überdimensionierte Autoscheinwerfer die Bühne beleuchten. Mal mehr, mal weniger hell. Wirklich aufregend ist das nicht. Zumal man den ganz in Schwarz gekleideten Dylan vor schwarzem Bühnenhintergrund ohnehin nur schwer erkennt. Videoleinwände, über die man ihn gern betrachten würde, gibt es sowieso nicht. Rein visuell bietet sich somit den Konzertbesuchern enttäuschend wenig.

Mit „Things Have Changed“ beginnt Dylan. Ohne dass er sein Publikum begrüßt oder Titel ansagt, folgen „She Belongs To Me“, „Beyond Here Lies Nothin‘“ und „Workingman´s Blues“. Im Original sind diese Lieder ganz unterschiedlich instrumentiert und arrangiert. Jetzt erklingen sie mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards eher gleichförmig in wenig variierten instrumentalen Gewändern. Mitunter spielt Bob Dylan auch Klavier, oder er bläst in seine Mundharmonika. Wobei es schon verstört, wie nichtssagend er mit diesem kleinen Instrument umgeht. Von Virtuosität ist nichts zu merken. Zur Gitarre wird er in Mainz erst gar nicht greifen.

Von erlesener Schönheit war Dylans Gesang freilich noch nie. Es ist ein eher ätzendes Krächzen, das den harmonischen Wohlklang seiner Begleitband immer wieder überdeckt. Eine Band, die zwar aus hervorragenden Instrumentalisten bestehen mag, aber in ihrer Routine mit der Zeit so langweilt, dass sich wiederkehrend einzelne Konzertbesucher frühzeitig auf den Heimweg machen. Vielleicht hatten sich diese aber auch eine ganz andere Art von Musik erhofft. Schließlich erklingen Songs wie „Waiting For You“, „Pay In Blood“ oder „Full Moon And Empty Arms“ fast alle im Stil von gefällig-seichtem Country und Western.

Einen kurzen Moment der Abwechslung bietet da lediglich „To Romana“. Lässt dieses Lied doch Anleihen an lateinamerikanische Musik durchschimmern. Ansonsten geht es ermüdend weiter. Insgesamt werden sechzehn Songs, die nicht unbedingt zu den bekanntesten Stücken zählen, runter geleiert. Erstaunlich: Lieder wie „Blowin‘ In The Wind“, „Mr. Tambourine Man“, „Like A Rolling Stone“ oder „Knocking On Heaven‘s Door“ bleiben ungespielt.

Nach „Ballad of A Thin Man“ geht das Licht aus und die Band verschwindet unvermittelt von der Bühne. Immerhin gibt es mit „All Along The Watchtower“ eine Zugabe. Aber auch danach richtet Dylan nicht ein dankendes Wort an all die Tapferen, die während der anderthalbstündigen Show bei Schafskälte auf ihren Stühlen ausgeharrt hatten. In der Tat hat das einiges von solider Publikumsverachtung. Wem das Konzert dennoch gefallen hat, und schließlich gab es immer wieder Applaus, der ist sicher auch sonst an Leid gewöhnt.

Quelle: op-online.de

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