Prozess in Kassel

Ehrenmord: 51-Jähriger Maintaler zu lebenslanger Haft verurteilt

Kassel/Maintal - Weil er seine Schwester erschossen hat, ist ein 51 Jahre alter Mann aus Maintal vom Landgericht Kassel zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Eine 40-jährige Frau wollte mehr Freiheit und Distanz zu ihrem Bruder und ihrer Familie und bezahlte das mit dem Leben. Erschossen wurde sie von ihrem 51 Jahre alten Bruder aus Maintal, der nun vom Landgericht Kassel wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden ist. Über die Handy-Verbindungsdaten habe der Weg des Angeklagten während der Tat minutengenau nachvollzogen werden können, sagte der Vorsitzende Richter am Donnerstag. Der ursprünglich aus Offenbach stammende Angeklagte hatte das Opfer nach Überzeugung des Gerichts am 7. Oktober 2014 zunächst in Kassel verschleppt, an der Autobahn bei Felsberg getötet und schließlich in einem Kleingarten in Wiesbaden vergraben. Die Leiche wurde erst einen Monat später entdeckt. Das Motiv für die Tat sah die Kammer in familiären Gründen. Das Opfer habe nicht der Vorstellung des Angeklagten „von Familie und Ehrerbietung“ entsprochen. Die 40-Jährige hatte eine Beziehung zu einem verheirateten Mann, hatte sich von der Familie distanziert.

Auslöser sei schließlich ein Streit der Geschwister gewesen. "Sie sagte: „Ich habe keinen Bruder mehr.“,schilderte der Richter. „Da sah er nur die Lösung, sie zu beseitigen.“ Der Richter beschrieb den Angeklagten als „kühl, planerisch und rational“. Sein Vorgehen sei von vornherein auf Tötung angelegt gewesen. Laut Gericht hatte der Angeklagte einen Kleintransporter geliehen, eine Schubkarre gekauft und war vor der Tat in dem Kleingarten in Wiesbaden gewesen. Er passte seine Schwester demnach in Kassel ab, ein letztes Lebenszeichen von ihr gab es in Felsberg. Anschließend fuhr der Angeklagte über die Autobahn nach Wiesbaden und rief noch zweimal auf dem Handy des Opfers an, um das Mobiltelefon ausfindig zu machen, damit er es ausschalten konnte. Diese Abhandlung wurde mit Hilfe von Zeugenaussagen, vor allem aber mit Handy-Verbindungsdaten belegt. Der Angeklagte hatte zu den Vorwürfen geschwiegen.

Gewalt in deutschen Gefängnissen ist Alltag

Es gebe „keinen vernünftigen Zweifel“ daran, dass der Bruder der Täter sei, sagte der Richter. Von den Dutzenden Zuschauern im Gerichtssaal gab es vereinzelt Applaus. Die Tochter des Opfers zeigte sich nach dem Urteilsspruch gegen ihren Onkel erleichtert. „Ich bin nur glücklich. Das war Gerechtigkeit“, sagte sie. „Ich werde jetzt versuchen, damit abzuschließen und mir ein neuen Leben aufbauen.“ Die Verteidigung kündigte indes an, gegen das Urteil vorzugehen. Das Opfer hatte im Ausländeramt der Stadt Kassel gearbeitet. „Diese unmenschliche Tat ist weder mit Religion noch mit Kultur zu begründen. Für solche Taten kann es keine Rechtfertigung geben“, sagte der Vorsitzende des Kasseler Ausländerbeirates, Kamil Saygin.

dpa

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion