Schlittenhund-Rennen

Mit einem Schuss Maggi

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Rasant durch den nebligen und kalten Taunus: Ein Musher mit seiner Mannschaft.

Schmitten - Kalt, trocken und etwas Sonnenschein: Die Huskys fühlen sich wohl beim Schlittenhunderennen auf dem Großen Feldberg. Allerdings wollen nicht alle ins Ziel. Und der Schnee fehlt auch. Von Sabine Maurer

So genau scheint der junge Husky Chase die Regeln des Spektakels am Wochenende im Taunus nicht begriffen zu haben. Zwei Meter vor dem Ziel des Schlittenhunderennens auf dem Großen Feldberg rammt der zweijährige Rüde plötzlich die Pfoten in den Boden. „Los, vorwärts“, schimpft sein Herrchen Michael Adler hinten auf dem Wagen. Chase läuft los - aber in die falsche Richtung. Die beiden anderen Huskys des Gespanns folgen notgedrungen. Adler zieht die Bremse, geht nach vorne zu den Hunden und führt sie durch das Ziel. „Chase ist einfach schüchtern“, erklärt der 49-Jährige. „Er wollte nicht ins Ziel, weil da so viele Leute stehen.“

Böse ist der Mann aus Höchst im Odenwald seinem Husky-Rüden nicht, schließlich war es dessen erstes Rennen. Weil der Schnee fehlt, ziehen die meisten Vierbeiner Wagen mit Rädern. Adler selbst ist seit 18 Jahren in diesem Sport dabei. Jedes Jahr fährt er etwa vier Rennen, trotzdem ist er vor jedem Start noch nervös. Aufgeregt sind auch viele der etwa 100 Hunde, die bei dem Schlittenhunderennen mitmachen: Fast ständig ist von der großen Wiese neben dem Feldbergturm Heulen oder Bellen zu hören. Die Strecke geht über knapp sechs Kilometer. Kurz vor dem Ziel ist noch ein Berg zu erklimmen. Die Hunde, die bald an den Start müssen, sitzen dort angeleint neben den Wohnwagen ihrer Besitzer. Einige kriegen noch schnell was zu trinken. „Um den Flüssigkeitsverlust nachher beim Rennen auszugleichen“, berichtet Schlittenhund-Besitzer Helmut Steigerwald aus dem bayerischen Wiesthal. Und wenn ein Hund nicht trinken mag? „Dann machen wir Maggi rein, dann trinkt er.“

Anschließend werden die Hunde angespannt. Lange brauchen die Musher, wie die Schlittenhundeführer genannt werden, dafür nicht. So benötigt Adler für die Vorbereitung seiner drei Hunde nur zehn Minuten: Jeder bekommt ein Geschirr aus Nylon umgelegt und wird daran vor den Wagen gespannt. Dieser besteht hauptsächlich aus einem großen Sitz. Er ist aber nicht für den Musher gedacht - der steht dahinter auf Fußbrettern. „Der Sitz ist für den Hund, wenn er sich verletzt. Dann kommt er dort in den Transportsack“, erklärt Adler, dem sechs Huskys gehören. Etwa zweimal in der Woche trainiert er mit ihnen. So müssen die Hunde zum Beispiel die Kommandos lernen, denn sie werden nur mit der Stimme gelenkt. „Man sagt „Gee“ für rechts und „Haw“ für links“, erläutert Adler. Etwa 25 Menschen gehen bei den Wettbewerben des vierten Schlittenhunderennens auf dem Großen Feldberg an den Start. Der veranstaltende Hessische Schlittenhunde-Amateursportclub (HSSC) hatte mit deutlich mehr gerechnet. „Die Teilnehmerzahlen bei den Rennen gehen schon seit Jahren zurück“, bedauert Sebastian Steigerwald vom HSSC. Dabei sind die Bedingungen an diesem Wochenende gut. Bei den Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt fühlen sich die Huskys, denen es schon ab 15 Grad viel zu warm für Bewegung ist, wohl. Der Boden ist trocken, so dass das Rennen keine Schlammschlacht wird. Manchmal schafft es sogar die Sonne durch den Nebel.

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Noch schöner wäre es, wenn Schnee läge und sie mit ihren Schlitten fahren könnten - da sind sich die Musher einig. Das Ziehen auf Schnee ist für die Hunde viel einfacher, außerdem bleibt das Gespann sauber. „Und man hört nur das Gleiten der Kufen und das Hecheln der Hunde“, schwärmt Adler. „Es ist einfach herrlich.“

(dpa)

Quelle: op-online.de

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