Vereine und Kirchen suchen händeringend

Nachwuchs fehlt Zeit fürs Ehrenamt

Offenbach - Viele Vereine sind ratlos, sie suchen händeringend Kandidaten für Führungsposten. Eine Studie bestätigt: Jugendliche in Vereinen und Verbänden übernehmen dort selten eine leitende Position. Aber auch Ältere meiden zunehmend das Vorstandsamt.

Beim Blick in die Region wird der Eindruck vielerorts bestätigt: Die Bereitschaft, sich zu engagieren, schwindet nicht. Aber immer schwieriger wird es, Frauen und Männer für eine Leitungsposition zu mobilisieren. Offenbar gilt dies vor allem für junge Leute. Laut der Studie „Jugendliche in zivilgesellschaftlichen Organisationen“, die Mareike Alscher, Soziologin am Wissenschaftszentrum Berlin erstellt hat, gibt es in politisch ausgerichteten Vereinen kaum aktive Jüngere. Auch in Vereinen in den Städten treten junge Leute weniger häufig in der ehrenamtlichen Leitung in Erscheinung. Im Bereich Kultur müssen 40 Prozent der Organisationen ganz ohne junge Menschen in Leitungspositionen auskommen. Begründung: Ihnen mangelt es oftmals durch Ausbildung und Beruf an Zeit, um ein Ehrenamt zu übernehmen.

Inzwischen fehlen aber auch zunehmend die „reiferen Jahrgänge“ in den Vereinsführungen. Peter Dinkel, Vorsitzender des Sportkreises Offenbach, wundert sich nicht über diese Entwicklung. Im Interview mit unserer Zeitung spricht er die vielen Probleme für Ehrenamtler an: „Die Behörden werfen den Vereinen immer weiter Knüppel zwischen die Beine.“ Der Verwaltungsaufwand werde immer größer.

Rödermark geht Nachwuchsprobleme gezielt an

Die Stadt Rödermark geht das Nachwuchsproblem seit einigen Monaten in Zusammenarbeit mit Vereinen und dem Ehrenamtsbüro ganz gezielt an. Die Stadt ist inzwischen Mitglied eines landesweiten Förderprogramms zur Gewinnung und Bindung von Vereinsvorständen. „Engagement braucht Leadership“ heißt das bis September 2016 angelegte Projekt, das die Robert-Bosch-Stiftung finanziert. An 13 Standorten in Hessen sollen Strategien entwickelt und umgesetzt werden, um in den Vereinen Vorstandsmitglieder zu gewinnen und in ihrer ehrenamtlichen Arbeit zu bestärken. Ziele sind bereits formuliert: So geht es vor allem darum, das Image von Vorstandsarbeit zu verbessern und eine bessere Organisation bzw. Qualifizierung von Vorständen zu erreichen.

Klagen kommen auch von der katholischen Kirche. „Es wird von Wahl zu Wahl schwieriger, Frauen und Männer zu einer Kandidatur für den Pfarrgemeinderat zu motivieren“, berichtet Ulrich Janson vom Bistum Mainz. Die jahrelange Bindung an ein Amt schrecke viele ab. Ähnlich ist die Entwicklung in Bereichen der Evangelischen Kirche. Bei Wahlen für Presbyterien, die Leitungsgremien der Gemeinden, wird vielerorts dringend Personal gesucht; das Interesse an den Ämtern hat teils stark nachgelassen.

app/ad/psh

Quelle: op-online.de

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