Länderübergreifendes Projekt soll Ökologie verbessern

Eine lebendige Lahn für alle

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Freizeitwert: Die Lahn ist bei Wassersportlern sehr beliebt. Kanuten oder Stehpaddler erfreuen sich vor allem an den Wochenenden an der schönen Flusslandschaft.

Limburg Die Lahn fließt gemächlich von ihrer Quelle im Rothaargebirge bis zur Mündung in den Rhein. Vieles stört ihren Lauf, doch nun bietet sich die Chance auf wichtige Veränderungen am und im Fluss. Von Carolin Eckenfels

Die Lahn ist ein Fluss, an dem sich Paddler und Eisvogel treffen können. Freizeitspaß und Naturschutz liegen dort eng beieinander, manchmal auch zu eng. Nun geht ein von der EU gefördertes Projekt an den Start, das unter anderem Ökologie und Naherholungswert des Flusses verbessern soll. „Das ist eine historische Chance auch für die Region“, sagte Koordinator Stephan von Keitz vom hessischen Umweltministerium. „Living Lahn“, also „lebendige Lahn“, lautet das Motto des auf zehn Jahre angelegten Vorhabens. Dabei sitzen neben den federführenden Hessen das Land Rheinland-Pfalz sowie Bundesbehörden in einem Boot. Zudem soll mit Vertretern der verschiedenen Lahnnutzer zusammengearbeitet werden. Denn im Kern geht es darum, ein Zukunftskonzept für den Fluss zu entwickeln, das möglichst viele Interessen vereint, von Anglern bis zu Wasserkraftwerksbetreibern, von Aalen bis zu Kanufahrern. Hinzu kommen Maßnahmen etwa zur Renaturierung, von denen aber nicht alle neu sind.

Farbenprächtig: Mit etwas Glück ist der Eisvogel in den Auen der Lahn zu beobachten.

Hessens Umweltstaatssekretärin Beatrix Tappeser sagte bei der Projektvorstellung am Freitag in Limburg: „Künftig können wir für die Regionalentwicklung an der Lahn ganz neue Wege beschreiten, denn die Aspekte Umwelt- und Naturschutz, Hochwasserschutz und Tourismus werden bei allen Planungen von Beginn an gleichberechtigt bedacht und behandelt.“ Ihr Kollege aus Rheinland-Pfalz, Thomas Griese, sagte: Die Lahn sei „eine wichtige Lebensader und wunderschöne Flusslandschaft, die unsere ganze Aufmerksamkeit verdient“. Die Lahn entspringt im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen und mündet nach 242 Kilometern bei Lahnstein in den Rhein. Beim Ausbau zur Wasserstraße im 19. Jahrhundert wurde der Fluss zu einem großen Teil von seinen Auen abgeschnitten, seine Ufer wurden befestigt und die Dynamik durch Staustufen eingeschränkt. In den nächsten zehn Jahren fließen etwa 15 Millionen Euro in das Projekt, rund neun Millionen stammen aus dem EU-Umweltförderprogramm „Life“. Investitionen, um nach Angaben der Beteiligten „entlang des Flusses einen guten ökologischen Zustand, einen umweltverträglichen Hochwasserschutz und einen nachhaltigen Tourismus zu erreichen“.

Koordinator von Keitz sagt: „Wir wollen die Chance nutzen, einen Fluss, der überwiegend als Wasserstraße ausgebaut war, aber nicht mehr als solche genutzt wird, in ein multifunktionales Gewässer weiterzuentwickeln.“ Und das unter stärkerer Berücksichtigung der Ökologie und der Naherholung als bisher. Möglich wird das auch deshalb, weil die Lahn zwar größtenteils eine Bundeswasserstraße ist, aber mittlerweile als Nebengewässer gilt, wo die Freizeitschifffahrt dominiert. Das eröffnet Spielräume für die Entwicklung.

Ähnlich sehen das Naturschützer. „Das Projekt kann dazu beitragen, die Lahn spannender und interessanter zu machen, sowohl für viele Tier- und Pflanzenarten als auch für Erholungssuchende und Kanufahrer“, meint Mark Harthun, der stellvertretende Landesgeschäftsführer des hessischen Naturschutzbunds (Nabu). Er verspricht sich von den geplanten Maßnahmen eine Lahn, die wieder natürlicher fließt und mehr Raum hat, mit Vorteilen für Natur und Mensch.

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Auch die Tourismusbranche setzt auf eine nachhaltige Entwicklung an dem Fluss: Man wünsche sich eine „ökologische Optimierung der Infrastruktur“, sagte Achim Girsig, Geschäftsführer des Lahntal Tourismus-Verbandes. Im Lahntal gibt es demnach pro Jahr 2,5 Millionen Übernachtungen und 17 Millionen Tagesausflügler.

Nach Angaben von Koordinator Stephan von Keitz dient das Projekt auch dazu, die europäische Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen. Die besagt, dass Gewässer wieder einen „guten ökologischen Zustand“ haben müssen. Der „gute Zustand“ hätte allerdings schon 2015 erreicht sein müssen, sagte Nabu-Referent Harthun. Es seien nun „massive Anstrengungen“ nötig, um das bis 2027 verlängerte Ziel zu erreichen.

Zu den konkreten Vorhaben des Projektes gehört unter anderem Hilfe für Aale, wie Wiebke Büschel vom beteiligten Regierungspräsidium Gießen erklärte. Wasserkraftwerke sorgen häufig für ein tödliches Ende ihrer Wanderung. Also soll die Lahn durchgängiger für Fische werden. Außerdem ist geplant, einen Altarm der Lahn wieder an den Flusslauf anzuschließen – was wiederum auch den Eisvogel freuen würde.

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dpa

Quelle: op-online.de

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