Das Eichauge ist immer offen

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Kämpft für Daseinsvorsorge, Verbraucherschutz und Lauterkeit: Eichexperte Klaus Pankow.

Darmstadt - Klaus Pankow wird gerne von seiner Frau zum Einkaufen geschickt. Warum das so ist, dafür hat der leitende Beamte in der Hessischen Eichdirektion in Darmstadt eine beruflich bedingte Erklärung: „Das Eichauge ist auch bei privaten Dingen immer offen.“ Von Matthias Gerhart (dpa)

Der raffinierte Metzger, der zur Wurst auch noch das Papier teuer mit wiegt oder gar der Erdbeerverkäufer, der es mit seinem Pfund roter Beeren nicht so genau nimmt, haben bei Pankow jedenfalls keine Chance. Nach mehr als 30 Jahren im staatlichen Eichdienst lässt er sich nicht über den Tisch ziehen. Auch der Wirt, der ihm ein Bierglas ohne den vorgeschriebenen Eichstrich vorsetzte, sah sich rasch mit der Kompetenz des Diplom-Ingenieurs konfrontiert.

   Dabei ist Pankow alles andere als ein engstirniger Pedant. In den Eichdienst kam der inzwischen 57 Jahre alte Familienvater nach einer Lehre und einem technischen Studium auf der Posthochschule. „Die Post übernahm damals nur zehn Prozent der Absolventen“, erläutert er. Dabei war es zunächst weniger das Gerechtigkeitsempfinden als vielmehr Interesse an Technik und Messtechnik, die den Eichdienst für ihn so anziehend machten: „Das mit der Gerechtigkeit kommt erst mit zunehmender Berufserfahrung.“

   Im Frankfurter Eichamt kümmerte sich Pankow zunächst vor allem um Getreidewaagen und die sogenannten Starenkästen der Verkehrspolizei, hatte aber auch ein Auge auf die Fertigpackungen im Supermarkt. Die sind sein Steckenpferd geblieben. „Was glauben Sie, wie oft man die reinsten Mogelpackungen angedreht bekommt“, sagt Pankow, während er auf eine kleine Vitrine vor seinem Dienstzimmer zeigt. Darin sind einige Beispiele für täuschende Verpackungsgestaltung gesammelt, etwa eine Kekspackung mit großem Hohlraum oder eine geräumige Tablettenschachtel mit nur einem Blister. Neben der Überprüfung des angegebenen Gewichtes ist das Eichamt auch dafür zuständig, solche Täuschungen aufzudecken.

 200 bis 300 Bußgeldbescheide erlassen die hessische Eichdirektion und ihre sechs Außenstellen jedes Jahr. „Die meisten Verstöße sind mit Bußen bis zu 200 Euro abgetan.“ Bei Wiederholungstätern wird Pankow allerdings grantig. „Unsere Tätigkeit dient schließlich der Daseinsfürsorge ebenso wie dem Verbraucherschutz und der Lauterkeit im Handel.“ Zwar seien die Behörde und ihre Mitarbeiter in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, jeder Bürger komme aber mehrmals täglich mit der Tätigkeit der Eichbeamten in Berührung. „Das beginnt schon, wenn man morgens das Licht anmacht oder die Dusche aufdreht.“ Auch die Versorgungszähler müssten schließlich in regelmäßigen Abständen geeicht werden.

   Manchmal müssen Pankow oder einer der 60 Eich-Außendienstler auch ins Krankenhaus, um etwa eine Säuglingswaage zu eichen. Bei der Polizei überprüfen sie Alkoholmessgeräte mit Hilfe einer speziell aus Frankreich bezogenen Alkoholmischung. Kummer macht Pankow in jüngster Zeit der Anstieg unrichtiger Kilometerzähler in Mietwagen und Schmu von Heizöllieferanten beim Befüllen von Privattanks.

 Auch in seiner Wahlheimat im Odenwald setzt sich der gebürtige Osthesse für seine Mitmenschen ein. Seit einigen Jahren ist er ehrenamtlicher Beigeordneter in Höchst. Und wenn es nach einer Sitzung des Gemeindevorstands noch in die Kneipe nebenan geht, dürfen dank Pankows Anwesenheit alle gewiss sein: Es wird korrekt eingeschenkt.

Quelle: op-online.de

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