Alltagseindrücke aus dem Dienst

Bundesfreiwilligendienst „eine einzigartige Erfahrung“

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Bei Sportaktivitäten in der Behindertenhilfe sind sozial Engagierte des Bundesfreiwilligendienstes mit dabei.

Offenbach - „Es gibt nichts Tolleres, als von ihrer unbändigen Lebensfreude angesteckt zu werden“, beschreibt Max Voelkel seine Motivation und den Antrieb, jeden Morgen ab halb neun für seine kleinen Schützlinge da zu sein.

Der 19-jährige Heusenstammer versieht seit Anfang September in der Kindertagesstätte des Arbeiter-Samariter-Bundes an der Frankfurter Straße in Offenbach Bundesfreiwilligendienst.

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Nach erfolgreich bestandenem Fachabitur hätte er allemal einen Vollzeitjob annehmen und ordentlich Geld verdienen können, tat es aber nicht. Der junge Mann entschied sich bewusst für die soziale Aufgabe, die ihm zwölf Monate lang nur ein vergleichsweise bescheidenes Taschengeld beschert. Der Typ „großer Bruder“ kommt an bei den Kleinen. „Die Kinder begegnen einem so unbefangen und öffnen ihre Herzen, das ist beinahe schon unheimlich. Es ist jedenfalls eine einzigartige Erfahrung.“ Ob er eines Tages beruflich im sozialen Bereich Fuß fassen möchte, weiß Max noch nicht. Ihm schwebt im Anschluss an den BFD erst einmal ein Auslandsjahr vor, um auf seinem weiteren Lebensweg möglichst viele unterschiedliche Erfahrungen mitzunehmen, die er so bald nicht wieder sammeln kann.

Der einzige junge Mann

Max Voelkel ist nicht der einzige junge Mann, der in der ASB-Einrichtung Kinder betreut. Ein ehemaliger Mitschüler tut es ihm gleich, allerdings im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Die Einsatzvoraussetzungen sind in weiten Teilen vergleichbar, ein paar Unterschiede gibt es dennoch. Der Bufdi hat beispielsweise zwei Tage weniger Jahresurlaub als ein FSJler, dafür kann der Bundesfreiwilligendienst im Abstand von fünf Jahren beliebig oft wiederholt, das Freiwillige Soziale Jahr nur einmal genommen werden.

Für die Leitung der Kita sind die beiden jungen Männer ein Gewinn, bereichern sie doch mit ihrer unkomplizierten Herangehensweise und der einen oder anderen neuen Idee die Betreuungsarbeit, die momentan von 14 Erzieherinnen geleistet wird. 60 Krippenkinder bis drei Jahre sowie weitere 50 Mädchen und Jungen bis zum sechsten Lebensjahr wollen beschäftigt sein. Eine dritte Bufdi-Stelle ist in dieser Tagesstätte noch zu besetzen. Die Einstellung kann jederzeit erfolgen, sofern die Ausgangsbedingungen erfüllt sind. Der ASB Mittelhessen mit Sitz in Offenbach bietet derzeit insgesamt 16 Einsatzstellen an, etwa im Mahlzeitendienst, Hautnotrufservice und in der Seniorenarbeit.

Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit

Dass nach wie vor Bedarf besteht, zeigt sich in Offenbach und Umgebung unter anderem beim Internationalen Bund (IB), einem freien Träger der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit. Bestärkt durch positive Erfahrungen ihrer Frankfurter Kollegen mit Freiwilligendienstleistenden wünscht sich Bereichsleiterin Heidi Bauch einen BFDler für die nachmittägliche Schulkinderbetreuung im Hort an der Rowentastraße. Dort hat die Einrichtung Anfang März diesen Jahres Betreuungskapazitäten für 60 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren geschaffen und unterbreitet neben warmem Mittagstisch und Hausaufgabenbetreuung auch zahlreiche Freizeit- und Ferienangebote. Wer Freude am Umgang mit Kindern hat, kann sich hier als Freiwilliger einbringen – egal ob weiblich oder männlich. Der Einstieg ist jederzeit möglich.

In der Stadt Offenbach sind 36 BFDler eingesetzt, davon 17 weibliche. Über zwei Drittel sind jünger als 27 Jahre. Im Landkreis Offenbach weist der Bundesfreiwilligendienst nach Aussage von Antje Mäder, Pressesprecherin im Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln, 60 Stelleninhaber aus. Bei der überwiegenden Zahl handelt es sich um junge Männer. Nur sechs Personen sind über 27 Jahre, obwohl mehrere Einsatzstellen gern auch ältere Freiwillige beschäftigen würden.

BFDler in Hessen

Mit seinen 17 Jahren zählt Niklas Höfer zu den jüngsten BFDlern in Hessen. Nach dem Realschulabschluss konnte er noch nicht gleich ins berufliche Leben einsteigen, entschied sich daher für den Bundesfreiwilligendienst und bewarb sich beim Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) in Frankfurt. Hier unterstützt er seit Anfang September in seinem einjährigen Einsatz die Mitarbeiter der Abteilung Sportentwicklung, ist aber auch in anderen Abteilungen des Verbandes tätig. Er begleitet Kampagnen und hilft bei der Organisation. „Die Teilnahme an einer Pressekonferenz war für mich kürzlich eine besonders spannende und interessante Erfahrung. So nah dran ist man ja sonst nicht“, sagt der junge Mann aus Eppstein. Zusammen mit Niklas Höfer leistet der 19-jährige angehende Sportstudent Lars Schlögel aus Glauburg-Glauberg freiwilligen Dienst beim DTTB. Der Verband hat sich von Anbeginn für Bundesfreiwillige geöffnet und ausgesprochen gute Erfahrungen gemacht, wie die Leiterin der Abteilung Breitensport, Marita Bugenhagen, bekräftigt. „Das war letztlich auch der Beweggrund dafür, die Zahl der Einsatzstellen bereits im zweiten Jahr zu verdoppeln.“

Im Gegensatz zu anderen Flächenbundesländern, wie Nordrhein-Westfalen oder Niedersachen, wo deutlich mehr Frauen als Männer Freiwilligendienst leisten, ist das Geschlechterverhältnis in Hessen nahezu ausgeglichen. Auffallend: Es suchen vermehrt junge Männer Einsatzstellen im Bereich Kinderbetreuung.

hhr

Quelle: op-online.de

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