Eine Armee zieht um

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Blick in den Eingangsbereich des neuen Europa-Hauptquartiers der US-Armee in Wiesbaden.

Wiesbaden - Jetzt warten die Generäle nur noch auf den Möbelwagen. Das neue Hauptquartier der US Army in Wiesbaden, von wo aus demnächst rund 30.000 Soldaten in ganz Europa befehligt werden sollen, ist im Prinzip fertig - allerdings noch ziemlich leer. Von Felix Frieler

„Was uns jetzt noch fehlt, ist ein Vertrag über die Möbellieferung“, sagt Mark P. Hertling, Kommandeur der europäischen US-Landstreitkräfte, ein wenig verärgert. US-Behörden seien noch immer mit der Ausschreibung und dem Vergleich von Angeboten beschäftigt, erklärt ein Militärsprecher. Erst dann könne der Umzug von Heidelberg in die hessische Landeshauptstadt beginnen. Die Mühlen der Bürokratie mahlen also offenbar auch in den Vereinigten Staaten langsam.

Trotzdem scheinen die Soldaten voller Vorfreude. „Wiesbaden ist jetzt das Zentrum des Universums“, scherzt Hertling bei der Vorstellung des „General John Shalikashvili Kommando- und Führungszentrums“ - kurz „Shali Center“. 119 Millionen Dollar (95 Millionen Euro) hat sich die Armee allein ihr neues Hauptquartier kosten lassen. Einschließlich neuer Wohnviertel wurden 550 Millionen Dollar investiert.

Das Herzstück ist die Kommandozentrale

Dass in dem vierstöckigen Bauwerk künftig die Fäden des europäischen US-Armee-Kommandos zusammenlaufen, ist auf den ersten Blick kaum zu erahnen. Mit seiner pastell-gelben Fassade und den hohen, leicht getönten Fenstern wirkt das Gebäude wie ein Einkaufszentrum auf der grünen Wiese.

Das Herzstück ist die Kommandozentrale: Wie im Kontrollraum der NASA in Houston werden hier demnächst 110 Menschen an langen Schreibtischreihen sitzen und auf einer mindestens 20 Meter breiten Videowand sämtliche Truppenbewegungen verfolgen. Zwar werden in Wiesbaden hauptsächlich Übungen und der Nachschub koordiniert, technisch seien die Soldaten aber auch dazu in der Lage, aus dem neuen Hauptquartier heraus Kampfeinsätze zu leiten, erklärt Hertling.

326 bunte Ein- und Mehrfamilienhäuser

1100 Soldaten und Zivilangehörige sollen im neuen Hauptquartier arbeiten. Damit sie alle unterkommen, hat die Armee nur einige hundert Meter neben der Zentrale eine Wohnsiedlung für ihre Truppen gebaut. Von einem deutschen Neubaugebiet ist das „Newman Village“ kaum zu unterscheiden. 326 bunte Ein- und Mehrfamilienhäuser stehen hier Vorgarten an Vorgarten. Bei den US-Soldaten sind die Häuschen bereits heiß begehrt. „Ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr mit meiner Frau und meinen beiden Kindern ein Haus zugeteilt bekomme“, sagt Sergeant Michael Nelson aus Nevada. Alle Häuser hätten eine Garage, mehrere Schlafzimmer und einen Garten, schwärmt er.

Auch die Häuser der GI’s sind noch leer. Allerdings steht der Einrichtung hier kein großer Verwaltungsakt mehr im Weg, erzählt ein Armee-Sprecher. Entweder die Soldaten bekommen von den Streitkräften Möbel auf Zeit zur Verfügung oder sie fahren ein paar Kilometer ins nächste Einrichtungshaus nach Wiesbaden - ganz ohne Ausschreibung.

dpa

Quelle: op-online.de

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