Asche zu Rosen

Ehrlich Brothers verblüffen mit ihrer Magie in der Festhalle

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Andreas und Christian Ehrlich bei einem Besuch in unserer Redaktion

Frankfurt - Huch, da hoppelt ja ein weißes Kaninchen über die Bühne! Nein, Quatsch! Schließlich zaubern Chris und Andreas Ehrlich weder Tiere aus Zylindern herbei, noch glauben die Brüder, dass sie sich in eleganten, schwarzen Anzügen ihrem Publikum präsentieren müssen. Von Thomas Ungeheuer 

Die zwei tragen Jeans und T-Shirts. Während Andreas aus einem gigantischen Tablet heraussteigt, fährt ihm sein jüngerer Bruder auf einem laut dröhnenden Motorrad hinterher. Gleich zu Anfang verschrecken die Zauberer ihr Publikum in der gut besuchten Festhalle. Schließlich wollen sie auch in Frankfurt viel Pyrotechnik einsetzen- ähnlich wie bei ihrer Show in der Osnabrückhalle. Dort hatte der Pulverdampf der Böller allerdings die Sprinkleranlage aktiviert, so dass es schwarze Brühe von der Decke regnete.

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Aber diese Zauberer mögen auch leise Töne. So zaubern sie mit ihren magischen Händen eine Euromünze in eine kleine Wasserflasche hinein. Erstaunlich: Sie tun dies nicht hinter einem davorgehaltenen Tuch. Nein, auf den drei großen LED-Leinwänden ist die Illusion in Nahaufnahme zu sehen. Nicht minder merkwürdig erscheint es dem Zuschauer Noah, dass Chris durch eine Platte aus Stahl schlüpfen kann - wo der Junge doch kurz vorher noch selbst einen Härtetest mit einem Hammer vorgenommen hatte. So präzise die „Ehrlich Brothers“ ihre Illusionen auch planen, auf der Bühne wirkt das, was sie tun, federleicht. Wohl auch, weil sie dabei ihre enormen komödiantischen Talente zum Vorschein bringen. So macht sich Chris gerne zum Kasper, wenn er seinen Kopf in einen riesigen, mit Spielkarten gefüllten Luftballon steckt und mit verbundenen Augen eine vorher gekennzeichnete Karte findet, um sie aus seinem Mund herauszuholen.

Aber wo bleibt bloß die Jungfrau, die sich zersägen lässt? Die gibt es bei den „Ehrlich Brothers“ nicht. Ebenso wartet man vergeblich auf Assistentinnen, die leicht bekleidet um sie herumtanzen. Wenn mit einer Frau geflirtet werden soll, dann lässt Andreas dies sein italienisches Kamel Alexandro tun. Absolut souverän leiht der Bauchredner dem Tier, das er liebevoll in der rechten Hand hält, seine Stimme. Gedankenlesen kann das vorlaute Viech mit dem strubbeligen Plüschfell - glaubt man. Aber vermögen es die „Ehrlich Brothers“ wirklich, mit „der Kraft der Liebe“, oder eben mit ihren eigenen Händen zwei Bahnschienen in die Form eines Herzens zu verbiegen? Vielleicht sind die Schienen doch eher aus Gummi und nicht aus Stahl?

Laute Pop- und Rockmusik begleitet viele Momente in der Show. Langweile kann keine aufkommen - außer, wenn der Komiker Mario Barth in das Geschehen über einen Monitor „live“ zugeschaltet ist, um kurz, eingebettet in einen Zaubertrick, Werbung für den Kauf von Eintrittskarten zu machen. Die gutgelaunten Stars des Abends bleiben somit die ungemein publikumsnahen „Ehrlich Brothers“. Es verwundert also nicht, dass die Zuschauerin Martina ihnen einen Damenschuh für 100 Euro verkauft. Der wird zwar durch die ehrliche Magie völlig unbrauchbar, doch die junge Frau scheint nicht einmal verdutzt, als sie das Ergebnis erblickt.

Gewiss wird einiges von dem, das die „Ehrlich Brothers“ in der Festhalle gezeigt haben, auch am 11. Juni in „Magic - Die einmalige Stadionshow“ in der Frankfurter Commerzbank-Arena zu sehen sein. Größer, lauter und bunter wird dieses Spektakel wohl werden. Bleibt zu hoffen, dass es dann trotzdem solch einen leisen Moment geben wird, wie den, in dem Andreas romantische Klänge am Klavier spielt, während Chris ein Stück Papier in der Luft tanzen lässt, um es am Ende, von Feuer zu Asche verbrannt, in eine rote Rose zu verzaubern.

Quelle: op-online.de

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