„Die Komödie“ spielt ein Stück zum Thema Integration lustvoll mit Klischees

Frankfurter Komödie zeigt eine schrecklich nette Familie

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Erstklassiges Ensemble: Matthias Kofler, Clara Cüppers, Ouadirh Ait Hamou und Nico Venjacob in der Komödie von Stefan Vögel.

Frankfurt - Das Thema Integration ist in aller Munde, doch während allerorten noch über funktionierende Konzepte diskutiert wird, zeigt das Theater „Die Komödie“ mit „Achtung Deutsch“ auf erfreulich leichtfüßige Art, wie das Zusammenleben von Angehörigen verschiedener Nationalitäten gelingen könnte. Von Maren Cornils 

Das beweist in der von Jochen Busse (Regie) glänzend inszenierten Komödie von Stefan Vögel eine multikulturelle Studenten-WG: Hendrik (Patrick Dollmann) bewohnt mit der Französin Virginie (Clara Cüppers), dem Italiener Enzo (Nico Venjacob), dem Syrer Tarik (Quadirh Ait Hamou) und „Ösi“ Rudi (Matthias Kofler) eine Fünf-Zimmer-Wohnung im Rheinland. Eine Wahlfamilie, die - von gelegentlichen Kabbeleien um Abwasch, Partylärm und Mietzahlungen - soweit ganz gut funktioniert. Bis Hendrik in den Skiurlaub fährt. Kaum, dass der Hausherr weg ist, schneit dem Quartett ein Schreiben des Wohnungsunternehmens ins Haus, das eine Prüfung der Wohnverhältnisse ankündigt, um zu schauen, ob die Fünf doch eine Sozialwohnung bewohnen. Dumm nur, dass sie nicht als Wohngemeinschaft, sondern als Familie mit zwei Kindern gemeldet sind. Ein Irrtum, der so spät nicht mehr aufzuklären ist. Problematisch ist das vor allem für Tarik, denn der fleißige, überaus korrekte Student der Germanistik wartet auf seine Einbürgerung. Doch auch Virginie, die sich ihr BWL-Studium mit allerlei Männerbekanntschaften vertreibt, der verspielte Enzo und der stets verpennte Rudi kommen bei dem Gedanken, das Dach über dem Kopf zu verlieren, ins Schwitzen.

Und so hat das erfinderische Quartett eine geniale Idee: Sie spielen dem Prüfer (Steffen Laube) eine typisch deutsche Familie vor. Allerdings haben sie dabei nicht mit ihrem fiesen Nachbarn Schröder (René Touissant) gerechnet. Und auch Rudis Unvermögen, dialektfrei zu sprechen sowie allerlei andere Ungereimtheiten machen den Studenten das Leben schwer. Schon bald entwickelt sich ein immer absurder werdendes Spiel, an dessen Ende jedoch feststeht: Jeder der Fünf inklusive dem schwäbelnden Prüfer hat das Herz am rechten Fleck.

Theateraufführung „Barfuß im Park“

Vögels Komödie hebt sich wohltuend von den stets nach Schema F aufgebauten Boulevardkomödien ab und kommt - da spürt man die lenkende Hand von Kabarettist Busse - erfrischend unkonventionell, oft sogar flapsig daher. Klischees werden oft genug munter bedient, aber auch als das entlarvt, was sie sind: dumme Vorurteile.

Aus dem durchweg erstklassigen jungen Ensemble stechen besonders Nico Venjacob mit seiner Paten-Nummer und Matthias Kofler als arbeitsscheuer Wiener hervor, der allein seines Dialektes wegen die Lacher auf seiner Seite hat. Und wenn der freundliche Prüfer am Ende konstatiert: „Ihr seid mehr Familie als die meisten, die ein und denselben Namen tragen“, dann ist das ein Schlusssatz, der den Applaus ebenso verdient wie das hoch motivierte Ensemble. „Achtung Deutsch“ ist bis zum 18. Oktober in der Frankfurter Komödie, in der Neuen Mainzer Straße 14-18, zu sehen. Karten gibt es unter der Telefonnummer 069/284580.

Quelle: op-online.de

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