Die Gefahr, dass ein Asteroideneinschlag die Erde verwüstet, besteht wirklich / Experten verlangen internationales Abwehrprogramm

„Es ist nur eine Frage der Zeit ...“

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Asteroid „Lutetia“

Darmstadt ‐ Die Gefahr eines Asteroideneinschlags auf der Erde, das klingt nach einem Horrorszenario in einem Science-Fiction-Film. Von Kathrin Hedtke (dapd)

Dabei handele es durchaus um eine realistische Bedrohung, betonen Weltraumexperten - und bringen ein internationales Abwehrprogramm auf den Weg. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Asteroid mit unserer Adresse auftaucht“, sagte der ehemalige US-Astronaut Rusty Schweickart am Freitag nach einem dreitägigen Workshop im Europäischen Satellitenkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt. Als Ergebnis empfehlen die Experten den Vereinten Nationen die Einrichtung einer internationalen Arbeitsgruppe zur Planung und Steuerung von Abwehrmissionen, bestehend aus Vertretern aller Weltraumorganisationen. Auch wenn Einschläge mit großem Schaden auf der Erde sehr selten sind, so gibt es sie doch: Vor 65 Millionen Jahren schlug ein riesiger Asteroid in Mexiko ein, der das Erdklima innerhalb kürzester Zeit radikal veränderte und so zum Aussterben der Dinosaurier führte. Als Beispiel der jüngeren Zeit führte Schweickart einen gewaltigen Einschlag 1908 in Sibirien an, als ein Objekt weite Teile der Region in ein Inferno verwandelte. Es gebe rund eine Million Asteroide im Weltall, sagte der Apollo-9-Astronaut. Alle 200 bis 300 Jahre drohe ein gefährlicher Asteroid auf der Erde einzuschlagen. Die Gefahr sei nicht neu. „Neu ist, dass wir unsere Augen geöffnet haben“, sagte der Ex-Astronaut. Durch die verbesserte Beobachtungstechnik werden heute auch kleinste Felsbrocken im Sonnensystem erfasst, einige davon haben Umlaufbahnen, die sich der Erde bedrohlich nähern können. Nach Angaben der ESA gibt es rund 1150 sogenannte erdnahe Objekte, auch NEO genannt. „Wenn du Felsbrocken auf deinen Kopf zufliegen siehst, musst du handeln“, warnte Schweickart. Inzwischen habe man die Bedrohung nicht nur erkannt, sondern habe auch die Fähigkeit, sie zu verhindern.

Es sei höchste Zeit, sich mit dem Thema zu beschäftigen. „Es handelt sich um eine globale Gefahr, deshalb muss auch gemeinschaftlich gehandelt werden“, fügte der Astronaut hinzu. Das Bewusstsein für die Bedrohung durch einen Asteroideneinschlag wachse langsam, doch es sei ein politischer Prozess nötig. Die technische Herausforderung zur Abwehr eines Asteroiden sei vergleichsweise gering, fuhr der Weltraumexperte fort. Viel größer seien die bürokratischen Hürden - wer entscheidet über so eine Mission? Es bedürfe einer kollektiven Entscheidung der Welt, betonte Schweickart. Dafür seien die Vereinten Nationen der richtige Rahmen. Der Schlüssel für die Abwehr eines Asteroiden sei es, seine Umlaufbahn zu ändern. So eine Mission braucht einige Jahre Vorbereitung. Für Felsbrocken bis zu einem Durchmesser von 300 Metern reichten die technischen Möglichkeiten bereits aus, sagte der Astronaut. Für größere Asteroide komme nach dem derzeitigen Stand der Technik nur eine Atomexplosion im Weltall in Betracht. „Über so eine Idee ist niemand glücklich“, fügte er hinzu. Deshalb gelte es die Technologie auf diesem Gebiet voranzutreiben. Die Forschung der neuen Arbeitsgruppe soll sich daher vor allem mit der Ablenkung von Asteroiden beschäftigen. Als Ziel formulierten die Teilnehmer, dass die Gefahr möglichst früh erkannt werden müsse. Dafür sollen die Weltagenturen mehr Teleskope zur Verfügung stellen. Der ESA-Asteroidenexperte Detlef Koschny betonte: „Je früher wir einen Asteroiden von seiner Bahn ablenken können, umso weniger Energie brauchen wir.“

Als nächstes wird sich der 270 Meter große Asteroid „Apophis“ am 13. April 2029 der Erde bis auf 30 000 Kilometer nähern. Die Gefahr, dass der Felsbrocken treffe, sei ausgeschlossen, sagte Koschny. Dennoch wird es nach Ansicht der Experten Zeit, dass sich die Welt des Problems annimmt. Es müsse niemand Angst haben, wenn ein Objekt entdeckt werde. Das passiere immer öfter. „Aber es ist klar, dass wir etwas tun müssen.“

Quelle: op-online.de

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