...lass uns ruhig schlafen: Der Einblaslüfter gegen Fluglärm

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Luftbrücke: Vincent Leinweber vor dem „Einblaslüfter“. Das Gerät sorgt für Frischluft, wenn wegen Fluglärms die Schlafzimmerfenster zubleiben.

Raunheim ‐ Opfer müssen gebracht werden, damit der „Wirtschaftsmotor“ des Rhein-Main-Gebiets ohne Aussetzer brummt. Die Familie Leinweber aus Raunheim gehört zum großen Kreis derjenigen, die täglich dieses Opfer für den Frankfurter Flughafen bringen. Von Michael Eschenauer

Ihr schmuckes Häuschen liegt am Stresemannplatz. Das ist eine ruhige Wohngegend - wenn nur nicht die Flieger wären. Raunheim, im Südwesten des drei bis vier Kilometer entfernten Flughafens gelegen, wird in einer Höhe von 300 bis 400 Metern überflogen. An diesem Samstagmorgen herrscht Ostwind, die Flieger kommen von Westen - im Zwei-Minuten-Takt.

Die Lärmphasen sich nähernder und sich entfernender Maschinen überlagern sich. Ergebnis: Es ist permanent laut. „Wenn so eine 747 drübermacht, fliegen Ihnen die Ohren weg“, schreit Stefan Leinweber an der Gartentür gegen die Maschine der Usbekistan Airlines an, die exakt über sein Haus hinweg in Richtung Nordbahn vorandonnert. Die Flieger in Richtung Südbahn überfliegen sein Haus etwas versetzt.

Schallschutzfenster und vier Lüfter

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Damit das Ehepaar Leinweber nachts zum Schlafen kommt, hat ihnen die Fraport AG im Rahmen ihres Schallschutzprogramms Schallschutzfenster und vier Lüfter spendiert. Die Geräte - Kosten für alle vier rund 1500 Euro - sind nichts anderes als Ventilatorkästen, die vor ein Loch in der Hauswand geschraubt werden und so Frischluft ins Schlafzimmer ziehen. Es sind Luftbrücken.

„Wir schaffen es meistens, bei offenem Fenster einzuschlafen. Aber morgens müssen wir zumachen“, berichtet Ehefrau Karin. Die Leinwebers werden nie vom Wecker wach. Meist enden ihre Träume gegen 4.30 Uhr. „Es war heute früh so laut, ich musste die Fenster zumachen“, sagt Karin Leinweber. Die Abhängigkeit vom Lüfter und das Gefühl, nicht frei bestimmen zu können, ob man die Fenster öffne oder schließe, sei gerade im Sommer schlimm. „Auch nach 20 Jahren haben wir uns nicht an den Krach gewöhnt.“ Der Lüfter sei im unteren Drehzahlbereich leise, wolle man mehr Luft, mache sich der Elektromotor aber deutlich bemerkbar. Sohn Vincent (20) kennt die Probleme nicht. „Ich habe schon immer hier gelebt und bin kein Frischluftfanatiker. Ich mache nachts einfach alles zu.“ Er schläft gut. Alle Leinwebers hoffen nun auf einen Fortbestand des jüngst durch den Verwaltungsgerichtshof festgelegten „echten Nachtflugverbots“.

14.200 Wohneinheiten bereits schallgedämmt

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Nach Angaben von Fraport wurden bei dem jüngsten Schallschutzprogramm von 2002 bis 2006 insgesamt 14.200 Wohneinheiten schallgedämmt. 60 Millionen Euro flossen in Schallschutzfenster, Belüfter und Schalldämmungen für Dächer. Dadurch, so Fraportsprecher Wolfgang Schwalm, bleibe die Lärmbelastung in den Schlafzimmern unter der Aufwachschwelle von 52 Dezibel.

Quelle: op-online.de

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