„Ein sehr bewegendes Thema“

Gebühren für Sporthallennutzung

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Hessische Judo-Sommerschule mit 150 Teilnehmern im August in der Sporthalle Wiesbadener Straße in Nieder-Roden. Vereinssport ist wichtig, vor allem für Kinder. Aber wer bezahlt Heizung, Wasser und Strom in den Hallen?

Offenbach - Politiker betonen gerne und oft die „überragende Bedeutung des Sports“, vor allem für Kinder und Jugendliche. Dafür müssen sie vielen Vereinen freilich Sporthallen zur Verfügung stellen. Und das tun sie auch. Von Ralf Enders

Doch in Zeiten knapper Kassen denken immer mehr Kommunalpolitiker über Nutzungsgebühren nach.

Beispiel Rodgau: Am nächsten Montag wird das Stadtparlament aller Voraussicht nach eine Gebührensatzung beschließen, die den Nutzern städtischer Räume ab 2013 die Betriebskosten anteilig auferlegt. Heißt: Sportvereine müssen für jede Trainingsstunde bezahlen. 180.000 Euro insgesamt verspricht sich die Stadt aus der Umlage, 65.000 Euro davon sollen aus der Nutzung von Sporthallen kommen. 58,19 Euro hat die städtische Gebäudewirtschaft als tatsächlich anfallende Kosten einer Nutzungsstunde ermittelt. Die Vereine sollen davon für Trainingszeiten zehn Prozent und für Veranstaltungen, bei denen Eintritt erhoben wird, 50 Prozent tragen.

Ab Januar soll Satzung in Kraft treten

Nicht alle können das, zumindest nicht aus dem Stand. So hat die Handball-Spielgemeinschaft (HSG) aus SG und TG Nieder-Roden die Stadt um Aufschub gebeten; ab dem 1. Januar - dann soll die Satzung in Kraft treten - könne man den „immerhin deutlich fünfstelligen Betrag“ pro Jahr nicht stemmen. Der Gesamtetat der HSG für die Saison 2012/13 betrage 180.000 Euro, da sei klar, dass die städtische Kostenumlage zu „Einschnitten bei der Umsetzung des Sportkonzepts“ führen wird, meint der Verein.

Dabei verschließen sich die Handballer der städtischen Not ausdrücklich nicht. Der Zeitplan aber mache Probleme. Denn die Finanzplanung für die laufende Saison bis zum 30. Juni 2013 steht seit Mai dieses Jahres.

In Hanau dagegen bleibt’s dabei

Die Meinungen unter den Rodgauern sind durchaus geteilt. Denn viele beklagen ein Ungleichgewicht - zwischen Vereinen mit Hallen und denen ohne. Denn während etwa TGS Jügesheim oder TGMSV Jügesheim ihre vereinseigenen Sporthallen unterhalten müssen, trainieren andere mehr oder weniger für lau. Auch dies will der Rodgauer Magistrat mit seiner Vorlage ändern.

In Hanau dagegen bleibt’s dabei. Im Frühjahr erst haben sich Stadt und Sportvereine auf die weiterhin kostenlose Nutzung städtischer Sporthallen geeinigt, zur Erleichterung des Sportkreises Hanau. Wenn die Sportler auch vielleicht etwas mehr laufen müssen, um warm zu werden, denn die Stadt hat eine Senkung der Raumtemperatur in den Hallen von 20 auf 18 Grad durchgesetzt, um die Energiekosten im Griff zu behalten.

Die jährlichen Betriebs- und Unterhaltskosten einer Halle sind natürlich höchst unterschiedlich und hängen von Größe und Baustandard ab. Bei einem größeren Halle können sie schon mal 50.000 Euro betragen.

Vereinbarung für den Erhalt von Sportstätten

Kein Wunder, dass das Thema auch an höherer Stelle auf der Tagesordnung steht. Am Rande der „Sportinfra“, einer vom Landessportbund Hessen (lsb h) organisierten Messe für Sportstättenbau und Planung, trafen sich Mitte November Vertreter von Städten, Gemeinden und Kreisen sowie der Sportverbände unter dem Motto „Kommunen treffen Sport“. Dieter Backhaus, Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, sagte dabei: „Bei der aktuellen Situation der Kommunen bundesweit wird deutlich, dass es sich nicht nur um eine Krise der Kommunen handelt, sondern auch um eine Krise des Sports.“ Rolf Hocke, Präsident des Landessportbundes, sprach davon, dass der organisierte Sport und die Kommunen „zur Zusammenarbeit zum Wohl des Gemeinwesens verpflichtet“ seien. Unter dem Titel „Starker Sport - starke Städte, Gemeinden und Landkreise“ haben die kommunalen Spitzenverbände und der lsb h eine Vereinbarung für den Erhalt von Sportstätten getroffen.

Der Kreis Offenbach lässt als Schulträger 64 Turnhallen im Rahmen seiner PPP-Projekte von Privatfirmen bewirtschaften. Konkrete Forderungen an die Nutzer seien nicht geplant, sagt Kreis-Sprecherin Kordula Egenolf. Allerdings lässt der Kreis derzeit schon mal ermitteln, was Nutzungsgebühren bringen würden. Wann die Ergebnisse vorliegen, sei noch unklar. „Erst dann könnte eventuell ein politischer Beschluss fallen“, sagt Egenolf.

„Pauschalsachkostenbeitrag“ für Hobbymannschaften

In der Stadt Offenbach zahlt bereits jeder Verein pro Mitglied ein Nutzungsentgelt für städtische Sportanlagen, und zwar pro Monat 50 Cent für Erwachsene und 25 Cent für Jugendliche. Voraussetzung: Der Verein gehört dem Landessportbund Hessen an. Freizeit-, Hobby- und Betriebsmannschaften müssen einen „Pauschalsachkostenbeitrag“ von jährlich 900 Euro entrichten.

Nutzungsentgelte oder Hausmeisterpauschalen auf der einen Seite, allgemeine Sportförderung oder Beihilfen für Bau und Unterhalt vereinseigener Sportstätten auf der anderen - das Dickicht der Geldströme zwischen Vereinen und Kommunen ist groß. Höhere Mitgliedsbeiträge - darauf wird’s bei vielen Vereinen hinauslaufen, die sich mit städtischen Forderungen konfrontiert sehen.

Dieter Ohl, Sprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt, kennt die Materie: „Ein sehr bewegendes Thema, das sehr unterschiedlich gehandhabt wird.“ Als Aufsichtsbehörde muss sein Arbeitgeber von den verschuldeten Kommunen kostendeckende Gebühren, etwa für Friedhöfe, fordern. Die Sportförderung aber gehört zu den sogenannten freiwilligen Leistungen. Ohl: „Kommunen, die dick im Minus sind, erhalten von uns nur den allgemeinen Hinweis, ihre Einnahmemöglichkeiten auszuschöpfen.“

Quelle: op-online.de

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