Eine Stadt in der Stadt

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Auf dem Airfield in Wiesbaden-Erbenheim entsteht die neue Führungs- und Kommandozentrale der US-Streitkräfte.

Wiesbaden - Die Zukunft der US-Armee in Europa liegt in einem großen grauen Betonklotz. Der steht in Wiesbaden und beherbergt künftig die neue Führungs- und Kommandozentrale der US-Streitkräfte. Von Jan Brinkhus

Noch ist das 90 Millionen Euro teure Gebäude aus dickem Stahlbeton nur ein Rohbau. Nun feierten Amerikaner und Arbeiter aber schon einmal nach guter deutscher Tradition Richtfest. „Ein schönes Werk ist uns gelungen“, heißt es in dem Spruch der Handwerker. Wenn man schön als funktional übersetzt, stimmt das auch. Ansonsten gleicht das Bauwerk eher einer riesigen Festung aus dem Mittelalter.

Nach zwei Jahren Bauzeit soll es im Spätsommer 2012 fertig sein und auf 26 000 Quadratmetern Fläche Platz für rund 1000 Arbeitsplätze bieten. Mit modernster Technik können dann von dort aus auch militärische Operationen gesteuert werden. Über Details, was dann im Inneren vor sich gehen wird, reden die US-Militärs nicht so gerne.

Dafür verraten sie aber, was der Umzug des europäischen Hauptquartiers nach Wiesbaden kostet. Und das ist eine ganze Menge: Auf 550 Millionen Dollar (knapp 400 Millionen Euro) werden die Investitionen für die notwendigen Aus- und Umbauten beziffert, die neue Führungs- und Kommandozentrale ist nur ein kleinerer Teil davon.

Bislang war das Hauptquartier in Heidelberg angesiedelt, die baden-württembergische Stadt hatte bis zuletzt mit dem benachbarten Mannheim um den Erhalt des Standorts gekämpft - vergebens. Seit Mitte 2010 ist die Verlegung beschlossene Sache. Wiesbaden dagegen freut sich: Denn nicht nur rund 2000 Soldaten werden bis Mitte des Jahrzehnts in die hessische Landeshauptstadt umziehen. Mit ihnen kommen auch deren Familien und Kaufkraft.

Derzeit zählt die US-Militärgemeinde in Wiesbaden und Umgebung bereits 16 500 Menschen. Darunter knapp 3000 Soldaten und mehr als 1100 deutsche Zivilangestellte. Zwar wird im Sommer die bislang auf dem Airfield in Wiesbaden-Erbenheim stationierte Panzereinheit „1st Armored Division“ zurück nach Texas verlegt, insgesamt wächst die US-Militärgemeinde im Rhein-Main-Gebiet aber mit dem Umzug des Hauptquartiers kräftig. Rund 19 000 Menschen inklusive Zivilangestellte und Ruheständler werden es dann sein.

Damit sie alle unterkommen, wird schon seit Ende 2009 fleißig gebaut. Auf einem 40 Hektar großen Gelände entsteht eine komplett neue Siedlung mit 326 Wohnungen für Soldaten und ihre Familien. Die sollen sich an ihrem neuen Standort wohlfühlen, deswegen verzichtet die US-Armee auf große Kasernenbauten im alten Stil. Stattdessen setzt sie auf kleinere und moderne Reihenhäuser, Doppelhaushälften und Einfamilienhäuser. Die Kosten dafür liegen bei rund 133 Millionen US-Dollar (etwa 96 Millionen Euro). Im Frühsommer 2012 soll das Neubaugebiet fertig sein - erstellt übrigens nach deutschen Standards für Sicherheit und Energieeffizienz.

Später wird dann ein großer Zaun auch dieses Wohngebiet wie das gesamte Airfield abschirmen - aus Sicherheitsgründen. Das US-Gelände ist eine kleine Stadt mit Wohnungen, Hotel, Friseur, Fitnesszentrum und Einkaufsmöglichkeiten. Dennoch sollen sich die dort lebenden Amerikaner nicht abschotten, meint Jeffrey Dill, der Garnisonskommandeur von Wiesbaden. Er ermutige die Angehörigen der US- Militärgemeinde, den Kontakt nach außen zu „unseren Nachbarn“ zu suchen. „Ich versuche da mit gutem Beispiel voranzugehen“, sagt er. An Fastnacht etwa sei er auf vier verschiedenen Veranstaltungen gewesen - und habe viel Spaß dabei gehabt.

dpa

Quelle: op-online.de

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