Für eine Generation ohne Benzin im Blut

Offenbach ‐ Es war die Zukunft unserer (Auto-) Mobilität, die gestern im Offenbacher Büsingpalais in allen ihren Facetten beleuchtet wurde. Von Matthias Dahmer

In der hochkarätig besetzen Veranstaltung der Regionalen Leitstelle Elektromobilität der Modellregion Rhein-Main, die sich in eine Fachtagung samt Podiumsdiskussion sowie in eine öffentlich zugängliche Ausstellung zum Thema gliederte, machten die Referenten deutlich: An den alternativen Antrieben führt zum einen wegen zu Ende gehender Ölreserven kein Weg mehr vorbei. Zum anderen hat die Elektromobilität das Potenzial, den Stadt- und Regionalverkehr wie wir ihn heute kennen, völlig umzukrempeln.

Den herkömmlichen Verbrennungsmotoren geben die Experten noch ein bis zwei Jahrzehnte bis sie - trotz weiterer Optimierungen - ein Auslaufmodell sind. Bis dahin wird sich den Prognosen zufolge auch die fürs Elektro-Auto notwendige Batterietechnologie, bei der mittlerweile bei den Lithium-Ionen-Batterien die Marktführer aus dem asiatischen Raum kommen, in Sachen Reichweite, Größe und Kosten so verbessert haben, dass sie massentauglich ist.

Problemloses Laden der Batterien entscheidend

„Es geht alles schneller als gedacht“, sagte etwa Andreas Varesi, Geschäftsführer des Münchner Beratungsunternehmens Technomar GmbH. Er erinnerte unter anderem an den jüngsten Reichweiten-Rekord eines Audi A2 mit Elektroantrieb hin, der mit einer Batterieladung 600 Kilometer schaffte. Auch bei den Anschaffungskosten für einen Stromer sieht er Bewegung nach unten: Dank staatlicher Subventionen ist künftig in Kalifornien ein Elektroauto von Nissan für rund 15.000 Euro zu haben.

Als wesentlich für eine funktionierende Elektromobilität wird die Infrastruktur, sprich das problemlose Laden der Batterien angesehen. Die meisten wollten dies in ihrer eigenen Garage erledigen, zitierte Varesi aus einer Umfrage. Gleichzeitig skizzierte er Pläne, wonach künftig auch induktives, sprich kabelloses Laden, sogar während der Fahrt möglich sein wird.

Dr. Michael Kassner, Chef von Siemens Region Mitte, entwarf das Szenario einer ganzheitlichen Lösung bei der Elektromobilität. Die müsse unterschiedliche Interessensgruppen, wie private Nutzer, Unternehmen oder die Politik ebenso im Blick haben wie die drängenden praktischen Fragen etwa nach Kosten, Wartung, Sicherheit, und Reichweite von Elektofahrzeugen.

iPhone-Generation hat kein Benzin mehr im Blut

Weil die Stromfahrzeuge weniger Material verbrauchten, weniger komplex seien und weniger Fehlerquellen beinhalteten, gehöre ihnen die Zukunft. Wann der Durchbruch gelinge, so Kassner, sei zwar noch offen. Doch schaue man sich bei anderen Technologien die Zeitspannen von der Idee bis zur Umsetzung an, so gebe die Entwicklung Anlass zu Hoffnung. Das Telefon habe 100 Jahre gebraucht , das Internet gerade mal 20, sagte Kassner. Der Siemens-Mann sprach zudem die Rolle des E-Autos als Stromspeicher an, die bei einer Überlastung der Netze in Folge überhöhter Stromeinspeisung als Puffer dienen könnten, um bei Bedarf den Saft wieder einzuspeisen. Das, schränkte Andreas Varesi ein, rechne sich erst, wenn mehr als zehn Millionen Elektroautos auf Deutschlands Straßen rollen.

Der Unternehmensberater prognostizierte, für die „Generation i-Phone“, die ohnehin kein Benzin mehr im Blut habe, besitze das Auto einen anderen Stellenwert, diene nur zur Fortbewegung von A nach B. Die werde ein Fahrzeug zukünftig möglicherweise im Paket mit den Solarmodulen auf dem Dach kaufen oder mit einem Handy anmieten.

Quelle: op-online.de

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